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Betriebssicherheitsverordnung 2015: So nutzen Betreiber die neue Eigenverantwortung

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Stillstände und Revisionen optimal nutzen

Allerdings bieten sich durch das neue Regelwerk auch Chancen: Erstmals haben Betreiber von Prozessanlagen die Möglichkeit, selbst ein Prüfkonzept für Revisionen und Anlagenstillstände zu erstellen. So kann, wer Betriebsbedingungen wie Temperatur, Druck, Medium, Werkstoffen oder der Korrosionsanfälligkeit berücksichtigt, unter Umständen auf Festigkeitsprüfungen oder Inaugenscheinnahme der inneren Wandungen von Rohrleitungen und Apparaten verzichten.

Ergänzendes zum Thema
Personelle Voraussetzungen
Fachkundig oder befähigt?

Neben den „zur Prüfung befähigten Personen“, die sich auch in der Neufassung der Betriebssicherheitsverordnung finden (§2 Absatz 6), fordert das neue Regelwerk den Einsatz „fachkundiger“ Personen. Auf diese Weise sollen Anlagenbetreiber mehr Eigenverantwortung, aber auch klarere Spielregeln zur Aus- und Weiterbildung ihrer Spezialisten an die Hand bekommen. Fachkundig im Sinne des Regelwerks ist dabei, wer über das nötige Spezialwissen für bestimmte, in der Verordnung festgelegte, sicherheitsrelevante Tätigkeiten verfügt.

Der Nachweis dieser Fachkunde kann durch eine entsprechende Aus- oder Weiterbildung, Berufserfahrung oder eine entsprechende Tätigkeit erbracht werden. Auf diese Weise, so hoffen die Autoren, haben Betreiber erstmals eine praxistaugliche Definition der Fachkunde, die im Streitfall auch belastbar ist. Dabei ist dieses Konzept Person nicht neu: Bereits das Arbeitsschutzgesetz setzt Fachkunde in einigen Abschnitten voraus, ohne diese jedoch näher zu definieren. Die Betriebssicherheitsverordnung von 2015 geht jedoch noch entscheidenden einen Schritt weiter: Im Zusammenhang mit der Gefährdungsbeurteilung (§3 Absatz 3) im Zuge von Instandhaltungsarbeiten oder bei abgeschalteten Schutzeinrichtungen (§11) bekommen Fachleute eine neue Autorität – was Betreibern und Personal ganz neue Möglichkeiten der Planung an die Hand gibt, sie aber auch deutlich stärker in die Verantwortung nimmt als bisher.

Auf diese Weise können die regelmäßigen Prüfungen durchgeführt werden, ohne dass Behälter geöffnet oder Anlagen abgefahren werden müssten, erklären die TÜV-Spezialisten. Wer das Korrosions-, Verschmutzungs- oder Abnutzungsverhalten von Anlagenteilen oder Komponenten berechnen kann und nichtinvasive Prüfmethoden nutzt, kann so erhebliche Aufwände sparen.

Derartige Prüfkonzepte können Betreiber mit einem entsprechenden Fachkundenachweis selbst erstellen und durch die ZÜS (Zugelassene Überwachungsstelle) abnehmen lassen, erklärte Eckart Grote, Technischer Leiter der ZÜS für Druckgeräte beim TÜV Nord. Das wichtigste Kriterium dabei sei eine „sicherheitstechnisch gleichwertige Aussage“, das heißt, dass die so gewonnenen Erkenntnisse einen ebenso sicheren Betrieb zulassen wie die individuelle Prüfung.

Einer für Alle? Die neue Betriebssicherheitsverordnung ma

cht's möglich

Zusätzlich ermöglicht ein Prüfkonzept, Anlagenteile zusammenzufassen, so dass nur jeweils eine Komponente geprüft werden muss. Dabei gewonnene Ergebnisse lassen sich unter Umständen auch auf andere Komponenten gleicher Art und Beanspruchung übertragen, wie Grote erläutert: „Wenn beispielsweise Druckgeräte derselben Bauart bereits ohne Mängel geprüft wurden und weitere Druckgeräte dieser Art in der Anlage unter den gleichen Bedingungen betrieben werden, muss möglicherweise nicht mehr jedes einzelne Gerät bei der Prüfung außer Betrieb genommen werden.

So können Rüstkosten, wie die Entleerung, Gasfreimessung, Reinigung und Einrüstung eingespart und vertiefende Kenntnisse über die Anlage im Rahmen der Prüfkonzepterstellung erlangt werden.“ Prüfergebnisse einer kompletten Anlage auf eine andere, baugleiche, zu übertragen ist jedoch auch unter der neu gefassten Betriebssicherheitsverordnung nicht möglich.

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