Bier und Kläranlagen sind in klarer Linie, in der Bierproduktion und -konsum vor der Kläranlage stehen. Diese Linie könnte zu einem Kreis geschlossen werden. Xylem, die Berliner Wasserbetriebe und das Kompetenzzentrum Wasser Berlin zeigen hundertprozentiges Wasserrecycling auf der IWA Water Reuse 2019. Dabei brauen sie Bier aus aufbereitetem Abwasser.
Frisch aus aufbereitetem Abwasser gebrautes Re-Use Bier zeigt die Möglichkeiten der modernen Wassertechnologie.
(Bild: Xylem)
Berlin – Abwasser wiederverwenden: Mit moderner Technologie sei das selbst dann wirtschaftlich und effizient möglich, wenn das Abwasser aus dem Klärwerk kommt. Das will das Wassertechnologie-Unternehmen Xylem zusammen mit den Berliner Wasserbetrieben und dem Kompetenzzentrum Wasser Berlin beweisen. Passend zur zwölften in Berlin stattfindenden „IWA International Conference on Water Reclamation and Reuse“ stellen die Unternehmen ein eigenes gebrautes Bier mit Namen „Reuse Brew“ vor. Es besteht aus Hopfen und Gerstenmalz – und gereinigtem Abwasser.
„Die Wasserqualität ist der Maßstab, nicht seine Geschichte“, sagt Jens Scheideler, Global Reuse Manager bei Xylem und Mitinitiator des Projekts. Bei Pilotprojekten in den USA habe sein Unternehmen bereits Erfahrungen mit dem ‚Re-Use Bier‘ gesammelt. Dafür werde das Wasser mehrstufig gereinigt und erreiche am Ende des Prozesses die Qualität und Sicherheit von Trinkwasser, so Scheideler.
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Mit dem Bier machen die beteiligten Partner auf ein ernstes Thema aufmerksam: Obwohl große Teile Europas und insbesondere Deutschland als wasserreich gelten, hat insbesondere die Trockenheit 2018 gezeigt, dass auch unsere Regionen von Auswirkungen des Klimawandels betroffen sein können und die lokale Nutzung der Ressource Abwasser eine Entlastung für unsere Grundwasservorkommen und Stauseen bedeuten kann.
„Mit dem Berliner Reuse Brew wollen wir aufzeigen, dass die technischen Möglichkeiten, Abwasser qualitativ einwandfrei aufzubereiten, fast grenzenlos sind“, sagt Dr. Ulf Miehe vom Kompetenzzentrum Wasser Berlin. „Mit dem Ausbau unserer Kläranlagen um weitere Reinigungsstufen wollen wir in Berlin mit neuen innovativen Technologien die Abwasserreinigung auf ein nächstes Level heben“, sagt Regina Gnirß, Forschungschefin der Berliner Wasserbetriebe und ergänzt: „In Berlin werden wir jedoch auch künftig unser Trinkwasser mit naturnahen Verfahren aus Grundwasser nachhaltig gewinnen, denn auch die Natur hat immense Reinigungskraft. Wasserwiederverwendung in der Landschaft – da ist man sich in Berlin einig – kann gerade auch in Trockenzeiten den regionalen Wasserhaushalt stützen.“
Die Wasserreinigung im Detail
In den Klärwerken Deutschlands gibt es drei, manchmal bis zu vier Reinigungsstufen, die das Abwasser durchläuft. Um Medikamentenrückstände oder Spurenstoffe zu entfernen, kommt die sogenannte vierte Reinigungsstufe zum Einsatz: Hierbei haben sich insbesondere Ozon und Aktivkohle als Verfahren etabliert, und Xylem bietet diese beiden Verfahren als integrierte Lösung an. Im Oxelia Prozess werden Chemikalien und Medikamentenrückstände durch Ozon oxidiert sowie Viren und Bakterien abgetötet. Im nachgeschalteten biologisch aktivierten Aktivkohlefilter werden die vom Ozon oxidierten Stoffe noch weiter von Mikroorganismen entfernt. Das Wasser sei danach so gereinigt, dass es bedenkenlos in Flüsse und Seen direkt eingeleitet werden kann.
Um Trinkwasserqualität zu erreichen, wird nach dem Oxelia-Verfahren das Wasser durch einen weiteren Aktivkohlefilter geführt, welcher Stoffe adsorbiert, die nicht durch das Ozon oder Mikroorganismen reduziert werden konnten.
Im vorletzten Schritt findet eine Umkehrosmose (RO für Reverse Osmosis) statt: Hierbei wird eine Membran verwendet, die nahezu nur Wassermoleküle durchlässt. Bereits jetzt sei das Wasser hochgradig rein und enthalte, wenn überhaupt, nur noch geringe Spuren von Industriechemikalien oder pathogenen Keimen.
Um allerhöchste Qualität und Verbrauchersicherheit zu gewährleisten, durchläuft das Wasser noch eine finale Aufbereitungsstufe: den Mipro-Prozess mit UV-Licht und Wasserstoffperoxid. Diese UV-Oxidation bringe das Wasser auf die höchstmögliche Reinheitsstufe. Weitere 99,9999 Prozent aller noch eventuell vorhanden Viren und Keime werden deaktiviert und sämtliche Industriechemikalien und andere Schadstoffe um weitere 90 bis 99 % reduziert, so Xylem. Das Wasser sei nun so rein, dass es die Qualität vieler Tafelwasser sogar übertrifft und ist damit auch in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie einsetzbar.
„Unser Reuse Brew ist nach allen Regeln der deutschen Braukunst gebraut und enthält neben recyceltem Wasser die besten Zutaten, die ein Craftbier benötigt“, sagt Jan-Karl Nielebock, Applikationsmanager Food und Beverage und Diplom-Brauingenieur. Xylem will mit dem Bier weltweit ein Zeichen setzen und zeigen, dass dank Technologien wie UV- und Ozonanlagen aus Abwasser reines Wasser in Trinkwasserqualität entstehen kann. Auch mit Regenwasser als eine Zutat für Bier hat das Unternehmen bereits Erfahrungen gesammelt. Gemeinsam mit der Fußballmannschaft Manchester City wurde eigens zur errungenen Meisterschaft in der englischen Premier League kürzlich das Bier „Raining Champions – Rainwater Brew“ vorgestellt.
Stand: 08.12.2025
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