Industrieparktypen in China Industrieparks in China - Standortentwicklung nach Plan

Redakteur: Jon Augestad

Verbundstandorte, eine nachhaltige Entwicklung, Kreislaufwirtschaft und Umweltschutz spielen auch für Chinas Volkswirtschaft eine maßgebliche Rolle. Zahlreiche neue Gesetze sollen durchsetzen, was in den westlichen Ländern längst zum Standard gehört: Ressourceneinsparung, Umweltschutz, Sicherheit. Die Industrieparks in China existieren auf nationaler, provinzieller und kommunaler Ebene. 2006 überschritt ihre Gesamtzahl 6600. Die attraktivsten Parks für ausländische Investoren sind diejenigen auf nationaler Ebene. Sie genießen begünstigte politische Rahmenbedingungen und ihre Verwaltungskommissionen haben die gleichen Rechte wie die Stadtverwaltungen, was vereinfachend und beschleunigend auf den Ansiedlungsprozess wirken kann.

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Nach ihrem industriellen Fokus und Entwicklungsziel können die chinesischen Industrieparks in sechs Typen unterteilt werden: Economic and Technological Development Zones (ETDZs), Free Trade Zones (FTZs), New- and High-Tech Industrial Development Zones (HIDZs), Border Economic Cooperation Zones (BECZs), Export Processing Zones (EPZs) und Tourist and Holiday Resorts (THRs).

Zwei staatliche Hauptmodelle für die Entwicklung und das Management der Industrieparks sind „das integrierte Verwaltungskommissions-Modell“ und „das getrennte Verwaltungskommissions- und Entwicklungsgesellschafts-Modell“. Im ersten Fall ist die Verwaltungskommission sowohl für die allgemeinen Verwaltungsaufgaben und das Behördenmanagement als auch für das Management der Investoren, die Infrastruktur einschließlich Ver- und Entsorgungseinrichtungen zuständig. Im zweiten Modell ist die Gewährleistung der Infrastruktur die spezielle Aufgabe der Entwicklungsgesellschaft. Maßgebliche Indikatoren für die Steuerung der industriellen Entwicklung in den Parks sind die jährlichen Planzahlen für neue Investitionen und das Kapital/ Flächennutzungsverhältnis, die durch die Stadtverwaltung festgelegt werden.

In den Economic and Technological Development Zones werden Industrie-, Gewerbe-, Wohn-, Freizeit- und Erholungsgebiete integriert. Auf Grund ihrer Funktion als Industriestandort und Siedlungsgebiet lassen sie häufig keine Investitionen in die Schwerindustrie, wie z.B. Petrochemie, zu, sondern konzentrieren sich auf technologisch fortgeschrittene Fertigung, wie z.B. Elektronik- und Lebensmittelindustrie sowie Maschinenbau. Gelegentlich kann sich die Schwerindustrie in den in so genannten Satellitenzonen ansiedeln, wie z.B. im TEDA Chemie-Industriepark (siehe auch Trendbericht Nr. 2 „Chemieparks in China“). Die ersten Economic and Technological Development Zones wurden in der zweiten politischen Öffnungsphase Chinas von 1984 bis 1992 errichtet. Dabei bekamen 14 Städte an der Ostküste und die Insel Hainan das Recht, solche Standorte für ausländische Investoren zu gründen. Im Anschluss an den Erfolg der Küstenregionen wurde dieses Entwicklungsinstrument von 2000 bis 2002 auch in Zentral- und Westchina eingesetzt, als der chinesische Staatsrat vorschrieb, dass dort jede Provinz, autonome Region oder Stadt für eine qualifizierte provinzielle Entwicklungszone das Upgrade in eine nationale Economic and Technological Development Zone beantragen konnte. Laut China Association of Development Zones (CADZ) betrug die Anzahl solcher Entwicklungszonen Anfang 2006 56. Ihre geografische Aufteilung zeigt Abbildung 1.

