Engineering & Maintenance Die Aufgaben des neuen BASF-Kompetenzzentrums Engineering & Maintenance
Seit Anfang letzten Jahres bündelt die BASF ihr gesamtes technisches Know-how in dem neuen Kompetenzzentrum Engineering & Maintenance. Was vorher dezentral organisiert war, wächst nun zusammen. PROCESS sprach mit dem Leiter Dr. Volker Knabe über den Wettbewerb mit externen Service-Anbietern und neu definierte Aufgaben.
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PROCESS: Herr Dr. Knabe, ein Kompetenzzentrum Engineering gab es bereits. Was ist das Neue am Kompetenzentrum Engineering & Maintenance?
Dr. Knabe: Mit dem Kompetenzzentrum Engineering & Maintenance hat die BASF erstmals ihr technisches Fachwissen in einem Bereich zusammengefasst. Dahinter steht das Ziel, die im Unternehmen vorhandenen Stärken in den Arbeitsgebieten Anlagenbau, Instandhaltung und technische Fachzentren noch besser zu nutzen und weiter auszubauen. Das ist in der BASF insofern neu, weil zwar der Anlagenbau bereits als Corporate Engineering für die gesamte BASF-Gruppe Projekte abgewickelt hat, aber die Instandhaltung und Fachzentren waren eher lokal geprägt und daher innerhalb der BASF-Organisation noch nicht so stark vernetzt. Mit unserem Kompetenzzentrum gibt es nun eine zentrale Einheit, die für die Arbeitsgebiete Instandhaltung, Anlagenbau und technische Fachzentren die Verantwortung dafür übernimmt, dass das erworbene technische Know-how gesammelt, sichergestellt, weiterentwickelt und den BASF-Gesellschaften weltweit zur Verfügung gestellt wird.
PROCESS: Welche Aufgaben hat das Kompetenzzentrum?
Dr. Knabe: Das Kompetenzzentrum hat zwei Aufgaben. Wir bündeln die technische Fachkompetenz innerhalb der BASF-Gruppe. Typische Aufgabe eines Kompetenzzentrums für technische Fragestellungen ist z.B. das Thema Standardisierung. Das bedeutet Vielfalt und Komplexität zu reduzieren, um dann in bestimmten Bereichen Vorteile zu haben: günstige Einkaufspreise, bessere Lagerhaltung und vieles mehr. Zum anderen stellen wir Engineering-Dienstleistungen für die gesamte Gruppe bereit. Wir erbringen Service-Leistungen, die optional sind für unsere Business-Units. Das heißt, eine Geschäftseinheit muss beim Bau einer neuen Anlage nicht unbedingt mit uns zusammenarbeiten. Das Gleiche gilt für andere Services auch. Wir haben das ganz klare Prinzip, dass unsere Dienstleistungen wettbewerbsfähig sein müssen und ständig im Wettbewerb stehen.
PROCESS: Wie oft kommt es vor, dass ein Externer den Zuschlag erhält?
Dr. Knabe: Das hängt natürlich stark von der Technologie ab. Wenn es um eine BASF-eigene Technologie geht, dann ist es fast selbstverständlich, dass man uns beauftragt, weil wir ja auch Know-how-Schutz betreiben und einen Wissensvorsprung nicht frühzeitig nach außen geben wollen. Das gilt vor allen Dingen, wenn ganz neue Produkte auf den Markt gebracht werden sollen. Anders sieht das bei einer Standard-anlage aus, beispielsweise einer Salpetersäureanlage, die kann man bei verschiedenen Wettbewerbern quasi von der Stange kaufen. In diesem Fall ist die Vergabe lediglich eine Frage von Technik, Qualität, Kosten und natürlich der terminlichen Abwicklung. Beim Bau der neuen Salpetersäure-Anlage in Antwerpen z.B. gab es zwar einen externen Wettbewerber, aber da haben wir den Zuschlag erhalten.
PROCESS: Wie sieht Ihre Arbeitsteilung mit externen Engineering-Unternehmen aus?
