Zum Schüttgut-Handling gehört fast immer (mindestens) ein mobiler Sauger und/oder eine Absauganlage. Diese Anlage kann nur dann optimal ausgelegt werden, wenn die Materialeigenschaften berücksichtigt werden. Neben den Anforderungen des Staubexplosionsschutzes spielen auch die vom Staub ausgehenden Gesundheitsrisiken bei der Projektierung eine Rolle.
Mitunter sind die Absauganlagen sehr groß dimensioniert – hier eine Anlage für die Absaugung von gesundheitsgefährdenden CFK-/GFK-Stäuben.
(Bild: Ruwac)
Wer einen Industriesauger anschaffen möchte, der „normale“ Verunreinigungen an Produktionsanlagen beseitigt, kann das nach kurzer Beratung oder eigener Recherche aus dem Katalogprogramm oder dem Systembaukasten, beispielsweise von Ruwac, tun. Zu den grundsätzlichen Entscheidungen, die zunächst zu treffen sind, gehören Filterkategorie und Filterfläche sowie die Frage, ob eine Vorfiltration erforderlich ist.
Handelt es sich hingegen um „besondere“ Stäube, die z.B. explosionsfähig oder gesundheitsgefährdend sind, ist der Beratungsbedarf intensiver. Das gilt auch und besonders für Absauganlagen, die direkt in den Prozess integriert sind. Hier ist es sinnvoll, keine Lösung von der Stange oder aus der Schublade des Herstellers einzusetzen, sondern intensiv in die Projektierungsphase einzusteigen. Das ist jedenfalls die Vorgehensweise von Ruwac.
Hier zahlt sich Erfahrung aus: Denn die Projektierung startet nicht mit dem berühmten weißen Blatt Papier, sondern mit einem standardisierten Verfahren, in dessen Verlauf alle relevanten Eckdaten für die Auslegung und Dimensionierung der Absauganlage abgefragt werden.
Engineering-Kompetenz ist gefragt
Bei der Anschaffung von Absauganlagen ist kluge Projektierung gefragt sowie die Berücksichtigung der jeweiligen Gegebenheiten. Deshalb „leistet“ sich Ruwac allein in Deutschland einen Außendienst mit 31 Experten für Industriesauger und Absauganlagen. Sie arbeiten eng mit den Projektingenieuren in Melle zusammen, die wiederum bei Bedarf im Labor Praxisversuche mit Stäuben durchführen können. Mindestens ebenso wichtig ist jedoch die umfangreiche Erfahrung der Projektierer mit unterschiedlichsten Absaugaufgaben und Stäuben. Diese Engineering-Kompetenz ist nicht zu unterschätzen, denn jede Aufgabenstellung der Absaugung ist anders und nur wenn alle individuellen Anforderungen berücksichtigt werden, entsteht das beste Ergebnis, das in diesem Fall eine sichere Produktion bedeutet.
Beurteilung von Gefährdungspotenzialen
Zu Beginn der Projektierung werden zunächst die Stoffe bzw. Stäube definiert, die abzusaugen sind und die Mengen, in denen das Sauggut vorliegt. Dann entscheiden die Beteiligten, ob eine zentrale oder dezentrale Absaugung der beste Weg ist. Eventuell ist auch der Einsatz von semi-mobilen Anlagen sinnvoll. Zu klären ist außerdem die Wahl der Absaugstellen und die Integration der Absauganlage in den Produktionsprozess.
Bevor die Anlage dann genauer geplant wird, müssen die Eigenschaften der abzusaugenden Stäube bekannt sein. Dazu gehören Korngröße, Schüttdichte, spezifisches Gewicht, Temperatur und Viskosität. Darüber hinaus wird u.a. erfragt, ob die Stäube abrasiv, hygroskopisch, schäumend oder klebend sind. Diese Angaben benötigt man, um die Absaugleistung zu ermitteln und um festzustellen, ob gegebenenfalls Materialbrücken oder Anbackungen zu erwarten sind, die man durch besondere konstruktive Maßnahmen verhindern muss.
Diese Angaben dienen auch dazu, das Gefährdungspotenzial der Stäube zu ermitteln. Unter Umständen sind Arbeitsschutzanforderungen zu erfüllen, sodass sich aus der Beantwortung dieser Fragen die zu wählende Filterklasse bzw. Staubklasse ergibt. Dabei sind auch die Regelungen der Gefahrstoffverordnung zu beachten.
