Chemieparks Erfahrungsaustausch und Benchmarking verbessern Kostenstrukturen von Chemieparks

Autor / Redakteur: Dr. Gunter Festel / Anke Geipel-Kern

Die Infrastruktur eines Chemieparks ist das entscheidende Kriterium für ansiedlungswillige Unternehmen. Acht Chemieparks unterzogen sich einem Benchmark, um objektiv Kosten bewerten und Verbesserungspotenziale identifiziereren zu können.

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Festel Capital organisierte in den Jahren 2005/2006 (Runde 1) und 2007 (Runde 2) einen Erfahrungsaustausch mit einem detailliertem Benchmarking. Dabei nahmen insgesamt acht Chemieparks und chemienahe Industrieparks in Deutschland teil. Ziel war eine objektive Bewertung der Leistungs- bzw. Wettbewerbsfähigkeit und die Identifizierung von konkreten Verbesserungspotentialen. Neben einer für jeden Teilnehmer individuellen Auswertung der Ergebnisse wurden gemeinsame Workshops durchgeführt, in denen der persönliche Erfahrungsaustausch ermöglicht wurde. Im Rahmen dieses Artikels soll eine kleine Auswahl einiger Kennzahlen gezeigt und diese anhand der Vorgehensweise erläutert werden.

Betrachtungsumfang

Im Rahmen des Erfahrungsaustauschs und Benchmarkings wurden nahezu alle Bereiche eines Industrieparks abgedeckt. Im Vordergrund stand dabei die Instandhaltung (IH) und in einigen Bereichen auch der Betrieb von ausgesuchten Infrastrukturen sowie verschiedene Standortdienstleistungen:

- Strom- und Dampfversorgung (ohne Erzeugung bzw. Kraftwerksbetrieb);

- Versorgung mit Medien wie Wasser (Brauch- und Trinkwasser), Druckluft und technische Gase (Sauerstoff, Stickstoff);

- Straßen und Gleisanlagen inklusive Beleuchtung;

- Daten- und Telekommunikationsnetze;

- Gebäudemanagement mit einem Fokus auf bauliche / technische Instandhaltung und Reinigungsmanagement;

- Feuerwehr und Werkschutz.

Während des Erfahrungsaustausches diskutierten die Teilnehmer typische Fragestellungen wie Budgetierungsmodelle/-methoden oder die Berücksichtigung von Investitionskosten. Das Benchmarking ermög-licht die Diskussion auf Grundlage einer vergleich- und nachvollziehbaren Zahlenbasis. Dabei wurden ausschließlich Kosten (sowohl Totalkosten als auch separat nur beeinflussbare Kosten) und keine Preise betrachtet. Ein wichtiger Aspekt war bei allen untersuchten Bereichen, dass die unterschiedliche Historie und standortspezifische Gegebenheiten mit berücksichtig wurden. Dazu wurden beim Vergleich der Kennzahlen zusätzliche Korrekturfaktoren eingeführt (siehe Abbildung).

Energieversorgung

Zur Ermittlung der Instandhaltungs-Raten bei den Stromnetzen wurden die dabei entstehenden Kosten zur Netzlänge ins Verhältnis gesetzt. Die Spannweite der Raten von 6 bis 39 Euro/m zeigt die Potenziale in diesem Bereich. Auch nach Berücksichtigung der speziellen Gegebenheiten zeigten sich bei manchen Teilnehmern noch Einsparpotenziale von bis zu 20 Euro/m. In diesem Fall kann die Komplexität des Netzes am besten durch den empirisch hergeleiteten Korrekturfaktor (Anzahl Schaltfelder / Wartungszyklus Schalter) + (Anzahl Trafos / Wartungszyklus Trafos) abgebildet werden.

Insbesondere eine Verlängerung der Revisionszyklen bei den Stromnetzen (Schalter- und Trafowartung, Schutzrelaisprüfung) kann Kosten sparen. Während der Durchschnitt bei fünf Jahren liegt, ist bei einigen Teilnehmern eine jährliche Revision üblich. In günstigsten Fällen konnten die Revisionszyklen auf zehn Jahre verlängert werden.

