Mit LNG-Terminals etwa in Wilhelmshaven will Deutschland kurzfristig seine Abhängigkeit von russischem Gas verringern. Umweltschützer, Fischer und Bürger fürchten aber Umweltschäden durch die schwimmenden Industrieanlagen – vor allem das Abwasser bereitet ihnen Sorge.
Von Uniper gechartertes LNG-Schiff Schneeweißchen
(Bild: Uniper)
Mitten in der Energiekrise wachsen in Wilhelmshaven die Sorgen vor Umweltverschmutzungen und Schäden durch das im Bau befindliche Importterminal für Flüssigerdgas (LNG). Bei einer fast dreistündigen Informationsveranstaltung im Wattenmeer-Besucherzentrum am Dienstagabend, an der auch Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) teilnahm, diskutierten Umweltschützer, Politiker, Fischer und Bürger über Risiken und Bedenken. Zu der Veranstaltung, zu der das Umweltministerium eingeladen hatte, waren zwischen 200 und 300 Interessierte gekommen.
Viele Teilnehmer bemängelten, dass es zu wenig Informationen zu den LNG-Projekten gebe und bekundeten wenig Vertrauen zu den Behörden. „Ich habe das Gefühl, dass wir überrollt werden“, sagte ein Zuhörer. Es sei angesichts der Vielzahl von Vorhaben nicht nachvollziehbar, was in der Stadt passiere. „Die Kommunikation hat nicht die Geschwindigkeit, die sie haben müsste“, gab Umweltminister Lies zu. Er warb jedoch auch um Verständnis. Es müsse in „unglaublicher Geschwindigkeit“ die Abhängigkeit von russischem Gas beendet werden. Dazu müsse Energie importiert werden, zunächst durch LNG-Terminals. Mittelfristig solle diese Infrastruktur für den Import von „grünen Gasen“ wie Wasserstoff genutzt werden können.
Vor allem an der Einleitung von mit Bioziden behandelten Abwässern des LNG-Terminalschiffes „Höegh Esperanza“, das ab Ende Dezember in Wilhelmshaven in Betrieb gehen soll, entzündete sich Kritik. Denn um das mit Tankern angelieferte verflüssigte Erdgas wieder in Gas umzuwandeln, muss es an Bord der schwimmenden LNG-Terminals mit Nordseewasser erwärmt werden. Damit die Seewassersysteme des Schiffes nicht mit Muscheln oder Seepocken zuwachsen, muss laut dem Betreiber Uniper Chlor als Biozid eingesetzt werden. Wie aus Antragsunterlagen hervorgeht, beabsichtigt Uniper, jährlich bis zu 178 Millionen Kubikmeter mit Bioziden behandelte Abwässer in die Jade einzuleiten.
Umweltschützer fürchten dadurch Schäden für die Nordsee und das angrenzende Wattenmeer. „Da reden wir nicht nur über Chlor, sondern über zahlreiche Verbindungen“, sagte Imke Zwoch vom Bund für Umwelt und Naturschutz (Bund). Die eingeleiteten Mengen müssten kontinuierlich überwacht werden. In den Antragsunterlagen seien von Uniper Messungen im Dauerbetrieb aber nur im monatlichen Rhythmus vorgesehen. Das Schiff werde für 200.000 Euro am Tag gechartert. „Für das Geld können wir, glaube ich, ein bisschen mehr verlangen im Sinne unseres Wattenmeeres, unseres Weltnaturerbes“, forderte Zwoch.
Lies bekräftigte, dass es auch behördliche Messungen geben müsse. Er erklärte aber auch, dass sich das Chlor und andere Nebenprodukte wie Bromofom Modellierungen zufolge durch den Wechsel der Gezeiten in der Jade vermischten und verflüchtigen. „Sie unterschreiten dann die zulässigen Werte“. Eine Einleitung löse nicht sofort einen Umweltschaden aus, auch bei Klärwerken gebe es unter Einhaltung von Grenzwerten entsprechende Einleitungen, sagte Lies.
Umweltschutzverbände wie der BUND und die Deutsche Umwelthilfe forderten zu prüfen, ob statt Biozide mechanische Verfahren, etwa durch kleine Gummikugeln, bei der Reinigung der Seewassersysteme genutzt werden könnten.
Eine Sprecherin der Genehmigungsbehörde, des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), betonte, dass eine Behandlung der Abwässer notwendig sei. Die Frage sei nun, welches Verfahren das geeignetste sei. Auch die Frage der Messungen werde im laufenden wasserrechtlichen Erlaubnisverfahren genau geprüft. „Da wird es unsererseits Vorgaben geben“, versprach die Sprecherin mit Blick auf Messungen zu eingeleiteten Abwässern.
Deutliche Kritik kam auch von Krabben- und Muschelfischern. Seit mehr als 100 Jahren würden in der Jade Krabben und Muscheln gefangen, sagte der Präsident des Landesfischereiverbandes Weser-Ems, Dirk Sander. „Wenn dieses ganze Geraffel tatsächlich kommt, dann können wir das Land verlassen. Dann ist die Jade für uns tot.“ Wer wolle die Krabben und Muscheln nach der Einleitung der mit Bioziden behandelten Abwasser noch essen, fragte Sander.
„Die Industrie hat ein großes Interesse, Industrie und Umwelt zusammen zu bringen“, bekräftigte dagegen der Geschäftsführer der Nord-West Oelleitungsgesellschaft (NWO), Jörg Niegsch. Neben Uniper plant sein Unternehmen ebenso wie ein Konsortium um das Unternehmen Tree Energy Solutions (TES) je ein weiteres Terminal in Wilhelmshaven. Niegsch sagte, bei den schwimmenden Importterminals handele sich um eine „bewährte Technologie“. „Wenn die so schlimm und schädlich wäre, wie das, was jetzt gerade geschildert wurde, dann würde es diese Technologie schon lange gar nicht mehr geben.“
Stand: 08.12.2025
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