Wenn es keine normative oder gesetzliche Regelung gibt, muss mit dem Anwender gemeinsam eine Zielvorstellung für den Abscheidegrad bzw. für den Reststaubgehalt in der Umgebungsluft vereinbart werden. Dabei kann man sich an der Einordnung der Sauganlage in eine der Staubklassen nach DIN EN 60335-2-69, Anhang AA, orientieren.
Neue Norm für mobile Staub-Ex-Sauger
Wenn der Staub explosionsfähig ist, kommen die Grundsätze des Atex-Normenwerks zur Anwendung. Ruwac verfügt hier über umfassende Erfahrungen und hat bereits mehrere tausend mobile und stationäre Staub-Ex-Sauger und -Absauganlagen gebaut. Aktuell ist hier zu beachten, dass seit Mai 2017 mit der IEC 62784 eine neue Produktnorm für mobile Staub-Ex-Sauger der Zone 22 zur Verfügung steht. Bei explosionsfähigen Stäuben sind weitere Kennwerte wie Leitfähigkeit und Mindestzündenergie zu ermitteln. Erst anhand dieser Werte kann der Betreiber die entsprechende Staub-Ex-Zone festlegen. Hilfreich ist hier die „Gestis“- Stoffdatenbank der DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung). Sie enthält die Brenn- und Explosionskenngrößen von mehr als 6000 Staubproben.
Event-Tipp der Redaktion Das 12. Schüttgut-Forum findet auch 2018 wieder im Rahmen der Förderprozess-Foren statt. Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie auf unserer Eventseite. Programm, Erfahrungsaustausch und Rahmen des Forums sind top, wie uns Teilnehmer dieser Nutzwertveranstaltung bestätigen. Unsere Bildergalerien zum letztjährigen Event zeigen Impressionen der Veranstaltung sowie die Referenten des Schüttgut-Forums.
Weitere festzulegende Parameter sind die Art der Abreinigung und die Auswahl des Sammelbehälters (Fass, Container, Big Bag…) auch unter dem Gesichtspunkt der Ergonomie und Bedienfreundlichkeit. Auf der steuerungstechnischen Seite muss der Anwender entscheiden, ob er eine Füllstandüberwachung wünscht und, ob die Anlage in übergeordnete Steuerungen eingebunden werden soll. Last but not least sind die baulichen Gegebenheiten zu berücksichtigen, die in der Praxis nicht selten für Restriktionen sorgen. Und in der Nahrungsmittelverarbeitung sind Hygieneanforderungen zu berücksichtigen.
Stand: 08.12.2025
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Saugtest vor Ort bringt Klarheit bei ungekannten Größen
Da Absauganlagen häufig Stoffgemische absaugen, deren Eigenschaften nicht vollständig bekannt sind, empfiehlt sich entweder ein Saugtest vor Ort (mit mobilem Sauger) oder im Labor von Ruwac. Während dieses Tests können Parameter wie Luftleistung und Unterdruck ermittelt werden. Damit schafft man eine weitere Voraussetzung dafür, dass die Anlage die individuellen Anforderungen in vollem Umfang erfüllt.
Modulare Bauweise erhöht Flexibilität und spart Kosten
Auf der Basis der hier genannten Parameter können die Ruwac-Projektingenieure eine Anlage vorschlagen, die einerseits bestmöglich auf den Anwendungsfall zugeschnitten ist, andererseits aber aus bewährten Standardkomponenten und -modulen besteht. Das vereinfacht die Projektierung, senkt die Kosten und gewährleistet auch ein stabiles Qualitätsniveau. Außerdem bleibt die Flexibilität erhalten, weil auch im laufenden Betrieb einzelne Komponenten ausgetauscht oder bei Bedarf zusätzliche Filterstufen ergänzt werden können. Das gilt für die konventionellen Absauganlagen ebenso wie für die Entstauber der DS 6-Serie, die sich ebenfalls flexibel an die jeweiligen Stäube und generell an die individuellen Parameter anpassen lassen.
* Der Autor ist freier Fachjournalist in Wuppertal.