Chinas Chemieindustrie setzt weiterhin massiv auf den Bau neuer Verbundstandorte. Die Strategie, die international allmählich etwas außer Mode kommt, dominiert in der Volksrepublik weiterhin die Entscheidungen der großen Chemiekonzerne, berichtete PROCESS (China) in einer aktuellen Analyse.
Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet PROCESS regelmäßig über den chinesischen Chemie- und Pharmamarkt.
Peking/China – Im 14. Fünf-Jahresplan der kommunistischen Führung in Peking sei der Trend zur weiteren Konsolidierung von Betrieben und Konzentration von Kapazitäten vor allem in der petrochemischen Industrie deutlich, schreibt die chinesische Chemiezeitung Zhongguo Huagong Xinxi Zhoukan. Eine „Reihe großvolumiger Raffinerie- und Chemie-Integrationsprojekte wird in Betrieb genommen,“ schreibt das Blatt. In den kommenden drei Jahren allein sollen neue Kapazitäten von insgesamt 100 Millionen Jahrestonnen geschaffen werden.
Einer der größten neuen Verbundstandorte wird das gerade in Bau befindliche PTA-Projekt von Hengli Petrochemical in Huizhou sein. Wenn alles nach Plan geht, soll es in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres mit der Produktion beginnen, berichtet PROCESS in Peking. Zwei Fertigungslinien mit einer Kapazität von jeweils 2,5 Millionen Jahrestonnen werden dann die PTA-Produktion der Hengli-Gruppe auf insgesamt 12 Millionen Jahrestonnen erhöhen.
Der chinesische Großkonzern folgt damit dem Ruf der örtlichen Behörden und der Pekinger Zentrale, der die Schaffung eines „industriellen Clusters aus Petrochemie und der Herstellung neuer Materialien mit einer Wertschöpfung von Billionen chinesischer Yuan“ propagiert, heißt es in der Analyse.
Der Standort „Huizhou Daya Bay“, von dem hier die Rede ist, ist schon für sich allein genommen ein gutes Beispiel für den Trend zu immer mehr und immer größeren Verbundstandorten in China. Sowohl Shell als auch der chinesische Staatskonzern CNOOC haben hier in „mehrere große, integrierte Projekte“ investiert. Ölraffinerie mit einem Volumen von 22 Millionen Jahrestonnen und Ethylen-Erzeugung von 2,2 Millionen Jahrestonnen sind schon jetzt vorhanden – noch während sich die Baukräne über dem neuen Megaprojekt von Hengli drehen.
Verbundstandorte sorgen für profitablere Produktion
Auch in der chinesischen Küstenprovinz Fujian wachsen neue Verbundstandorte aus der Erde wie Bambussprossen im Frühlingsregen. Am 28. Mai hat die Startup-Phase für ein neues Raffinerie- und Ethylen-Verbundprojekt von „Fujian Gulei“ am Standort Zhangzhou begonnen. Insgesamt entstehen dort gerade Kapazitäten zur Raffinerie von 16 Millionen Tonnen Öl pro Jahr und zur Produktion von 1,2 Millionen Tonnen Ethylen, 3,2 Millionen Jahrestonnen Aromaten, 600.000 Jahrestonnen Caprolactam und diverse nachgeordnete Wertschöpfungsketten.
Analysten sind sich einig, dass die Strategie „je größer, desto besser“ in der chemischen Industrie generell sinnvoll ist, wo es häufig Schleifen in den Materialflüssen gibt. In chemischen Fertigungsketten sind Produktionsströme häufig stark verzahnt, und Verbundstandorte ermöglichen so durch geringeren Lager- und Transportaufwand eine profitablere Produktion. Nichts ist kostengünstiger, als den Feedstock direkt nach seiner Erzeugung durch eine Pipeline anliefern zu können.
Allerdings birgt diese Strategie auch Risiken, die auch im Zuge der Coronakrise erneut zutage getreten sind. Kommt es zu Engpässen bei einzelnen Stoffen, sind die hochkomplexen Lieferketten von Verbundstandorten noch störungsanfälliger als Einzelproduktionen. Auch entstehen durch solche Riesenanlagen oft nationale Überkapazitäten, die dann alle anderen Argumente ad absurdum führen. Spezialisierung und Digitalisierung in der internationalen Chemieindustrie als die Trends der Zukunft – und weniger der Bau neuer Megaprojekte.
Anders in China, beispielsweise auch am Standort Lianyungang in der Ostprovinz Jiangsu. Mit einer Investition von 77,5 Milliarden Yuan (knapp zehn Milliarden Euro) baut dort „Shenghong Refining & Chemical“ einen weitere Mega-Verbund für 16 Millionen Jahrestonnen Öl, 1,1 Millionen Tonnen Ethylen und nachgeordneter Produktketten, zeigt der Überblick von PROCESS (China).
Der ist allerdings noch klein im Vergleich zu dem neuen Verbund-Projekt von „Zhejiang Petrochemical“, das im Jahr 2022 fertig werden soll. 20 Millionen Tonnen Öl-Raffinerie und vier Millionen Tonnen P-Xylen sollen dort bald pro Jahr produziert werden, neben Olefinen, Polypropylen, Polyethylen und vielen anderen Produkten aus der Ethylen- und Paraxylen-Chemie.
Weitere neue integrierte Chemiestandorte mit vergleichbarem Volumen werden in den Provinzen Guangdong und Guangxi sowie auf der chinesischen Südinsel Hainan entstehen. Insgesamt werde Chinas Ethylen-Kapazität in großen Verbundstandorten innerhalb der nächsten fünf Jahre um 23,83 Millionen Jahrestonnen erweitert werden, resümiert die Chemiezeitung.
Stand: 08.12.2025
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* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.