Nachruf Dr. Georg H. Endress Endress+Hauser Gruppe trauert um Firmengründer
Die Endress+Hauser Gruppe trauert um ihren Gründer Dr. Georg H. Endress. Der Unternehmer starb nach kurzer, schwerer Krankheit am Sonntag, 14. Dezember 2008, wenige Wochen vor seinem 85. Geburtstag im Kreise seiner Familie in Arlesheim/Schweiz.
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Kern des Lebenswerks von Georg H. Endress bildet der Aufbau der Endress+Hauser Gruppe. Sie entwickelte sich aus kleinsten Anfängen zu einem internationalen Unternehmen der industriellen Mess- und Automatisierungstechnik mit heute mehr als 8300 Beschäftigten weltweit. „Ich wollte mir, meiner Familie und der Welt beweisen, dass ich eine Idee zum Erfolg bringen kann“, antwortete Georg H. Endress einmal auf die Frage, weshalb er Unternehmer geworden ist. Und mit dem ihm eigenen Humor pflegte er hinzuzufügen: „Als unser drittes Kind unterwegs war, forderte mich meine Frau auf, etwas zu tun – so wurde ich Unternehmer.“
Georg Herbert Endress wurde am 9. Januar 1924 im deutschen Freiburg im Breisgau geboren. Sein Vater war dort Direktor einer Fabrik. Sieben Jahre später zog die Familie nach Zagreb/Kroatien, wo Georg H. Endress eingeschult wurde. In Basel besuchte er die weiterführenden Schulen. Er machte eine Mechanikerlehre und studierte nach der Matura in Zürich Ingenieurwesen. Nach Tätigkeiten bei mehreren Firmen in der Schweiz ging Endress schließlich nach England zu einem Unternehmen, das neuartige elektronische Füllstandmessgeräte herstellte.
Visionärer und charismatischer Unternehmer
1953 gründete der junge Schweizer Ingenieur mit dem erfahrenen Bankkaufmann Ludwig Hauser im badischen Lörrach die L. Hauser KG – einen Vertrieb für eben jene neuen Füllstandmessgeräte. Die beiden gegensätzlichen Charaktere ergänzten sich bestens: der Weitblick von Endress und die Umsicht von Hauser bildeten die Grundlage des Erfolgs. 1956 kamen die ersten eigenen Messgeräte auf den Markt.
Zug um Zug wurden neue Absatzmärkte und Arbeitsfelder erschlossen. Georg H. Endress erkannte früh das Wachstumspotenzial außerhalb Europas. 1970 gründete er Niederlassungen in den USA und Japan, noch in den 80er Jahren folgte der Schritt nach China. Georg H. Endress entwickelte das Unternehmen – seit Ludwig Hausers Tod 1975 im Alleinbesitz der Familie Endress – mit Intelligenz und Tatkraft. Mit Charisma und Wortgewalt verstand er es, andere für seine Visionen zu begeistern – und Menschen an sich zu binden, die auf ihren Gebieten besser waren als er selbst. Seine Mitstreiter lernten ihn als zuverlässigen, loyalen, wenn nötig harten, aber gerechten Chef kennen.
Mit Herzblut für den Regio-Gedanken gekämpft
Seinen unternehmerischen Erfolg verstand Georg H. Endress als Verpflichtung, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Ein Anliegen war ihm das Miteinander in der deutschfranzösisch-schweizerische Region am Oberrhein, in der heute noch die Hälfte aller Beschäftigten der Firmengruppe arbeitet: Nach dem Schwinden der geografischen Grenzen in Europa sollten auch die mentalen Barrieren fallen. Georg H. Endress stieß die trinationale Lehrlings- und Ingenieurausbildung an, ebenso die BioValley Initiative, ein Netzwerk im Bereich der Life Sciences. Er wirkte im Wirtschaftsverband Industrieller Unternehmen Badens (WVIB) sowie in der Regio Gesellschaft Schwarzwald–Oberrhein. Beide Vereinigungen ernannten ihn zum Ehrenpräsidenten.
Neben vielen anderen Würdigungen wurde Georg H. Endress 1984 mit dem Bundesverdienstkreuz I. Klasse ausgezeichnet. 1990 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Basel. 1994 wurde er Ehrensenator der Universität Freiburg sowie Träger der Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg. 2000 wurden ihm die Insignien eines Ritters der französischen Ehrenlegion (Chevalier de la Légion d’Honneur) überreicht. Er erhielt diese höchste Auszeichnung des französischen Staats für seinen Beitrag zur Völkerverständigung und seine Verdienste um die wirtschaftliche Entwicklung des Elsass. Außerdem ist er Ehrenbürger der Stadt Indianapolis in den USA und der deutschen Gemeinde Maulburg im Wiesental.
Familie und Stiftung führen das Lebenswerk fort
Georg H. Endress hinterlässt ein wohlgeordnetes Erbe. Schon 1995 hatte er sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und die Leitung der Firmengruppe seinem zweitältesten Sohn Klaus Endress übertragen. Gleichwohl nahm er bis kurz vor seinem Tod als Mitglied des Verwaltungsrats regen Anteil an der erfolgreichen Entwicklung von Endress+Hauser. Dem großen beruflichen und ehrenamtlichen Engagement zum Trotz nahm die Familie für Georg H. Endress stets eine Schlüsselstellung ein. Seit 1946 war er mit Alice Vogt verheiratet. Der Ehe entsprangen acht Kinder. Alle vier Söhne sowie eine Tochter sind heute im Unternehmen tätig. Die Kinder mit ihren Familien, die jeweils 12 Prozent der Anteile an der Firmengruppe halten, werden sein unternehmerisches Werk weiterführen. In einer Charta bekennen sich die Mitglieder der zweiten und dritten Generation der Familie dazu, Endress+Hauser als erfolgreiches Unternehmen in Familienbesitz zu erhalten – als Unternehmen, das nachhaltigen Prinzipien verpflichtet ist und zu seiner ganzheitlichen Verantwortung steht. Georg H. Endress’ Engagement für die Region am Oberrhein und sein Einsatz zur Förderung junger Menschen wird von der gemeinnützigen Georg H. Endress Stiftung fortgeführt, die mit vier Prozent der Firmenanteile ausgestattet ist.
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