Kohlenstoffkreislauf Baden-Württemberg fördert Projekt zur Nutzung von industriellen CO2-Emissionen

Quelle: KIT 2 min Lesedauer

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Mit dem Necoc Verfahren will das KIT unvermeidbare CO2-Emissionen in einen nutzbaren Rohstoff überführen. Gemeinsam mit Industriepartnern bereiten die Forschenden nun den Einsatz der Technologie im großtechnischen Maßstab vor.

Die Necoc-Versuchsanlage am KIT produziert festen Kohlenstoff aus klimaschädlichem CO2.(Bild:  KIT/ Markus Breig)
Die Necoc-Versuchsanlage am KIT produziert festen Kohlenstoff aus klimaschädlichem CO2.
(Bild: KIT/ Markus Breig)

Schädliches CO2 direkt aus der Atmosphäre entnehmen und in einen Feststoff umsetzen – diese Idee war der Ausgangspunkt des Forschungsprojekts Necoc (steht für: No Emissions through converting Carbon dioxide to Carbon), das 2020 gestartet ist. Das benötigte Verfahren haben Forschende des KIT entwickelt und in einer Versuchsanlage bereits erfolgreich demonstriert. „Wir produzieren ein hochreines Kohlenstoffpulver, das als Rohstoff genutzt oder sicher gelagert werden kann“, sagt Dr. Benjamin Dietrich vom Institut für Thermische Verfahrenstechnik (TVT) des KIT. Er leitete die Arbeiten in Kooperation mit dem Karlsruher Flüssigmetalllabor (Kalla) am Institut für Thermische Energietechnik und Sicherheit (Ites) des KIT.

Nun bringen die Forschenden diese Technologie auf den Weg in die industrielle Anwendung. „Dafür entwickeln wir das Necoc-Verfahren so weiter, dass CO2 aus industriellen Abgasen genutzt werden kann“, erklärt Dietrich. „Damit entsteht ein neuer, starker Hebel, um Kohlenstoffkreisläufe direkt in Industrieanlagen zu schließen.“ Im Fokus stehen Anlagen mit technisch nicht vermeidbaren, hohen Emissionen, die zugleich zentrale Ausgangspunkte essenzieller industrieller Wertschöpfungsketten im Land bilden. Exemplarisch dafür steht die Gusseisenindustrie mit Standorten etwa in Singen in Baden-Württemberg, wo Achs- und Bremskomponenten für die Automobilbranche entstehen.

Auch jenseits der Gusseisenherstellung eröffnet das Verfahren neue Perspektiven – so ist bereits ein weiteres Transferprojekt in der Müllverbrennung in Planung, bei der ebenfalls unvermeidbare CO2-Emissionen entstehen. Der im Necoc-Verfahren produzierte Kohlenstoff lässt sich vielseitig als Rohstoff einsetzen. Neben der Nutzung in der Gusseisenindustrie zeigen erste Forschungsarbeiten auch bei der Anwendung als Elektrodenmaterial in Batterien vielversprechende Ergebnisse. Der Einsatz in langlebigen Baustoffen zur Verbesserung ihrer Eigenschaften ist ebenfalls eine Option. „Wir schließen Kohlenstoffkreisläufe“, sagt Dietrich. „Was heute noch als klimaschädliche Emission entweicht, wird Schritt für Schritt Teil einer zirkulären Industrie.“

Übergabe des Förderbescheids in Stuttgart

Bei einer Auftaktveranstaltung hat die Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus des Landes Baden-Württemberg, Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, am 31. März 2026 im Wirtschaftsministerium den Förderbescheid übergeben. Das Land fördert das Vorhaben mit rund 1,4 Millionen Euro.

„Das Projekt am KIT schafft die Grundlage für eine klimaneutrale Produktion in Bereichen, in denen aktuell prozessbedingt große Mengen an Kohlenstoffdioxid emittiert werden. Es sichert damit Wertschöpfung in unserem Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg. Darüber hinaus legt es ein starkes Fundament, damit Verfahren und Anlagen zur Abscheidung und Nutzung von Kohlenstoffdioxid, die auf Ingenieurskunst aus Baden-Württemberg beruhen, selbst ein Aushängeschild unseres Industrielands werden“, sagt Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus.

„Mit Necoc zeigen wir, dass Klimaschutz und industrielle Wertschöpfung kein Widerspruch sind“, sagt Professor Thomas Hirth, Vizepräsident Transfer und Internationales des KIT. „Die Technologie eröffnet die Chance, Prozesse mit unvermeidbaren CO2-Emissionen klimafreundlich zu gestalten und zugleich industrielle Wertschöpfung und Arbeitsplätze langfristig in Deutschland zu sichern.“

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