China hat wichtige Richtlinien zur weiteren Entwicklung seiner chemischen Industrie veröffentlicht. Die „Richtlinien des 14. Fünfjahresplans für die Petrochemische und Chemische Industrie”, sind in einer Live-Sendung im Internet vorgestellt worden. Darin werden die wesentlichen Vorgaben aus dem 14. Fünfjahresplan für die Chemieindustrie im Detail spezifiziert.
Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet PROCESS regelmäßig über den chinesischen Chemie- und Pharmamarkt.
Peking/China – Der neue Fünfjahresplan gilt von 2021 bis 2025. Obwohl nicht immer alle Vorgaben erreicht werden, haben die industriepolitischen Vorgaben für sämtliche Marktteilnehmer in China enorme Bedeutung, weshalb das Dokument nun auch im Ausland häufig als „einer der wichtigsten Pläne der Erde” bezeichnet wird.
Die Reduzierung von Überkapazitäten wird erneut an erster Stelle genannt. Obwohl sich Chinas Wirtschaftswachstum auch in der Chemischen Industrie im Vergleich zu früher verlangsamt hat, ist der Wachstumstrend noch immer positiv, und wird es nach übereinstimmender Meinung von Marktbeobachter auch in den nächsten fünf Jahren bleiben.
2019 sind die chemische und petrochemische Industrie in China um 4,8 % im Vergleich zum Vorjahr gewachsen. Wegen seiner absoluten Größe(12,27 Billionen Yuan oder rund 1,49 Billionen Euro) bedeutet dies, dass der Sektor in China momentan jährlich etwa um die Größe der gesamten spanischen oder brasilianischen chemischen Industrie wächst.
Das Wachstum ist jedoch nach wie vor sehr uneben. Während für manche Chemikalien wie Propylen und Polypropylen weiterhin die Nachfrage das Angebot übersteigt, gibt es in bestimmten Bereichen ein „ernsthaftes Überkapazitätsproblem”, um einen der Architekten der Richtlinien, Fu Xiangsheng, zu zitieren. Die Produktion von Stickstoffdünger, Natriumkarbonat, Natronlauge oder Kaliziumkarbid etwa soll nun streng kontrolliert und nach Möglichkeit reduziert werden.
Neben dem Abbau von Überkapazitäten steht, wie schon in den vergangenen Jahren, die Aufwertung der chemischen Industrie im Vordergrund. Hier werden in den Richtlinien im Bereich Petrochemie besonders die Olefin- und Aromatenindustrie, aber auch die Kohlechemie explizit erwähnt. „Entscheidungen über neue Produktionskapazitäten müssen vorsichtig gefällt werden”, heißt es etwa mit Hinblick auf die Wertschöpfungsketten Kohle-zu-Olefine und Kohle-zu-Glykol.
Hier wird insgesamt also weiter die Richtung verfolgt, die Chinas Chemieindustrie schon im 13. Fünfjahresplan eingeschlagen hat - weg von der Quantität und hin zu mehr Qualität - wo immer möglich. Die Zentralplaner folgen hier zum einen wichtigen Konsumtrends.
Während Chinas Industriepolitik insgesamt die Abhängigkeit des BIP-Wachstums von Investitionen reduzieren und den Konsum stärken will, wächst bei den Verbrauchern der Wunsch nach hochwertigeren Produkten. Ein Beispiel dafür ist der Boom des E-Commerce und der Essens-Kurier-Industrie, der den Bedarf nach bio-abbaubaren Polymeren wachsen lässt.
Zum anderen resultiert die Industriepolitik der Regierung, die China von der „Werkbank der Welt” zu einem globalen Player in Sachen Hochtechnologie machen will, in neuen Anforderungen an die chemische Industrie. Beispiele sind hier die staatliche Förderung von Elektroautos oder auch der chinesischen Halbleiterindustrie.
Die Richtlinien für die Petrochemie und Chemie sagen diesmal folgerichtig eine besonders intensive Förderung von „neuen Materialien” voraus. „Während des 14. Fünfjahresplanes ist es nötig, bei dringend benötigten neuen Materialien in Schlüsselanwendungsbereichen den Durchbruch zu schaffen”, heißt das in der Sprache der Bürokraten.
Der Handelskrieg mit den USA und in jüngster Zeit auch die in der Coronakrise schmerzhaft deutlich gewordene relative Unsicherheit globaler Lieferketten hat sich ebenfalls in den Richtlinien niedergeschlagen. Mehrfach wird die „Selbstversorgung” Chinas mit wichtigen Chemikalien als Ziel genannt, etwa bei „speziellen technischen Kunststoffen wie PEEN, PEN, PCT, Spezial-Nylon und biobasiertem Nylon”. Hier sei China noch „blank”, heißt es wörtlich.
In der traditionellen chemischen Industrie dagegen sei schon fast überall eine „ führende Position auf dem Weltmarkt erreicht”, mit Ausnahme von Kalidünger, von dem noch immer fast die Hälfte nach China importiert werden müsse, sagen die Richtlinien.
Entsprechend betont das Dokument im Bereich traditionelle Chemie erneut das Ziel einer umweltfreundlicheren Produktion, beispielsweise die Prävention von Quecksilberverschmutzungen in der Chlor-Alkali-Industrie. Die Pestizidindustrie müsse mehr „freundliche und innovative Düngemittel” produzieren, heißt es.
Stand: 08.12.2025
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Dass Peking den Umweltschutz weiterhin sehr ernst nimmt, davon auch trotz Corona nicht ablässt, zeigt sich an der Forderung nach einer weiteren Standardisierung chemischer Industrieparks und strengeren Auflagen für gefährliche Chemikalien.
Insgesamt machen die Richtlinie deutlich, dass sich die bereits begonnene, grundlegende Transformation der chemischen und petrochemischen Industrie auch zwischen 2021 und 2025 rapide fortsetzen wird. Ausländische Unternehmen in China werden ihre Strategien den genannten Trends anpassen müssen, wenn sie auf dem global wichtigsten Wachstumsmarkt der chemischen Industrie nachhaltig erfolgreich sein wollen.
* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking.. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.