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Wie moderne Isolierungen die Energieeffizienz steigern

Der Anlage neue Kleider – Gut gedämmt ist halb gespart

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Aber bevor es zum Einbau kommt, muss besonders bei KMU ein Bewusstsein entstehen, welche Einsparpotenziale möglich sind, berichtet Thomas Frank. Er ist Geschäftsführer der Bohle Isoliertechnik und empfiehlt als Lektüre die Broschüre „Dämmung von Anlagen in Industrie und Gewerbe“ von der deutschen Bauindustrie und der Dena.

Frank weiß wovon er spricht, Bohle ist schon seit Jahrzehnten bei großen Chemieunternehmen als Rahmenvertragspartner tätig und hat Erfahrung in unterschiedlichsten Anwendungsgebieten.

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Wenn die Investition ins Haus steht, warnen die Experten davor, schnelle Wirtschaftlichkeit als alleiniges Entscheidungskriterium heranzuziehen – hier seien teilweise verzerrte Maßstäbe zu finden. Ortlieb warnt Unternehmen davor, alleine die Pay-Back-Time zurate zu ziehen: „Vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit ist die Herangehensweise mit der Kapitalrücklaufzeit die falsche. Ebenso ist das übliche Vorgehen, defekte Dämmungen durch Gleichwertiges zu ersetzen, nicht sinnvoll“.

Gesamtkostenminimum erreichen

Die einzig objektive Betrachtung von Effizienzmaßnahmen sei über die Gesamtkosten der geplanten Lebensdauer. Dabei wird bei der Berechnung der wirtschaftlichen Dämmdicke gemäß VDI 2055 die Dämmstärke ermittelt bei der das Gesamtkostenminimum erreicht wird. Wenn so vorausschauend gehandelt wird, können die unscheinbaren Isolierungen nachhaltig die Energieeffizienz verbessern und dabei helfen gehörige Summen einzusparen. In Zeiten von Energiemanagement-Zertifizierungszwängen, steigenden Kosten für Energie und CO2-Zertifikate sollte sich die Frage, ob isoliert wird oder nicht, eigentlich aber gar nicht mehr stellen.

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Nachgefragt bei Andreas Gürtler, Foundation Director der EIIF
„Wir sind gerade erst am Anfang“ – Nachgefragt bei Andreas Gürtler, Foundation Director EIIF

? Herr Gürtler, was hat Sie zum Thema Dämmungen in der Prozessindustrie am meisten überrascht?

Gürtler: Das spannende war es nicht festzustellen, dass die Einsparpotenziale da sind, sondern dass sie da sind und wirklich wirtschaftlichen Schaden anrichten, ohne dass etwas dagegen unternommen wird. Dass es tatsächlich noch Anlagenteile und Rohrleitungen gibt, die trotz des herben finanziellen Verlusts, völlig ungedämmt sind ist schon verwunderlich.

? Warum ist das der Fall?

Gürtler: Ungedämmt bleiben häufig Spezialformen wie Armaturen und Flansche oder Teile in schwerer zugänglichen Bereichen der Anlage, oder des Versorgungsnetzes. Sobald es etwas komplizierter sowie teurer wird und es sich nicht um eine ungestörte Rohrleitung handelt, scheuen einige Betreiber Dämmmaßnahmen. Obwohl im Gegensatz zur Gebäudedämmung die wirtschaftliche Attraktivität eine ganz andere ist: Statt 10-15 Jahren, rechnen sich Maßnahmen in der Industrie in der Regel schon nach ein bis zwei Jahren, manchmal sogar früher. Einer der Hauptgründe ist auch, dass die Industrie früher Energie immer sehr günstig einkaufen konnte. Heute sind die Amortisationszeiten deutlich kürzer aufgrund der gestiegenen Energiepreise.

? Warum ändern Betreiber jetzt langsam ihre Einstellung?

Gürtler: Es gibt mittlerweile einen erheblichen politischen Druck durch die Energiewende und konkrete sowie ambitionierte Einsparziele. Die Unternehmen sind auch noch unsicher, wohin der Energiepreis geht. Verpflichtende Zertifizierungen und Audits wurden eingeführt. Eine Gesetzesänderung fordert für alle Nicht-KMU bis zum 5. Dezember 2015 ein Audit nach der europäischen Norm DIN EN 16247-1 sofern sie nicht über ein zertifiziertes Energiemanagementsystem nach ISO 50001 oder EMAS verfügen.

? Wie sieht die Zukunft aus?

Gürtler: Wir sind gerade erst am Anfang. Die Industrie begibt sich konzentrierter auf die Suche nach Energieeffizienzmaßnahmen. Isolieren ist eine dieser Maßnahmen, die wirtschaftlich sehr interessant ist, auch an wartungsanfälligen Stellen. Es ist eigentlich ein absoluter No-Brainer: Heutzutage würde niemand mehr ein Gebäude ohne Tür bauen, mit dem Argument, dass ich da ja sowieso ständig rein und raus muss und man deswegen die Türe direkt weglassen kann. So haben aber viele Unternehmen argumentiert, warum sie Flansche nicht eindämmen und Armaturen nicht unter eine Kappe packen. Wir müssen noch viel Aufklärungsarbeit betreiben, damit das Bewusstsein entsteht. Aber wir sind auf einem guten Weg.

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