Der zweite Industrieparktyp, New- and High-Tech Industrial Development Zones (HIDZs), basiert auf dem Konzept der Economic and Technological Development Zones, fokussiert aber auf die Gewinnung von ausländischen und inländischen Investoren der wissenschafts- und technologieintensiven Industrien, wie z.B. Elektronik sowie Bio- und Materialtechnologie. Die wirtschaftlichen Aktivitäten richten sich auf Binnen- und Überseemärkte aus und setzen sich aus F&E, Kommerzialisierung und Industrialisierung der Hightechbranche zusammen.

Infolge ihrer starken Verbindung zur F&E und ihres Bedarfs an hoch qualifizierten Arbeitskräften bilden Technische Universitäten, Forschungsinstitute und Science-Parks integrierte Teile der High-Tech Industrial Development Zones. Zwischen 1988 und 1992 wurden insgesamt 53 solche nationalen High-Tech-Zonen durch den Staatsrat genehmigt, deren Standorte ebenfalls in der Abbildung dargestellt sind.

Die erste Free Trade Zone (FTZ), die dritte Art der chinesischen Industrieparks, wurde 1986 gegründet. 2006 sind alle 15 geplanten Standorte für Freihandelszonen in Betrieb. Wie die Abbildung zeigt, liegen alle FTZs an der chinesischen Ostküste und sind gekennzeichnet durch begünstigte Ertragssteuerregelungen, Zollfreiheiten für Warentransfer, Privilegien bzgl. Fremdwährung und Fehlen von Exportquoten, um den internationalen Handel zu erleichtern. Die Firmen in diesen Parks sind spezialisiert auf Handel, Lagerung und Distribution, Verarbeitung für Wiederausfuhr und Bankgeschäfte. Die übrigen Industrieparktypen in China stellen Export Processing Zones (EPZs), Border Economic Cooperation Zones (BECZs) und Tourist and Holiday Resorts (THRs) dar.

Die Export Processing Zones (EPZs) sind geschlossene, durch den Zoll verwaltete Zonen und funktionieren als eigenständige Einheiten oder als ein Teil der Economic and Technological Development Zones und Freihandelszonen. Sie zielen auf die Förderung der Verarbeitung für Export, Logistik und Lagerung ab. Bis 2000 hat der Staatsrat 15 solcher Entwicklungszonen genehmigt. Die meisten liegen in den östlichen Küstenregionen.

Die Errichtung der Border Economic Cooperation Zones (BECZs) begann 1992; ihre derzeitige Anzahl beträgt 14. Diese Zonen liegen in offenen Grenzstädten in Zentral-, West- und Nordchina und konzentrieren sich auf die Entwicklung des Grenzhandels, den Aufbau guter Beziehungen mit Nachbarländern und die Unterstützung der ökonomischen Entwicklung der Minderheitsregionen.

Die Tourist and Holiday Resorts (THRs) fokussieren auf die Stärkung des Tourismus und fördern ausländische Investitionen in Touristenanlagen. Bis 2006 wurden 11 solcher Zentren durch den Staatsrat genehmigt.

Neben den multifunktionalen Entwicklungszonen stellen Chemie-Industrieparks (CIP) spezifische Zonen mit Fokus auf eine Industrie, die Chemie, dar. Chemieparks können wie oben ausgeführt als Satellitenzonen der Economic and Technological Development Zones oder als getrennte unabhängige Industrieparks gegründet werden. Ihre Hauptziele umfassen die Umstrukturierung und Verbesserung des technologischen Standards der chemischen Industrie in China, die Förderung der regionalen Wirtschaftsentwicklung durch das Bereitstellen attraktiver Investitionsbedingungen für aus- und inländische Firmen und manchmal die Umsiedlung der Produktionsanlagen in Gebiete außerhalb der Städte, wenn sie den neuen Umweltstandards nicht entsprechen. D.h. trotz ihres engeren industriellen Fokus sind die allgemeinen Entwicklungsziele sowie die Verwaltungsstrukturen ähnlich zu den anderen Industrieparktypen. Eine von der China Petroleum and Chemical Industry Association (CPCIA) 2004 durchgeführte Studie listet 17 Chemieparks in China auf, wobei die Standorte Shanghai (Caojing), Nanjing und Tianjing Chemieparks auf der nationalen Ebene sind, während die anderen provinzielle Industrieparks sind. Die meisten Chemieparks liegen in den östlichen Küstengebieten.

