Renewable Materials Conference 2025 Strategien und Technologien für eine defossilisierte Chemieindustrie

Quelle: Nova Institut 5 min Lesedauer

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Die Renewable Materials Conference 2025 zeigte, dass Europas Chemiebranche bereit für den Wandel ist. Über 400 Teilnehmende aus 29 Ländern diskutierten in Siegburg Strategien, Technologien und politische Rahmenbedingungen für eine fossilfreie Zukunft – von CO₂-basierten Rohstoffen bis hin zu weißen Ligninen.

Preisverleihung auf der Renewable Materaials Conference(Bild:  Almut Elhardt/ Nova Institut)
Preisverleihung auf der Renewable Materaials Conference
(Bild: Almut Elhardt/ Nova Institut)

Die Renewable Materials Conference (RMC) endete optimistisch und schlägt eine klare Strategie für die Transformation der europäischen Chemie- und Werkstoffindustrie vor. 410 Teilnehmende aus 29 Ländern kamen vom 22. bis 24. September in Siegburg zusammen, um sich in 75 Vorträgen, 20 Podiumsdiskussionen und 14 Workshops über Fortschritte und Strategien auszutauschen und zu diskutieren. Ebenso ermöglichten eine Ausstellung, die sich über zwei Etagen erstreckte, drei Abendveranstaltungen, zahlreiche Pausen während des Tages und annähernd 300 Einzelgespräche intensives Netzwerken.

Dieses aktuelle Thema wurde am ersten Tag in einer hochkarätigen internationalen Podiumsdiskussion mit Vertretern aus der EU, Indien und den USA erörtert. Die Diskussion sowie die gesamte Konferenz lieferten positive Antworten, die laut den Teilnehmenden eine optimistische Stimmung und den Wunsch nach Innovation in der europäischen Chemie hervorriefen.

In seiner Eröffnungsrede fasste Dr. Lars Börger, Co-CEO des Nova-Instituts, zusammen: „Resilienz ist die Fähigkeit, Störungen standzuhalten, sich anzupassen und gestärkt daraus hervorzugehen. Durch Europas Führungsrolle in den Bereichen erneuerbare Energien, Kreislaufwirtschaft und alternative Kohlenstoffe kann die EU die Chemieindustrie der Zukunft aufbauen und zur strategischen Autonomie Europas in Bezug auf die Rohstoffabhängigkeit beitragen.“ Es gibt keine andere Option: „Europa wird nie wieder wettbewerbsfähig sein, wenn es weiterhin von fossilem Kohlenstoff abhängig bleibt, einfach weil dieser in Europa immer teurer sein wird als in vielen anderen Regionen der Welt“, sagte Michael Carus, Gründer des nova-Instituts. „Anstatt den langsamen Niedergang der fossilen Chemie in Europa zu analysieren und ihn durch Subventionen zu verlangsamen, sollten wir die Chancen einer neuen, zirkulären Chemie nutzen und Vorreiter auf diesem Gebiet werden.“ Beispiele aus Indien und China, die während der Konferenz vorgestellt wurden, zeigten, wie diese Länder dank günstiger wirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen erfolgreich auf die Bioökonomie setzen.

Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Renewable Materials Conference war, dass sie die traditionellen Blasen, in denen die verschiedenen Sektoren für erneuerbare Energien bisher operierten, durchbrochen hat. Die Veranstaltung förderte den Dialog zwischen den Akteuren aller nicht-fossilen Kohlenstoffquellen und positionierte diese als sich ergänzende Säulen für eine fossilfreie Zukunft. Wie eine Teilnehmerin sagte, gilt diese „heilige Dreifaltigkeit der erneuerbaren Kohlenstoffquellen“, d.h. Biomasse aus Land- und Forstwirtschaft, CO₂ und chemisches Recycling, inzwischen als entscheidend für die Defossilisierung von Chemikalien, Kunststoffen und Produkten wie Textilien, Reinigungsmitteln, Körperpflegeprodukten und Kosmetika.

Die Methanolplattform wurde dabei als zukunftsweisender Weg in der Chemie diskutiert, die das Potenzial hat, die Cracker-Chemie teilweise zu ersetzen. Methanol kann aus Biomasse, CO₂ und Kunststoffabfällen gewonnen werden. In Europa sind erhebliche Investitionen geplant, um aus Methanol Propylen und Polypropylen (PP) herzustellen. Um den Kohlenstoff in den entsprechenden Produkten im Kreislauf zu halten, sind vergleichbar hohe Investitionen auch in neue chemische Recyclinganlagen erforderlich. Dies bietet ebenso die Chance, Pionierarbeit bei diesen Technologien zu leisten und die Importe von fossilem Kohlenstoff deutlich zu reduzieren. Auch die Bioökonomie hat bereits ihre Bereitschaft dafür unter Beweis gestellt. Die chemische Industrie wird sich mithilfe einer moderaten Hightech-Landwirtschaft mit ausreichend primärer und sekundärer Biomasse aus Land- und Forstwirtschaft versorgen können, um etwa 20 % des fossilen Kohlenstoffbedarfs zu ersetzen. In den letzten Jahren ist der lang erwartete Durchbruch bei der Verwendung von Lignin Realität geworden: Auf der Konferenz haben sechs Unternehmen Anwendungen in den Bereichen Asphalt, Kunststoffe, Baumaterialien und Kosmetika vorgestellt.

