Die Produktionskapazität von Rohöl in Chinas Raffinerien ist im Juni auf ein neues Rekordhoch geklettert. Analysten werten dies als ein Zeichen für die schnelle Erholung der chinesischen Wirtschaft. Marktbeobachter und chinesische Funktionäre sehen in den derzeitigen Überkapazitäten sowie der Coronakrise jedoch einen erhöhten Reformationsdruck auf die erdölverarbeitende Industrie im Land.
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Peking/China – Die Raffinerien in der Volksrepublik laufen gerade auf Hochtouren. 57,87 Millionen Tonnen Rohöl sind im Juni in China verarbeitet worden, ein Anstieg von 9 % im Vergleich zum Vorjahresmonat. Das ist ein neuer historischer Rekord, basierend auf den jüngsten, Mitte Juli vom Nationalen Statistikbüro in Peking veröffentlichten Daten. Auch Chinas Importe von Rohöl sind im Juni auf ein neues Rekordhoch geklettert, glaubt man vorläufigen Statistiken der chinesischen Zollbehörde GAC. Insgesamt hat China 53.18 Millionen Tonnen Rohöl importiert, 34,4 % mehr als im Juni vor einem Jahr.
Die Zahlen lesen sich auf den ersten Blick richtig gut - wären da nicht die schon seit Jahren existierenden Überkapazitäten in der Erdölverarbeitung. Sie macht den Funktionären noch mehr Kopfschmerzen als vorübergehende Rückschläge wegen des Coronavirus. „Für das gesamte laufende Jahr und auch langfristig wird die Überkapazität das dominierende Thema der Industrie sein”, warnte Fu Xiangshen, der Vizevorsitzende von China Petroleum and Chemical Industry Federation CPCIF schon im März. Schon im vergangenen Jahr waren deswegen die Profitmargen der chinesischen Petrochemie um 13,9 Prozent gesunken, der schwerste Rückgang seit der weltweiten Finanzkrise im Jahr 2008.
Während die Rekordproduktion in Chinas Raffinerien von vielen Beobachtern als weiteres Puzzle-Teil der chinesischen Wirtschaftserholung gedeutet wird, warnen einzelne Analysten, der Boom sei nicht nachhaltig. Der Preiskampf auf dem Erdölmarkt, der im März zunächst zwischen Saudi Arabien und Russland ausgebrochen war, habe Chinas Staatskonzerne und auch private Raffinerien dazu verleitet, ihre Tanks mit billigem Rohöl zu füllen, heißt es.
Während eine Reihe neuer Groß-Raffinerien in China in diesem Jahr die Verarbeitungskapazität des Landes um weitere 27 Millionen Tonnen auf mindestens 887 Millionen ansteigen lässt (Schätzung von Caixin), ließ die globale Nachfrage schon vor Beginn der Coronakrise nach. Ein erneuter Anstieg der Exporte i naher Zukunft scheint derzeit ausgeschlossen.
Auch in China selbst wuchs die Nachfrage nach Kraftstoffen und anderen Ölprodukten bereits vor dem Beginn der Coronakrise nicht mehr im gleichen Tempo wie früher. „Der Anstieg der überflüssigen Kapazität kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem sich das Wachstum der heimischen Nachfrage verlangsamt”, schrieb das chinesische Wirtschaftsmagazin Caixin bereits im Januar, also bevor die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise voll sichtbar waren. Trotz der erfreulichen Erholung der chinesischen Wirtschaft seit der Lockerung der Corona-Massnahmen in Peking dürfte sich das Bild auch für das gesamte Jahr 2020 weiter eintrüben. Die schon in den vergangenen Jahren begonnene Konzentration auf große Verbundstandorte werde nun endgültig zum „generellen Trend” in der chinesischen Erdölverarbeitung, glaubt das Nachrichtenportal Sina.com.
Chinas Industriepolitik fördert seit Jahren eine allmähliche Reduzierung der Produktion von Erdölprodukten und eine Ausweitung der petrochemischen Industrie. Bei Polymeren gibt es nach wie vor großen Bedarf, manche Spezialchemikalien muss China noch immer importieren. Der Druck, mit dieser Umstrukturierung Fortschritte zu machen, um die Überkapazitäten bei der Produktion von Erdölprodukten zu reduzieren, ist nun aufgrund der Coronakrise noch größer geworden.
Während die Kreditlinien vor allem von kleineren, privaten Raffinerien im Zuge der Krise allmählich austrocknen, wird auch der Druck zur Konsolidierung in der Branche weiter wachsen. Schon jetzt sind 70 Prozent der chinesischen Raffineriekapazität vor allem in drei Regionen konzentriert - an der Bucht von Bohai im Norden, entlang des Jangtsekiang und im Perlflussdelta im Süden des Landes.
Besonders im Perlflussdelta, wachsen derzeit die Kapazitäten in China. BASF, Exxon Mobil Shell und Chinas CNPC haben dort im Laufe der vergangenen Jahre große Verbundstandorte errichtet. Der südchinesische Markt wächst im Landesvergleich am schnellsten, weshalb die Aufwertung der Provinz Guangdong in Sachen Petrochemie gegenüber Bohai und dem Jangtse-Delta auch nach Covid-19 sehr wahrscheinlich weitergehen wird.
Während sich also derzeit die Rohöltanks in China bis zum oberen Rand füllen, die Öltanker vor den Hafeneinfahrten stauen und die Produktionskapazität einzelner Raffinerien im Juni auf 130 % hochgefahren worden ist, wird in der zweiten Jahreshälfte von vielen Analysten eine deutliche Abkühlung erwartet.
Stand: 08.12.2025
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„Wenn Chinas Raffinerien nicht genügend ausländische Käufer für ihre, den heimischen Bedarf übersteigenden, verarbeiteten Ölprodukte finden werden, könnte dies zu Reduzierungen der Erdölverarbeitung in der zweiten Jahreshälfte 2020 führen”, schreibt der Rohstoff-Experte Clyde Russel von Reuters. Möglich also, dass schon bald nicht mehr Produktionskapazität-Rekorde Schlagzeilen machen, sondern längst überfällige Strukturreformen.
* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking.. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.