Anbieter zum Thema
Ist die ISO 15926 nicht international genug?
PROCESS: Und wie sieht es mit der Forderung nach ISO-15926-Kompatibilität aus, wie sie im Dexpi-Projekt der Process Net gewünscht wird?
MAUß: Der Grundgedanke der Normierung ist richtig und gut und wir als Intergraph sind offen, uns hier zu präsentieren. Wir haben gezeigt, dass wir mit der Smart Plant Technologie mit der ISO 15926 den Export aus Smart Plant P&ID unterstützen. Diese Daten können von verschiedenen CAE-Providern genutzt werden. Und wir engagieren uns sowohl bei der Fiatech als auch bei der POSC Caesar Association. Aber wir glauben, dass der Markt die Antwort geben muss, ob die ISO die richtige Technologie zum Datenaustausch ist.
Zumindest die deutschen Betreiber, die sich bei Dexpi engagieren, haben diese Antwort bereits gegeben.
PROCESS: MAUß: Die Norm wird derzeit, ebenso wie viele andere Formate, z.B. Step, Iges, JT Open, weltweit wenig in den Projekten unserer Kunden gefordert. Deshalb würden wir gerne eine Internationalisierung des Projektes sehen. Das würde der Standardisierung eine stärkere Dynamik verleihen.
PROCESS: Sie kritisieren, dass beim Import von Daten Intelligenz verloren geht.
MAUß: Wir haben in der deutschen Chemie eine installierte Basis von geschätzten 1000 Smart Plant P&ID Lizenzen. Für unsere Kunden ist aber nicht nur das reine P&ID interessant sondern die in der Datenbank hinterlegten Informationen wie Druck, Durchfluss usw. Wir können zwar ohne Informationsverlust exportieren, aber der Import funktioniert nicht verlustfrei. Der höhere Informationsgehalt der Daten wird durch die Standardisierung ausgeblendet. Wir brauchen alle Informationen, damit unsere Systeme die volle Leistungsfähigkeit erreichen. Deshalb wollen wir an einer Lösung mitwirken, die es uns erlaubt, auch beim Import, die Stärken unserer Software zu zeigen.
PROCESS: Das bedeutet, Intergraph wird nicht zu denen gehören, die bei Dexpi an vorderster Front stehen?
MAUß: Wir haben zum Dexpi-Projekt eine klarere Haltung bezogen, als unsere Wettbewerber. Wir unterstützen unsere Kunden hier nach Kräften, aber es kostet uns intern viel Energie, unsere Entwicklungsabteilung vom Nutzen der ISO 15926 Schnittstelle zu überzeugen. Deshalb haben wir ein Gemeinschaftsprojekt angeregt, in dem der Kunde seinen Anteil mit trägt und sich an dem Aufwand beteiligt (z.B. in Form von Soft-ware-Lizenzen), der für die Software-entwicklung entsteht. Um die Schnittstelle in das nächste Softwarerelease einzubauen, müssen wir einen erheblichen Aufwand betreiben. Und zum jetzigen Zeitpunkt haben wir keinerlei Gewähr, dass sich die ISO im weltweiten Markt etabliert und sich die Aufwände ausgleichen. Ein Kundenprojekt würde für alle Beteiligten den Vorteil bieten, dass wir schnell Ergebnisse erzielen können und die Aktivitäten sich nicht in die Länge ziehen. ●
* Das Gespräch führte Anke Geipel-Kern, Leitende Redakteurin PROCESS.
(ID:42651848)