Desinfektion Fehler bei der Desinfektion vermeiden
Alle Oberflächen desinfiziert und dennoch schlechte mikrobiologische Werte? Wenn Ihnen dieses Problem bekannt vorkommt, sollten Sie den Beitrag lesen. Sieben einfache Grundregeln helfen Ihnen bei der wirkungsvollen Desinfektion.
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Kennen Sie dieses Problem? Sie haben wie vorgeschrieben nach Beenden Ihrer Tätigkeiten alle Oberflächen desinfiziert und dennoch ergibt das mikrobiologische Monitoring schlechte Werte. Dafür gibt es einige Gründe. Oft scheinen diese unwesentlich zu sein und werden daher im Alltag übersehen. Zudem kumulieren verschiedene Ursachen häufig und verschlechtern das Ergebnis zusätzlich. Nachfolgend werden einige mögliche Fehler kurz beschrieben.
Desinfektionsmittel
1. Unbedingt die Desinfektionsmittel verwenden, die im Desinfektionsprogramm vorgegeben sind! Diese Desinfektionsmittel sind aufgrund verschiedener Kriterien ausgewählt und für geeignet befunden worden. Ein grundlegendes Auswahlkriterium ist die mikrobiologische Wirksamkeit. Aber auch Materialverträglichkeit, Wirtschaftlichkeit und anwendungstechnische Eigenschaften werden berücksichtigt. Für die Sterilbereiche gilt außerdem, dass die in diesen Bereichen verwendeten Desinfektionsmittel vor Gebrauch steril sein sollten.
Konzentration
2. Keine Schüttmethode, sondern Dosierhilfen oder Dosiergeräte benutzen! Desinfektionsprozesse sind wie alle chemischen Prozesse zeitabhängig und abhängig von der Menge an chemischen Angreifern. Damit ist die richtige Konzentration entscheidend für den Erfolg der Desinfektion: Bei zu niedriger Konzentration kann es zu einer zeitlich begrenzten Anpassung (Adaption) einzelner Mikroorganismen und zu einem selektiven Wachstum unempfindlicherer Mikroorganismen kommen, die sich dann aufgrund fehlender Konkurrenzkeime besonders schnell vermehren. Eine Überdosierung ist dagegen unwirtschaftlich, kann zu toxikologischen Problemen für Personal und Umwelt, zu einer erhöhten Rückstandsgefahr und zu Materialschäden führen.
Benetzung und Einwirkzeit
3. Die gewünschte desinfizierende Wirkung kommt nur bei ausreichendem Kontakt zwischen den Wirkstoffen und den Mikroorganismen zustande. Voraussetzung dafür ist Wasser als Trägersubstanz und eine gleichmäßige und vollständige Benetzung der Oberfläche. Das bedeutet aber nicht, dass die Fläche „schwimmen“, d.h. pitschnass sein muss. Ein feuchter, gleichmäßiger Film ist ausreichend. Ebenso falsch ist die Annahme, dass die Fläche über die gesamte Einwirkzeit nass bleiben muss. Zwar unterstützt die Feuchtigkeit den Transport der Wirkstoffe in die Zelle, die chemischen Prozesse findet jedoch auch nach dem Abtrocknen statt, da die Wirkstoffe bereits am Wirkungsort sind. Grundsätzlich kann die desinfizierte Fläche nach dem Abtrocknen wieder begangen werden, auch wenn die Einwirkzeit noch nicht erreicht ist. Da der Abtötungsprozess nicht linear verläuft und nicht genau gesagt werden kann, zu welchem Zeitpunkt die Desinfektion abgeschlossen ist bzw. der gewünschte mikrobiologische Grenzwert erreicht wird, sollte in sensiblen Bereichen dennoch über eine Validierung bestätigt werden, wann und unter welchen Umständen der Raum wieder betreten werden darf. Ansonsten empfiehlt es sich, den Raum entsprechend der gewählten Einwirkzeit in Ruhe zu belassen.
