EU-Chemikalienstrategie und Dichtungstechnik Auf zum Dichtungs-Shopping: Komponenten-Kauf in Zeiten der neuen Chemikalienstrategie

Von Dominik Stephan 2 min Lesedauer

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Die EU bläst zur Jagd auf Ewigkeits-Chemikalien – Das kann die Industrie nicht kalt lassen, sind doch gerade Dichtungen ohne die als PFAS geschmähten Elastomere nicht vorstellbar. Der Komponentenhandel gibt sich hingegen demonstrativ gelassen – ist dass das bekannte "Pfeifen im Walde" oder steckt mehr dahinter?

Will sich trotz PFAS-verbot zukunftsfest machen: Der Vorstand der VTH-Fachgruppe „Dichtungstechnik“, Markus Gau (Sahlberg), Robert von Oelffen (Teigler), Simon Treiber (Berger S2B), Sascha Heitkamp-Röhlen (Kahmann & Ellerbrock) und Roland Wuttge (Irle & Heuel). (Bild:  VTH)
Will sich trotz PFAS-verbot zukunftsfest machen: Der Vorstand der VTH-Fachgruppe „Dichtungstechnik“, Markus Gau (Sahlberg), Robert von Oelffen (Teigler), Simon Treiber (Berger S2B), Sascha Heitkamp-Röhlen (Kahmann & Ellerbrock) und Roland Wuttge (Irle & Heuel).
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Alles grün macht die EU: Die neue EU-Chemikalienstrategie für Nachhaltigkeit hat das erklärte Ziel, den Umweltschutz sowie die Gesundheit und Sicherheit von Verbrauchern und Beschäftigten zu verbessern. Um dieses zu erreichen, werden die REACH- und die CLP-Verordnung (Classification, Labelling and Packaging) angepasst und überarbeitet. Soweit, so gut – doch das die Europäische Chemikalienagentur ECHA dabei gleich den Elastomerdichtungen mit den Kampf ansagt, sorgt für Falten auf den Stirnen der Fluidiker.

Denn erst im Frühjahr hatte die ECHA ihre Vorläufige "Bannliste" der Stoffgruppe PFAS (Per- und Polyfluoralkylsubstanzen) veröffentlicht – und die hatte es in sich: In dem Beschränkungsdossier fanden sich Fluorpolymere, zu denen auch PTFE, FKM oder FFKM zählen, ebenso wie die besorgniserregenden flüchtigen und wasserlöslichen Fluorchemikalien. Somit könnten auch ungiftige Kunststoffe und Elastomere, die sich nicht in der Umgebung freisetzen und auch nicht wasserlöslich sind, unter das geplante Verbot fallen, die für die Industrie nicht oder nur schwer ersetzbar sind, gibt der Verband Technischer Handel (VTH) zu bedenken.

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Zwar ist mittlerweile zumindest die Bundesregierung von einer pauschalen Verbotsforderung abgerückt (und würde ein entsprechendes Vorhaben wohl auch nicht unterstützen), das allerdings die ECHA das geplante Verbot einfach zu den Akten legt scheint auch schwer vorstellbar. Die Komponentenhändler jedenfalls raten zwar nicht zur Sorge, allerdings zur Vorsorge: So ist etwa PTFE ist zum Beispiel elementarer Bestandteil vieler Dichtungen.

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Von einem generellen PFAS-Verbot wären vor allem solche betroffen, die hohen Temperaturen und hochaggressiven Chemikalien standhalten müssen. „Für den Dichtungssektor würde ein Produktsegment fehlen, welches den sicheren Umgang mit gefährlichen Stoffen erlaubt und damit erheblich zum Umweltschutz und dem Schutz von Personen und Anlagen beiträgt,“ erläutert Norbert Weimer, Unternehmensleitung des Dichtungsunternehmen Klinger, einem Partner des VTH, im Fachmagazin Technischer Handel (TH).

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Allerdings wäre der Weg zu einem möglichen Verbot von PFAS lang. Die striktere Option sieht ein Verbot aller Stoffe 18 Monate nach der Aufnahme des Beschränkungsvorschlags in den Anhang XVII der REACH-Verordnung vor. Der mildere Übergangsvorschlag sieht zeitliche Aufschübe für einige Anwendungen vor. Mit einer Entscheidung der EU-Kommission und ihrer Mitgliedsstaaten rechnet der VTH nicht vor 2025.

„Für den Dichtungssektor würde ein Produktsegment fehlen, welches den sicheren Umgang mit gefährlichen Stoffen erlaubt und damit erheblich zum Umweltschutz und dem Schutz von Personen und Anlagen beiträgt.“  – Norbert Weimer, Klinger(Bild:  Kollaxo)
„Für den Dichtungssektor würde ein Produktsegment fehlen, welches den sicheren Umgang mit gefährlichen Stoffen erlaubt und damit erheblich zum Umweltschutz und dem Schutz von Personen und Anlagen beiträgt.“ – Norbert Weimer, Klinger
(Bild: Kollaxo)

Die Dichtungs-Händler jedenfalls raten zum aufmerksamen Beobachten und Abstimmen mit Herstellern und Lieferanten: „Die Fachhändler und die zertifizierten Fachbetriebe für Dichtungstechnik sind stets gut über den aktuellen Stand der Entwicklungen informiert“, erklärt Simon Treiber, Vorsitzender der VTH-Fachgruppe „Dichtungstechnik“. Er beruhigt: „Die kontinuierliche Weiterbildung unserer Fachberater sorgt für die notwendige Expertise, damit wir auch in Zukunft für jeden Einzelfall eine passende Dichtung finden.“ Quasi alle Hersteller experimentieren bereits mit alternativen Materialien oder „PFAS-free“-Logos (diese verzichten in der Tat auf entsprechende Additive, können aber nicht ohne entsprechende Rohstoffe auskommen), auch wenn die einzigartigen Eigenschaften der Elastomere bis auf weiteres wohl unersetzlich bleiben.

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