Wird China für die Wasserstoffwirtschaft wiederholen, was es für die Solarenergie getan hat? Shell glaubt daran, und passt seine Chinastrategie entsprechend an. Für ein erstes Pilotprojekt – den Bau eines Elektrolyseurs und Wasserstoff-Tankstellen für die Olympischen Winterspiele in Peking – hat der Konzern soeben ein neues Joint-Venture mit einem chinesischen Partner gegründet.
Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet PROCESS regelmäßig über den chinesischen Chemie- und Pharmamarkt.
Peking/China – Die Solarenergie, so glaubt man bei Shell, könnte ein Schulbeispiel sein für das, was ab jetzt auch mit der Wasserstoffwirtschaft in China geschehen wird. Durch industriepolitische Zielsetzungen und massive finanzielle Förderungen hat die Volksrepublik in den vergangenen zehn Jahren die installierte Kapazität für Solarenergie von nahezu Null auf über 200 Gigawatt ausgebaut. Der Preis für Solarstrom ist daher stetig gefallen und ist mancherorts bereits ohne Subventionen wettbewerbsfähig.
Seit Wasserstoff Anfang dieses Jahres als wichtige, förderungswürdige Schlüsselindustrie in Chinas Regierungsbericht aufgetaucht ist, erlebt die Industrie in der Volksrepublik einen Investitionsschub. Örtliche Regierungen, ausländische und chinesische Ölkonzerne und viele andere Player positionieren sich derzeit auf einem Markt, der in den kommenden Jahren schneller wachsen dürfte als je zuvor.
Für sein erstes kommerzielles Wasserstoffprojekt in China profitiert Shell Hydrogen davon, dass die Stadt Zhangjiakou, 180 nordwestlich vom Stadtzentrum Pekings gelegen, die Olympischen Winterspiele im Jahr 2022 mit ausrichten wird. Die chinesische Provinzstadt mit rund 4,6 Millionen Einwohnern positioniert sich aus diesem Anlass gerade als Vorreiter für nachhaltige, zukunftsorientierte Transportlösungen. 1000 mit Wasserstoff getriebene Busse und LKWs werden dort für die Spiele angeschafft.
Das Gemeinschaftsunternehmen von Shell (China) und die „Zhangjiakou City Transport Construction Investment Holding Group” investiert in den Bau eines Elektrolyseurs mit einer Kapazität von 20 Megawatt und dem dazugehörigen Tankstellennetz für die neue, komplett abgasfreie Bus- und LKW-Flotte. Zum Betrieb aller Olympiastadien der Winterspiele will Zhangjiakou zudem ausschließlich erneuerbare Energien einsetzen.
Dies ist ein bescheidener Anfang dessen, was Shell voraussieht: Dass China zur Erreichung seiner ehrgeizigen Klimaziele – das Land will bis 2060 klimaneutral sein – der Wasserstoffindustrie zu massiver neuer Nachfrage in Transport und Industrie verhilft. Die Skalierungseffekte allein des riesigen chinesischen Marktes könnten dann wie bei der Solarenergie dafür sorgen, dass Wasserstoff auch auf den internationalen Energiemärkten wettbewerbsfähig wird.
Wasserstoff sei zu einer zentralen Säule der chinesischen Dekarbonisierungs-Strategie ernannt worden, und das Land werde künftig ein wichtiger Wasserstoffmarkt für Shell werden, zitierte das Fachmedium „Green Tech Media“ Oliver Bishop, den Geschäftsführer Wasserstoff bei Shell in China.
Dazu passt, dass Chinas führende, staatseigene Ölkonzerne gerade mit einer ähnlichen Transformation begonnen haben, wie sie Europas führende Ölriesen BP, Total und Shell bereits seit einigen Jahren betreiben. Die wollen sich eigenen Angaben zufolge von „IOC“, als internationalen Ölkonzernen, allmählich in „IEC“ oder internationale Energie-Konzerne verwandeln.
Auch Petrochina, Sinopec and Cnooc, Chinas berühmt-berüchtigte „drei Ölfässer“, haben nun einen solchen Transformations-Schub eingeleitet. Unter anderem beginnen sie, massiv in Projekte der Wasserstoffwirtschaft zu investieren, um auch in einer kohlenstoffarmen Zukunft relevant zu bleiben.
Besonders aggressiv geht dabei Sinopec vor, dass zum Marktführer in Sachen Wasserstoffwirtschaft in China werden will. Die größte Raffinerie der Erde will ihr existierendes Netzwerk von Tankstellen an der dicht besiedelten chinesischen Ostküste mit zusätzlichen Wasserstoff-Tanksäulen aufrüsten. Man setzte aus „strategischen Gründen“ auf Wasserstoff, wird der Sinopec-Vorsitzende Zhang Yuzhou in chinesischen Fachmedien zitiert.
Tatsächlich sind die staatseigenen Ölkonzerne Chinas nur zum Teil ihren Aktionären verpflichtet. Ein noch wichtigeres Gewicht haben die strategischen Vorgaben der kommunistischen Staats- und Parteiführung in Peking, deren Oberhaupt Xi Jinping gerade im September das neue, aggressive Klimaziel ausgegeben hat.
Petrochina, Sinopecs größter Konkurrent in China, hat im August dieses Jahres als erster staatseigener Ölkonzern Asiens erklärt, bis zum Jahr 2050 so gut wie emissionsfrei arbeiten zu wollen. Man wolle sich in ein „in Sachen erneuerbare Energien international führendes Chemieunternehmen” verwandeln, gab Sinopec gleichzeitig bekannt.
Stand: 08.12.2025
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Im Oktober folgte dann die Ankündigung, dass Sinopec einen Teil seiner 87 Milliarden Yuan (knapp elf Milliarden Euro) Cash-Reserven „in Richtung der Wasserstoff-Wertschöpfungskette umschichten“ werde. Eine genaue Zahl nannte Sinopec nicht, und in Zeiten sinkender Margen in der Folge der Coronakrise und sinkender Ölpreise ist zunächst mit einer eher konservativen „Umschichtung“ zu rechnen – doch die Richtung ist klar.
Gemeinsam werden die großen Ölkonzerne Chinas in den kommenden Jahren umgerechnet viele Milliarden Euro in neue Energieträger investieren, darunter auch in den Wasserstoff. Sie folgen damit dem Vorbild ihrer europäischen Konkurrenten – deren Aktionäre auf eine Vorreiterrolle drängen. Da will China nun aufholen.
* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking.. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.