Dr. Knabe: Wir bearbeiten prioritär bis zum Konzept Engineering. Das reicht von der ersten Prozessidee bis zum Konzept für eine Neuanlage. Das heißt, in diesem Konzept ist dann klar beschrieben: Wie sieht das Verfahren aus? Wie sieht die Regelungsstrategie für das Verfahren aus? Was für Maschinen/Apparate werden verwendet? Wie ist das Entsorgungskonzept? Und vieles mehr. Das Konzept ist dann auch die Basis für den Genehmigungsantrag bei einer Neuinvestition. Das ist unser Schwerpunkt. Das wollen wir auch nicht abgeben, da hier eine enge Zusammenarbeit zwischen der Technik und den Unternehmensbereichen nötig ist. Hier steckt sehr viel internes Know-how, das wir nicht nach außen geben wollen. Und zudem ist das der Schritt, in dem auch die Kosten identifiziert werden. Wir arbeiten je nach Region mit internationalen Kontraktoren zusammen, in Ludwigshafen sehr oft mit kleineren mittelständischen Firmen. Einen Teil der Abwicklung behalten wir selbst in der Hand, weil wir auch langfristig die Beurteilungs- und Ausführungskompetenz sicherstellen wollen.
PROCESS: Die Idee, den gesamten Lebenszyklus einer Anlage zu betrachten, ist nicht neu. Was ist denn durch die Neuorganisation anders geworden?
Dr. Knabe: Wir versuchen natürlich, unsere Investitionen über den Lebenszyklus zu optimieren. Man betrachtet eben nicht nur die Investitionskosten, sondern auch die Betreiberkosten, die Instandhaltungskosten bis hin zu einem möglichen Abriss der Anlage, wenn das Produkt seinen Höhepunkt überschritten hat und aus dem Markt genommen wird. Mitarbeiter, die den entsprechenden Input geben müssen, arbeiten in einer Einheit deutlich intensiver miteinander zusammen, als über Einheitsgrenzen hinweg. Insofern versuchen wir beispielweise den Instandhalter, stärker noch als früher, bereits bei Projektbeginn einzuschalten, damit die Anforderungen an eine spätere Instandhaltungsstrategie schon in das Design eingebracht werden kann. Und durch die Zusammenlegung der Einheiten versprechen wir uns auch eine bessere Optimierung dieser Schnittstellen.
PROCESS: Trotzdem hat die neue Abteilung rund 4000 Mitarbeiter. Bedeutet das nicht, dass die BASF drei Segelschiffe zu einem schwer manövrierfähigen Schlachtschiff zusammengefügt hat?
Dr. Knabe: Die drei leichten Schiffe haben auch schon in der Vergangenheit zusammengearbeitet. Die Anlagenbauer sind immer schon aus den Fachzentren heraus unterstützt worden, wenn es beispielsweise darum ging, Prozessleitsysteme oder Automatisierungstechnik zu implementieren. Das heißt, es gab immer schon Kooperationen. Wenn aber diese Einheiten unter einem Dach zusammengeführt sind, dann fällt die Zusammenarbeit an den Schnittstellen leichter. Dort, wo die Einheiten innerhalb des Lebenszyklus einer Anlage ineinander übergreifen, angefangen von der Forschung, über die Inbetriebnahme einer Anlage bis hin zur späteren Stilllegung, können wir Arbeitsprozesse und Kommunikation viel besser aufeinander abstimmen. Und wir können auch Ressourcen besser und effizienter nutzen.
PROCESS: Warum wird es nötig, Ressourcen besser zu nutzen?
Dr. Knabe: Wir spüren den Fachkräftemangel ganz unmittelbar. Zurzeit ist der zwar durch die Wirtschaftskrise entschärft, aber wir müssen an die Zeit danach denken. Nicht jeder Standort und jede Gesellschaft innerhalb der BASF sind in der Lage, eine kritische Masse für eine bestimmte Fachexpertise zu halten. Insofern ist das Kompetenzzentrum auch eine Maßnahme im Sinne eines effizienten Ressourceneinsatzes, um dieses technische Know-how allen BASF-Gesellschaften weltweit zur Verfügung zu stellen.
PROCESS: Herr Dr. Knabe, herzlichen Dank für das Gespräch.
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