Chinas Öko-Industrieparks: Pilotprojekte für nachhaltige Entwicklung und Kreislaufwirtschaft

Das explosive Wirtschaftswachstum und der erhöhte Lebensstandard sowie das Bevölkerungswachstum und die ungleichmäßige regionale Ressourcenverteilung bei Fehlen einer Strategie für nachhaltige Entwicklung haben in den letzten Jahrzehnten in China zu regionalen Ressourcenknappheiten bei Rohstoffen, Energie und Wasser und zu erheblicher Umweltverschmutzung und -zerstörung geführt. Die Regierung hat das Problem erkannt und beschloss 2002 offiziell die „Circular Economy“ (Kreislaufwirtschaft) als neue umfassende Entwicklungsstrategie, die das kontinuierliche Wirtschaftswachstum durch erhöhte Ressourcenproduktivität und Ökoeffizienz bei Produktion und Konsum ermöglichen soll.

Der Staatsrat hat für die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft in der zukünftigen Wirtschaftsentwicklung ein zusätzliches Signal gegeben, als er 2004 die Aufgabe der Förderung von der State Environmental Protection Administration (SEPA) auf die National Development und Reform Commission (NDRC) übertrugb.

Seit 2000 wird das Konzept der „Circular Economy“ in China auf drei Ebenen umgesetzt: auf der Mikro- bzw. Firmenebene in Form von „Cleaner Production“ (Cleaner Production Promotion Law 2003), auf der Meso- bzw. Industrieparkebene in Form von „Eco-Industrial Parks EIPs)“ und auf der Makroebene in Form von „Eco-Cities und -Provinces“.

Auf der Industrieparkebene erstellt ein Umweltforschungsinstitut teilweise in Zusammenarbeit mit der Industrieparkverwaltung einen Öko-Plan für den jeweiligen Park in Anbetracht der regionalen Beschränkungen und Chancen. Diese Pläne befassen sich nur mit der industriellen Produktion und konzentrieren sich hauptsächlich auf die inner- und zwischenbetrieblichen technologischen Maßnahmen, wie z.B. Energiekaskadierung, gemeinsame Nutzung der Infrastruktur, Austausch der Nebenprodukte und Recycling der Abfälle sowie auf die ökonomischen Instrumente, wie beispielsweise Subventionen für Umweltinvestitionen oder Preisgestaltung für Ressourcen.

Nachdem der Öko-Plan durch die State Environmental Protection Administration genehmigt ist, bekommt der Park den Status eines „Öko-Industrieparks“. Im Mai 2006 trugen bereits 16 Industrieparks in China dieses Label (siehe Tabelle 1).

In Kürze soll mit der Prüfung der Implementierung der Öko-Pläne gemäß den 2006 festgelegten „Standards for EIPs in China“ begonnen werden.

Trotz einiger erfolgreicher Pilotprojekte (z.B. TEDA /Tianjin Economic and Technological Development Area und Dalian-ETDZ / Economic and Technolocical Development Zone) ist deren Implementierung u. a. auf Grund der Vernachlässigung der wirtschaftlichen Aspekte nur langsam fortgeschritten. Mit dem Ziel der effizienteren Implementierung findet gegenwärtig ein langsamer Paradigmenwechsel bzgl. der Kreislaufwirtschaft statt. Dabei wird „Circular Economy“ nicht mehr als Ansatz für Recycling angesehen, sondern eher als eine Strategie für die Anpassung der industriellen Struktur, Entwicklung neuer Technologien und Reformation der Industriepolitikb. Das “Circular Economy Promotion Law“ befindet sich derzeit in der Entwurfsphase und wird voraussichtlich 2007 oder 2008 in Kraft treten.

Quelle: Dechema

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