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Wie moderne Isolierungen die Energieeffizienz steigern

Der Anlage neue Kleider – Gut gedämmt ist halb gespart

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Die Ersteller der Studie „Klimaschutz mit kurzen Amortisationszeiten – Energie- und CO2-Einsparpotenzial durch technische Isolierung in Deutschland“ gehen davon aus, dass sich durch eine einmalige Investition von 180 Millionen jährlich 750 Millionen Euro einsparen lassen. Auch Stephan Kohler, Geschäftsführer Dena - Deutsche Energie Agentur, weiß, „das wirtschaftlich erschließbare Potenzial ist erheblich“. Laut einer Untersuchung der Forschungsstelle für Energiewirtschaft in München, können Wärmeverluste von Bauteilen und Rohrleitungen im Durchschnitt um 30 % gesenkt werden. Kapitalrenditen über 50 % sind die Regel, melden die Initiative Energieeffizienz+ und die Dena.

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Die Vorteile von technischen Isolierungen liegen klar auf der Hand, warum also zieren sich so viele Unternehmen noch, in Dämmungen zu investieren? „Grundsätzlich stehen Dämmungen oft nicht im Fokus bei Energiesparmaßnahmen“, weiß Stefan Geiger von Saint Gobain Isover „da wird zumeist an Steuer- und Regelungstechnik und über Fahrweise der Anlagen nachgedacht“. Der Fachberater für technische Produkte und Spezifikation rät Unternehmen, den Fokus nicht nur auf den Berührungsschutz zu legen. Durch höhere Dämmdicken und optimierte Dämmstoffe lassen sich bisher ungeahnte Summen sparen, so der Experte. Gerade bei externen Planungsbüros dominiere der günstige Preis, und Amortisationszeiten über einem Jahr werden kritisch gesehen.

Dow spart in Schkopau 40 % Betriebskosten

Branchenprimus BASF geht wie in vielen Bereichen auch hier voran und hat Mitarbeiter, die sich ausschließlich um Effizienzmaßnahmen kümmern. Weitere führende Unternehmen beschäftigen sich ebenfalls mit Einsparpotenzialen durch moderne Isolierungen, u.a. Dow. Nach der Übernahme des mitteldeutschen Olefinverbundes 1995 und umfangreichen Werkumbauten, steht die ständige Optimierung auf der Agenda. In einem konkreten Projekt wurden Dampf- und Kondensatleitungen des Versorgungssystems am Standort Schkopau modernisiert.

Die Dämmung der Dampfleitungen mit einer Nennweite von DN 200 war 35 Jahre alt, hatte enormen Wärmeverlust und entsprach nicht dem heutigen Standard. Außerdem waren die Rohre für die aktuellen Aufgaben überdimensioniert, weswegen Dow sich dazu entschloss, die Dampfleitung von DN 200 auf DN 100 und die Kondensatleitung von DN 100 auf DN 50 zu reduzieren. Das hatte zur Folge, dass die vorhandenen Unterkonstruktionen und Ummantelungen nicht mehr verwendet werden konnten.

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„Wir sind gerade erst am Anfang“ – Nachgefragt bei Andreas Gürtler, Foundation Director EIIF

? Herr Gürtler, was hat Sie zum Thema Dämmungen in der Prozessindustrie am meisten überrascht?

Gürtler: Das spannende war es nicht festzustellen, dass die Einsparpotenziale da sind, sondern dass sie da sind und wirklich wirtschaftlichen Schaden anrichten, ohne dass etwas dagegen unternommen wird. Dass es tatsächlich noch Anlagenteile und Rohrleitungen gibt, die trotz des herben finanziellen Verlusts, völlig ungedämmt sind ist schon verwunderlich.

? Warum ist das der Fall?

Gürtler: Ungedämmt bleiben häufig Spezialformen wie Armaturen und Flansche oder Teile in schwerer zugänglichen Bereichen der Anlage, oder des Versorgungsnetzes. Sobald es etwas komplizierter sowie teurer wird und es sich nicht um eine ungestörte Rohrleitung handelt, scheuen einige Betreiber Dämmmaßnahmen. Obwohl im Gegensatz zur Gebäudedämmung die wirtschaftliche Attraktivität eine ganz andere ist: Statt 10-15 Jahren, rechnen sich Maßnahmen in der Industrie in der Regel schon nach ein bis zwei Jahren, manchmal sogar früher. Einer der Hauptgründe ist auch, dass die Industrie früher Energie immer sehr günstig einkaufen konnte. Heute sind die Amortisationszeiten deutlich kürzer aufgrund der gestiegenen Energiepreise.

? Warum ändern Betreiber jetzt langsam ihre Einstellung?

Gürtler: Es gibt mittlerweile einen erheblichen politischen Druck durch die Energiewende und konkrete sowie ambitionierte Einsparziele. Die Unternehmen sind auch noch unsicher, wohin der Energiepreis geht. Verpflichtende Zertifizierungen und Audits wurden eingeführt. Eine Gesetzesänderung fordert für alle Nicht-KMU bis zum 5. Dezember 2015 ein Audit nach der europäischen Norm DIN EN 16247-1 sofern sie nicht über ein zertifiziertes Energiemanagementsystem nach ISO 50001 oder EMAS verfügen.

? Wie sieht die Zukunft aus?

Gürtler: Wir sind gerade erst am Anfang. Die Industrie begibt sich konzentrierter auf die Suche nach Energieeffizienzmaßnahmen. Isolieren ist eine dieser Maßnahmen, die wirtschaftlich sehr interessant ist, auch an wartungsanfälligen Stellen. Es ist eigentlich ein absoluter No-Brainer: Heutzutage würde niemand mehr ein Gebäude ohne Tür bauen, mit dem Argument, dass ich da ja sowieso ständig rein und raus muss und man deswegen die Türe direkt weglassen kann. So haben aber viele Unternehmen argumentiert, warum sie Flansche nicht eindämmen und Armaturen nicht unter eine Kappe packen. Wir müssen noch viel Aufklärungsarbeit betreiben, damit das Bewusstsein entsteht. Aber wir sind auf einem guten Weg.

Um das Einsparpotenzial für weitere Leitungen besser einschätzen zu können, sollte der Austausch der Dämmung dennoch in der gleichen Dämmdicke wie im Bestand erfolgen. Gerade bei Bestandsleitungen komme es häufig vor, dass zu wenig Platz vorhanden ist, um eine höhere Dämmschichtdicke zu realisieren. Die Einsparung kann in diesen Fällen bei gleichbleibender Dicke nur ein optimierter Dämmstoff erreichen. Dann besteht auch die Möglichkeit, die vorhandenen Ummantelungen alter Leitungen wieder zu verwenden.

Mit Hilfe des wärmetechnischen Berechnungsprogramms Tech Calc wurde Einsparpotenzial bis 40 % ermittelt. Dow begleitete die Teststrecke fotografisch als auch messtechnisch und bestätigte abschließend die vorausgegangene Berechnung zur Einsparung von Betriebskosten an den Dampf- und Kondensatleitungen von über 40 %.

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