Potenziale entfalten durch klare politische Unterstützung

Ein wiederkehrendes Thema der Konferenz war die dringende Notwendigkeit eines klaren und dauerhaften wirtschaftspolitischen Rahmens, um die Transformation der Branche zu ermöglichen. Dies ist besonders wichtig, da der Großteil der Investitionen in neue Technologien derzeit in Asien getätigt wird, wo unterstützende politische Rahmenbedingungen bestehen. Vertreter der Europäischen Kommission, der niederländischen Regierung, der Industrie und der Wissenschaft waren sich einig: Nur ein vorhersehbarer Rahmen kann die für groß angelegte Investitionen erforderliche Sicherheit bieten.

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Aurel Ciobanu-Dordea, ein Direktor der Generaldirektion Umwelt der Europäischen Kommission, signalisierte eine positive Veränderung auf EU-Ebene und machte deutlich, dass die stoffliche Nutzung von Biomasse in der kommenden Bioökonomie-Strategie zukünftig gefördert werden soll. Er wies darauf hin, dass die Strategie konkretere Unterstützung bieten werde, was eine positive Veränderung seitens der Generaldirektion Umwelt hin zur Zusammenarbeit mit der Industrie bedeute. In der Diskussion wurde deutlich, dass zwar der Handlungsbedarf klar ist, spezifische Instrumente wie Vorschriften für den Anteil erneuerbarer Rohstoffe jedoch sorgfältig konzipiert werden müssen, um Ambitionen und Marktrealitäten in Einklang zu bringen und aus früheren Erfahrungen zu lernen.

Innovationspreis „Renewable Material of the Year 2025”

Ein Höhepunkt der jährlichen Konferenz ist die Wahl und Bekanntgabe der drei Gewinner des Innovationspreises. Im Vorfeld der Konferenz wählte der Beirat aus 19 Einreichungen sechs vielversprechende Innovationen aus. Während der Konferenz stellten alle Nominierten ihre Innovation vor, bevor das Publikum die Gewinner wählte:

1. Platz: Cyclize (DE): Gemischte Abfälle und CO2 als Ausgangsmaterial für die Erzeugung von Synthesegas: Cyclize ermöglicht eine Kreislaufwirtschaft für Kohlenstoff, indem gemischte Abfälle und CO2 als Rohstoffe für die Herstellung von Synthesegas verwendet werden. Synthesegas ist ein wichtiger Baustein in der chemischen Industrie und wird derzeit hauptsächlich aus fossilen Quellen hergestellt. Der patentierte Plasmareformer benötigt nur ein Drittel der elektrischen Energie der Elektrolyse. Dieser Vorteil macht die Produktion von Synthesegas konkurrenzfähig zu fossilem Synthesegas. Das von Cyclize produzierte Synthesegas kann Erdgas ersetzen und so die chemische Industrie ohne Öko-Aufpreis dekarbonisieren.

2. Platz: Bloom Biorenewables (CH): Das erste weiße Lignin überhaupt: Lignin wird aufgrund seiner hervorragenden UV-Schutz-, antioxidativen und antimikrobiellen Eigenschaften seit Jahrzehnten in Kosmetika getestet. Seine Verwendung wurde jedoch durch seine dunkle Farbe und seinen Geruch eingeschränkt. Mit dem selektiven Extraktionsverfahren von Bloom kann Lignin nun ohne Qualitätsverlust extrahiert und in seiner natürlichen Form erhalten werden. Dank einer bahnbrechenden Technologie ist Bloom in der Lage, dieses hochreine Lignin aufzuhellen, ohne die Struktur des Lignins zu beeinträchtigen. Das weiße Lignin von Bloom könnte der Schlüssel zur Nutzung von Lignin als multifunktionaler Inhaltsstoff für nachhaltige Kosmetika sein. Dieser Kosmetikwirkstoff wird 2026 auf den Markt kommen.

3. Platz: Sustanix Materialtech BV (NL): PFAS und Kunststoffe in Papierverpackungen ersetzen: Sustanix steht für proprietäre Polymere und Formulierungen für 100% pflanzliche Beschichtungen und Additive mit hervorragenden hydrophoben und oleophoben Eigenschaften, die sich in der Industrie nachweislich recyceln lassen. Die neue Beschichtungstechnologie ermöglicht es Konsumgütermarken und Verpackungsunternehmen, Vorschriften zu Mikroplastik, PFAS und Verpackungsabfällen einzuhalten. Sie bietet eine nachhaltige Alternative, die mit bestehenden Maschinen kompatibel und auf über 100 Tonnen pro Monat skalierbar ist. Der Ersatz von PFAS, Polyacrylaten, Mikroplastik und Styrol-Latex in Papierverpackungen gewährleistet einen sichereren Lebensmittelkontakt und eine kreislauffähige Wertschöpfungskette.

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