Medienversorgung

Bei den Dampfnetzen liegt die Instandhaltungs-Rate (IH-Kosten bezogen auf die Netzlänge) zwischen 17 und 28 Euro/m (Totalkosten) bzw. 11 und 24 Euro/m (nur beeinflussbare Kosten). Die Kosteneinsparpotenziale sind mit maximal fünf Euro/m deutlich geringer im Vergleich zu den Stromnetzen.

Von besonderer Relevanz im Rahmen einer stetigen Optimierung der Wassernetze sind die häufigen Schwachstellen bzw. Leckagen, die zu signifikanten Verlusten führen. Bei manchen Teilnehmern konnte durch den systematischen Aufbau eines Zählernetzes die Bestimmung von Schwachstellen verbessert und Verluste erheblich gemindert werden. Auch der Einsatz energieeffizienterer Pumpen wird angesichts hoher Energiepreise zu einem immer wichtigeren Thema. Die Stromkosten zur Erzeugung und Verteilung von Brauchwasser liegen zwischen 15 und 45 Euro/Tm3, wobei die spezifischen Stromkosten durch die Förderhöhe korrigiert wurden. Die IH-Raten bei Druckluft liegen zwischen 10 und 40 Euro/m. Die Abbildung der Komplexität durch (Zahl der Verdichter) x (Zahl der Lieferpunkte) ermöglicht dabei eine gute Berücksichtigung der Netzstruktur.

Gebäudemanagement

Im Bereich Gebäudemanagement lag der Fokus auf der baulichen und technischen IH inklusive der Steuerung durch Objektverantwortliche sowie der Organisation des Reinigungsmanagements.

Die spezifischen Objektbetreuungskosten, die auf den Wiederbeschaffungswert normiert wurden, zeigten mit einer Spannweite von 300 bis 3000 Euro pro Millionen Euro extreme Unterschiede. Objektmanager sollten für die Profitabilität einzelner Gebäude verantwortlich sein (Kosten und Erlöse) und damit sowohl technisches als auch kaufmännisches Gebäudemanagement verantworten. Nur falls das Vermietungsgeschäft und die Verantwortung für die Instandhaltung in einer Hand liegen, kann eine nachhaltig optimale Immobilienrendite erzielt werden.

Außerdem sollte der Dienstleister die Kosten für bauliche Instandhaltung auf Basis der Normalherstellungskosten normieren und nicht anhand des Wiederbeschaffungswertes. Auf diese Weise können kundenspezifische Anforderungen bei Bauvorhaben berücksichtigt und trotzdem verursachergerecht abgerechnet werden können. Auch bei allen anderen Bereichen wie etwa bei der Werksfeuerwehr und beim Werksschutz wurden entsprechende Kennzahlen definiert und berechnet.

Auf einen Blick: Kosten und Standortfaktoren

Einfluss der Standortgegebenheiten auf die Kosten für die Datenkommunikation (Bild: Festel Capital)

Die Grafik zeigt den Einfluss der Standortgegebenheiten auf die Kosten für die Datenkommunikation (Kosten pro aktivem Port). Die Zahl der angeschlossenen Gebäude ist ein Standortfaktor, der die Kosten beeinflusst – also eine zusätzliche Komplexitätsdimension darstellt. Welchen Einfluss die Zahl der Gebäude auf die Kosten hat, zeigt die lineare Regressionsgerade. Wie allerdings das Potenzial zur Kostensenkung identifiziert wird, hängt vom Einzelfall ab. Man kann die Differenz zwischen individuellem Punkt und der Regressionsgeraden bilden oder die Regressionsgerade auf den leistungsfähigsten Teilnehmer parallelverschieben.

Der Autor ist Geschäftsführer bei Festel Capital.

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