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Namur-Hauptsitzung 2018

Digitalisierung wird anfassbar – Namur-Hauptsitzung blickt in die Zukunft

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„Die effiziente, zustandsabhängige Wartung von PAT-Systemen ist sehr aufwendig und basiert auf einer intelligenten Zustandsüberwachung“, so Grümpel. Voraussetzung hierfür ist die Übertragung von Messwerten, Status-Signalen und Vital-Daten der PAT-Systeme an den Instandhalter. Diese Informationen müssen möglichst ohne Aufwand durch einen zweiten Kanal (NOA) an ihr Ziel gelangen. Jedoch sind die hierzu nötigen technologischen Voraussetzungen heute noch nicht gegeben – sowohl bei den PAT-Geräten, als auch in der Automatisierungspyramide. „Wir arbeiten uns immer noch an Schnittstellen und Systemgrenzen ab“, verweist Schünemann auf die Erfahrungen aus der täglichen Arbeitsebene.

NOA auf dem Weg in die Praxis

Daher ist es nicht verwunderlich, dass seit seiner ersten Vorstellung bei der Hauptversammlung 2016 das Konzept der Namur Open Architecture (NOA) bei allen Automationsfachleuten auf breites und großes Interesse gestoßen ist. Gemeinsam mit allen großen Ausrüstern wurde beispielsweise die NOA-Testanlage durch IGR/Bilfinger im Industriepark Höchst in Betrieb genommen. BASF-Mitarbeiter Jan de Caigny findet in seinem ergänzenden Vortrag die Idee von NOA extrem vielversprechend, zeigt aber durchaus noch ein paar unbearbeitete Arbeitsfelder auf: „Wir haben heute extrem viel Konfigurationsaufwand, um die Daten zu aggregieren und zu strukturieren.“ Beispielsweise stellt sich die Frage, wie sich NOA in Produkte umsetzen lässt und wann ein Produkt oder eine Ausrüster-Lösung NOA-konform ist. Doch vier Use Cases in der NOA-Testanlage zeigen schon positive Entwicklungen, so etwa die Überwachung von Pumpen oder die Online-Analyse eines PAT-Systems.

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Michael Maiwald, von der Berliner Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) ermutigt in seinem Vortrag dazu, die Digitalisierung der Prozessindustrie auf Basis smarter Sensorik, Aktorik und Kommunikation ganzheitlicher zu denken. „Wir haben in Deutschland eine enge Vernetzung zwischen Prozessindustrie und Herstellern, das ist ein enormer Standortvorteil“, so Maiwald.

Die Anforderungen an smarte Sensoren wurden bereits in der Roadmap 2015 festgelegt. Maiwald zeigt anhand einiger Beispiele, wie die Digitalisierung auch einiges erleichtert hat. So ist heute OPC UA zunehmend auf der Geräte- und Feldebene vorhanden. Auch das Thema Rückverfolgbarkeit und Compliance lässt sich digital wesentlich einfacher behandeln als früher. Technologische Hilfsmittel, wie Ad-hoc-Vernetzungen, Edge-Computing, FPGAs oder virtuelle Maschinen sind längst Realität. Damit ist eine modulare Orchestrierung mit anwenderdefinierter Funktionalität möglich. Dies gibt wiederum smarter Sensorik, Aktorik und Kommunikation eine völlig neue Perspektive. Zum Abschluss stellt Maiwald eine Vision in den Raum, dass am Ende eines noch langen Weges vielleicht nur noch intelligente Feldgeräte übrig bleiben. Gewagte Vision oder provokante Forderung? Für Maiwald bleibt auch dann immer noch die Aufgabe, wer die Orchestrierung der vernetzten Geräte übernimmt.

Der Nachmittag des ersten Namur-Tages gehörte traditionell den zahlreichen Workshops zu den Themen der Arbeitskreise und Themen wie FDI, mobile Geräte in Ex-Umgebung, Security und SIS, Namur Standard-PID-Regler oder auch Advanced Instrumentation Diagnostics. Ob MTP, Digitaler Zwilling, FDI zum Anfassen oder auch die Gründung des neuen Arbeitskreises Agumented Reality – die Themen der Endanwender sind mannigfaltig und zunehmend komplex.

Ein Highlight am Nachmittag: Während im Rahmen der Vorträge live auf die NOA-Anlage im Technologiepark Höchst geschaltet und dort ein Geräteaustausch live vorgenommen wurde, konnte der Status der Entwicklungsarbeiten bei der MTP-Technologie direkt an der Demo-Anlage verfolgt werden. Fazit: Beweis erbracht, es funktioniert.

Link zum Video des Namur-Hauptvortrags von Endress+Hauser

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