Ex-Schutz und Sicherheitstechnik

Ex-Schutz und Sicherheitstechnik im Fokus

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PROCESS: Wie passen die beiden jüngsten Akquisitionen in Ihr lösungsgeprägtes Geschäftsmodell?

Köster: Wir haben z.B. den britischen Kommunikations- und Sicherheitssystemanbieter Vodec gekauft, um der Öl- und Gasindustrie oder auch der Chemieeindustrie ein komplettes Paket an Kommunikationslösungen aus einer Hand anbieten zu können. Dazu gehören Bildschirme, Kameratechnik, Beschallungs- und Alarmtechnik inklusive Service und Softwareintegration. Bei der norwegischen Technor Safe Ex AS liegt die Sache ein wenig anders. Hier ging es primär nicht nur um die Ergänzung des Produktportfolios. Das Ziel war, in unserem Geschäftsbereich im skandinavischen und insbesondere norwegischen Öl- und Gasgeschäft die führende Marktposition einzunehmen. Dort spielt die Musik, das ist bekannt. Wir waren nur mit einer kleinen Gesellschaft vertreten, der Wettbewerb war stärker. Durch die Akquisition verfügen wir jetzt über einen starken Vertrieb und Service und sind das führende Unternehmen in Norwegen.

PROCESS: Ihre Hauptzielgruppe ist Öl und Gas, mit einem Umsatzanteil von über 50 Prozent. Birgt dieser starke Fokus nicht auch ein Risiko?

Köster: Ich würde Ihre Meinung teilen, wenn wir dort zu 100 Prozent aktiv wären. Aber 50 Prozent sind das, was wir eine stabile Ankerinvestition nennen. Für mich ist das eine der interessantesten, stabilsten Branchen, in denen ich je tätig war. Wir haben das auch während der Wirtschaftskrise 2009 gesehen. Die Welt braucht Energie. Sicher können wir jetzt lange darüber diskutieren, welche Energie. Aber Öl und Gas werden die nächsten Jahre ein wichtiges Thema bleiben.

PROCESS: In Deutschland schrumpft die Zahl der Raffinerien doch eher.

Köster: Wir sehen das auch als ein sehr internationales Geschäft. Das zweistellige Wachstum kommt schon lange nicht mehr aus Europa. Die Märkte liegen ganz klar in Saudi-Arabien, in China und Indien, in Lateinamerika und natürlich in Russland.

PROCESS: Heißt das, Sie profitieren ganz konkret von den großen Chemiekomplexen, die auf der arabischen Halbinsel in die Höche wachsen?

Köster: Diese Projekte sind sehr wichtig für uns. In Jubail in Saudi-Arabien sind wir kürzlich Single Source Supplier für Analyser geworden. Und wenn Sie erst einmal eine Referenz etabliert haben, einen guten Service liefern und das Network haben, dann ist es natürlich auch einfacher, größere Aufträge zu bekommen.

PROCESS: Wie häufig kommen eigentlich Impulse für technische Neuentwicklungen aus dem Projektgeschäft?

Köster: Wir bekommen ausgesprochen viele Anregungen. Das hat auch damit zu tun, dass wir uns über viele Jahre eine Vertrauensposition erarbeitet haben und eng mit der Ingenieursabteilung in Kontakt sind. Es geht dabei oft um Einzellösungen, aber trotzdem profitieren wir davon und können das eine oder andere in die Entwicklung übernehmen.

PROCESS: Und wie oft können Sie aus proprietären Lösungen eine Produktentwicklung ableiten?

Köster: Unser Interesse ist es natürlich, nicht nur Einzellösungen zu generieren, sondern daraus so viel Know-how zu gewinnen, dass wir international verwertbare Lösung schaffen können. Das klappt nicht immer, aber häufig. Beispielsweise haben wir in Zusammenarbeit mit einem amerikanischen Kunden für einen Prozessanalysator eine automatisierte Sampler-Einheit entwickelt, die Analysezeiten um die Hälfte reduziert.

PROCESS: Ihre Produktpalette umfasst auch Wireless-Lösungen, z.B. die Panel PC-Serie Polaris. Wie verhalten Sie sich bei der Diskussion um einen Wireless-Standard in der Prozessindustrie?

Köster: Wir engagieren uns in den entsprechenden Gremien, beobachten das sehr genau und halten uns alle Optionen offen. Wenn Sie sich vorschnell festlegen, produzieren Sie unwahrscheinlich viele Folgekosten in der Organisation. Interfaces müssen angepasst, Programmierung geändert, Dokumentationen, Zertifizierung, Listings, es hängt so viel dran. Da spricht man schnell über eine Million Euro. Springen Sie im internationalen Geschäft auf jeden Zug auf, der gerade kommt, dann kommen Sie nirgendwo hin.

PROCESS: Ex-Schutz und MSR-Technik sind zwei Seiten der gleichen Medaille, also nicht zu trennen. Das bedeutet starke Wettbewerber. Wo sehen Sie sich im Ranking?

Köster: In letzter Konsequenz ist das alles relativ. Ob Sie jetzt Nummer eins, zwei oder drei sind, das hängt im Wesentlichen von der Marktdefinition ab. Ich glaube, das Entscheidende ist: Sie müssen zur Top-Gruppe gehören. Wenn Sie nicht dazugehören, können Sie sich den weltweiten Auftritt nicht leisten. Und ohne diese weltweiten Strukturen werden Sie nie diese Wachstumsdynamik erzielen, die wir haben. Und das ist eigentlich auch die Kernaussage dabei. Wir nähern uns mit großen Schritten der 300-Millionen-Grenze im Umsatz und sehen uns, um Ihre Frage zu beantworten, weltweit in unserem Segment als die klare Nummer 2.

Herr Dr. Köster, vielen Dank für das Gespräch.

* Das Gespräch führte PROCESS-Redakeurin Anke Geipel-Kern. E-Mail-Kontakt: anke.geipel-kern@vogel.de

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