Die schweren Zeiten in der Chemiebranche halten an. BASF-Chef Markus Kamieth sieht keine schnelle Erholung und erwartet erneut ein Übergangsjahr. Das bekommen auch die Beschäftigten zu spüren.
Für das Stammwerk in Ludwigshafen, das mit geringer Auslastung kämpft, kündigte BASF-Vorstandschef Kamieth keine weiteren größeren Schließungen von Anlagen an.
(Bild: BASF)
Investitionen gedrosselt, Tausende Jobs abgebaut: Der weltgrößte Chemiekonzern BASF drückt bei seinem Sparkurs aufs Tempo. Der Kostendruck in der Chemieindustrie gerade in Deutschland sei hoch, sagte Vorstandschef Markus Kamieth in Ludwigshafen. Der Dax-Konzern werde deshalb auch in den nächsten Jahren konsequent daran arbeiten, die Produktivität zu verbessern, effizienter zu werden und beim Personal zu sparen.
Der Chemieriese konnte bis Ende vergangenen Jahres eine jährliche Kostensenkung von rund 1,7 Milliarden Euro erreichen. Das avisierte Ziel werde damit um 100 Millionen Euro übertroffen, berichtete Finanzvorstand Dirk Elvermann.
Seinen Sparkurs will der Dax-Konzern weiter verschärfen: Bis Ende des laufenden Jahres peile der Konzern nun jährliche Kosteneinsparungen von 2,3 Milliarden statt ursprünglich geplant 2,1 Milliarden Euro an, kündigte der Manager an. Elvermann bezifferte die Einmalkosten auf 1,9 Milliarden Euro.
Als Teil seiner Sparprogramme baut der Chemiekonzern Tausende Jobs ab: Rund 4800 Beschäftigte hätten das Unternehmen zwischen Ende 2023 und Ende 2025 verlassen, teilte der Manager mit. Etwa die Hälfte davon entfallen laut BASF auf Deutschland. Die Zahl der Führungskräfte sei um elf Prozent gesunken. Ende 2025 beschäftigte BASF damit noch knapp 108.300 Mitarbeiter weltweit.
Zudem sollen die Investitionen nach Angaben des Finanzchefs deutlich sinken: Für die BASF-Gruppe seien Sachinvestitionen von 13 Milliarden Euro von 2026 bis 2029 geplant – 20 % weniger als ursprünglich anvisiert.
Stammwerk Ludwigshafen als Sorgenkind
BASF kämpft mit Kostendruck, Überkapazitäten am Weltmarkt, hohen Energiepreisen und einer zu geringen Auslastung am Stammwerk. Für das Stammwerk in Ludwigshafen, das mit geringer Auslastung kämpft, kündigte Vorstandschef Kamieth keine weiteren größeren Schließungen von Anlagen an. Der bereits angekündigte Mitarbeiterabbau werde sich aber 2026 und im Jahr darauf fortsetzen.
Am Unternehmenssitz arbeiten mit etwa 33.000 Menschen etwa ein Drittel der weltweiten BASF-Beschäftigten. Zuletzt erzielten Management und Arbeitnehmervertreter eine Vereinbarung, die betriebsbedingte Kündigungen in Ludwigshafen bis Ende 2028 ausschließt.
Kamieth äußerte sich zufrieden mit den Fortschritten beim Kostensenken. BASF sei deutlich schlanker geworden. Allerdings habe die chemische Industrie weltweit mit heftigem Gegenwind zu kämpfen.
Auch im laufenden Jahr rechnet der Manager nicht mit einer kurzfristigen Erholung. 2026 werde voraussichtlich ein weiteres Übergangsjahr.
Auch beim neuen Verbundstandort im südchinesischen Zhanjiang, der mit Investitionen von 8,7 Milliarden Euro jüngst in Betrieb genommen wurde, rechnet Kamieth mit Anlaufzeit: Im ersten Betriebsjahr werde ein leicht negativer Ergebnisbeitrag erwartet. Dies liege vor allem an den Kosten für das Anfahren. Ab 2027 werde dann mit einem positiven Beitrag gerechnet. Rund 1000 Menschen wurden laut BASF am neuen Standort in China eingestellt.
Der BASF-Chef verteidigte die Pläne des Managements zum Verkauf von 4400 Wohnungen im Besitz des Unternehmens. Er könne nachvollziehen, dass diese Nachricht viele Leute rund um Ludwigshafen verunsichert habe. BASF werde aber vom künftigen Käufer Zugeständnisse und Garantien erwarten, der sozialen Verantwortung für die derzeitigen Mieter gerecht zu werden.
Scharfe Kritik an geplantem Wohnungsverkauf
Über die erwarteten Einnahmen bei dem Immobiliengeschäft machte der Manager keine Angaben. Es gehe aber um Geld, das im Unternehmen an anderer Stelle gut gebraucht werden könne. Für die Ankündigung über den Verkauf der Wohnungen hatte es scharfe Kritik von Gewerkschaften und Landespolitik gegeben.
Als Ziel für das laufende Jahr nimmt sich BASF ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie Sondereinflüssen zwischen 6,2 Milliarden und 7,0 Milliarden Euro vor. Im abgelaufenen Geschäftsjahr war dieser Wert zum Vorjahr um 686 Millionen Euro auf 6,6 Milliarden Euro zurückgegangen.
Der Umsatz bei BASF schrumpfte 2025 um knapp drei Prozent im Jahresvergleich auf knapp 59,7 Milliarden Euro. Unterm Strich stieg der auf die Aktionäre entfallende Gewinn von 1,3 Milliarden auf 1,6 Milliarden Euro. Die Dividende für die Aktionäre soll unverändert bei 2,25 Euro je Anteil liegen.
Stand: 08.12.2025
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Neben einem Sonderertrag aus dem Verkauf des Geschäfts mit Baufarben an den US-Konzern Sherwin-Williams profitierte BASF vor allem von einer Zahlung des Bundes aus Staatsgarantien für frühere Russlandaktivitäten der Tochter Wintershall DEA. 2025 erhielt BASF laut dem Finanzchef Elvermann rund 900 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2026 sollen noch weitere rund 800 Millionen Euro fließen.