VUCA: So wird die Chemie resilient
Just-in-Case vs. Just-in-Time? Die Chemie im VUCA-Zeitalter

Von Dominik Stephan 7 min Lesedauer

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Preisschock, Lieferketten-Risiko und Handelskonflikte: Wenn das Unvorstellbare Alltag wird, können Firmen überhaupt gegensteuern? Bieten erprobte Strategien Antworten in unsicheren Zeiten? Und was steckt hinter Buchstabenkürzeln wie VUCA?

In schwerem Wetter: Die Chemie leidet angesichts hoher Rohstoff- und Energiekosten und schwacher Nachfrage unter der derzeitigen Unsicherheit.(Bild:  © TTstudio - stock.adobe.com)
In schwerem Wetter: Die Chemie leidet angesichts hoher Rohstoff- und Energiekosten und schwacher Nachfrage unter der derzeitigen Unsicherheit.
(Bild: © TTstudio - stock.adobe.com)

It’s the end of the world as we know it“ hieß es 1987 im gleichnamigen Hit der Alternative-Rocker REM. Drei Jahre später war nach dem Zusammenbruch des Ostblocks tatsächlich nichts wie zuvor. Und heute? 2025 brechen mit den von US-Präsident Trump angestoßenen Strafzöllen und dem Aussetzen der Waffenlieferungen an die Ukraine weitere Gewissheiten zusammen. Selbst ein Zerfall der NATO und der westlichen Interessensphäre scheint nicht ausgeschlossen. Für eine mit dem Weltmarkt so eng verflochtene Volkswirtschaft wie die deutsche ist diese Entwicklung ein ernstes Problem – für die Chemieindustrie ist sie existenzbedrohend.

Deutsche Unternehmen können weder mit den Energie- und Rohstoffkosten ihrer weltweiten Mitbewerber konkurrieren noch auf starke Absatzmärkte hoffen. Die Zahlen sind eindeutig: Der Branchenumsatz stagniert bei etwa 221 Milliarden Euro, während global ein Wachstum von 2,9 Prozent erwartet wird. Mit der Schwäche zentraler Kundenbranchen, allen voran der Automobilindustrie, schwächelt auch der Bedarf an Polymeren, Grundstoffen, Farben und Beschichtungen. Lediglich die Pharmaindustrie erweist sich als krisenfest – kein Wunder, schließlich werden Menschen auch weiterhin krank. „Ohne eine starke Chemie- und Pharmabranche gibt es keine resilienten Lieferketten, keine Innovationssprünge in vielen Technologien, Materialien und Werkstoffen sowie keine sichere Versorgung mit zentralen Vorleistungen für das gesamte Industrienetzwerk“, betont VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große-Entrup. „Die Corona-Pandemie hat deutlich gemacht, wie wichtig eine starke industrielle Basis am Standort ist.“