Temperatur
4. Generell werden chemische Prozesse durch Temperaturerniedrigung verlangsamt und durch Temperaturerhöhung beschleunigt. Vor allem bei der Desinfektion von Kühlschränken oder -räumen sollte der Anwender Kältefehler von Desinfektionsmitteln beachten. Es empfiehlt sich in diesen Bereichen Produkte einzusetzen, deren Wirksamkeit bei niedrigen Temperaturen geprüft wurde. Auch die Wassertemperaturen beim Ansetzen einer Gebrauchslösung haben einen großen Einfluss auf die Stabilität des Desinfektionsmittels. Die Wirksamkeit wird bei höheren Wassertemperaturen durch eine Zersetzung der Wirkstoffe beeinträchtigt. Daher sollten Desinfektionsmittellösungen üblicherweise mit kaltem bis lauwarmem Wasser angesetzt werden.
Wechselwirkungen
5. Keine Reinigungs- und/oder Desinfektionsmittel mischen! Es entstehen z.B. zwischen anionischen Tensiden in Reinigungsmitteln und kationisch wirksamen Tensiden in Desinfektionsmitteln Wechselwirkungen, der so genannte Seifenfehler. Dieser führt nicht nur zu einer Aufhebung der Reinigungs- und Desinfektionswirkung, sondern auch zu Eintrübungen der Lösungen bis hin zu schwer löslichen Rückständen oder Belägen auf Flächen und in Geräten. Auch zwischen den Inhaltsstoffen von Desinfektionsmitteln kann es zu Wechselwirkungen kommen. Daher sollte bei einem Wechsel der Desinfektionsmittel eine Zwischenreinigung, z.B. mit klarem Wasser, erfolgen.
Standzeit
6. Grundsätzlich sollten keine Anbruchgebinde offen stehen gelassen werden, sondern direkt nach dem Abfüllen wieder geschlossen werden. Gebrauchslösungen sollten in gereinigten bzw. sterilen Behältern hergestellt und aufbewahrt werden. Nicht nur für ungeöffnete, geöffnete oder angebrochene Originalgebinde, sondern auch für Gebrauchslösungen sind Angaben zur Haltbarkeit bzw. das Herstellungsdatum unerlässlich. Natürlich dürfen die Desinfektionsmittel über dieses Datum hinaus nicht mehr verwendet werden.
Durchführung
7. Immer sorgfältig arbeiten! Nur, wenn die Desinfektionsmittelwirkstoffe überall vor Ort sind, können sie die Keime effektiv angreifen. Die Folgen wären sonst entweder gar keine Abtötung oder eine Adaption und Selektion einzelner Mikroorganismen. Sorgfältig arbeiten bedeutet beispielsweise kein Rundwischen von Ecken bei der Flächendesinfektion und das Achten auf schlecht zu desinfizierende Bereiche wie Ventile, Flanschen, Leitungen, Pumpen, Membrane, Dichtungen und auf flexible Teile. Denn dort verstecken sich die Mikroorganismen besonders gern.
Viel hilft viel, sagt man, aber nicht immer ist dieser Leitsatz richtig. So führen bei der Sprühdesinfektion zu hohe Aufbringungsraten anstelle eines feinen Sprühnebels nicht zu der gewünschten flächendeckenden Benetzung. Sprühschatten, d.h. Bereiche, die nicht vom Sprühdesinfektionsmittel erreicht werden, sind ebenfalls zu vermeiden. Wesentlich effektiver ist außerdem die Kombination von Sprühen und Wischen. Luftbläschen bei der Tauchdesinfektion, etwa bei der Desinfektion von Schläuchen, verhindern, dass das Desinfektionsmittel überall wirken kann. Keime können daher auch hier den Prozess überleben und sich vermehren. Daher gilt beim Eintauchen ebenfalls: alle Bereiche, auch die Hohlräume, müssen vom Desinfektionsmittel benetzt werden.
Abschließend lässt sich sagen: Desinfizieren ist eigentlich ganz einfach. Vorausgesetzt man beachtet einige wichtige Grundregeln. Unterstützung bietet ein kompetenter Partner oder ein Experte für Desinfektionsmittel.
Die Autorin ist Key Account-Managerin Pharma bei der Schülke & Mayr GmbH, Norderstedt.
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