Biofuels und alternative Energien

Aus Stroh mach Sprit: Clariant packt die Sonne in den Tank

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Plastik dank Sonnenlicht also – tatsächlich rechnet auch in Muttenz niemand damit, dass Clariant in Zukunft groß ins Biosprit-Geschäft einsteigen wird. Zwar hat die Firma beschlossen, Biofuels in einer neuen Geschäftslinie als Teil des Geschäftsbereichs Catalysis zu etablieren, die rumänische Vorzeigefertigung soll jedoch vor allem die Leistungsfähigkeit des Verfahrens demonstrieren und klarmachen, welches Potenzial die Firma in Sunliquid sieht. Das lässt sich die Unternehmenszentrale etwa 100 Millionen Euro kosten – auch ein Beweis für das viel zitierte „commitment“ in die neue Technologie.

Wird Clariant zum Biosprit-Hersteller?

Dass soll auch potenzielle Kunden überzeugen – in Zukunft will Clariant Sunliquid nämlich als Technologie-Paket auf den Markt bringen. Vom Enzym bis zur Anlagenkonzeption reicht das Angebot – wobei keine Anlage exakt der anderen gleichen soll. Für jeden Kunden und jeden Rohstoff würden individuell die passenden Enzyme und Hefestämme ausgewählt, um eine optimale Umsetzung zu garantieren, erklären die Entwickler.

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Ob Weizenstroh, Hackschnitzel oder Laub – die Entwickler in Planegg versprechen, für jedes Material die optimale Kombination aus Mikroorganismen und Prozessführung zu finden. Mit einer Lösung von der Stange müsse sich also niemand zufrieden geben. „Unser Geschäft ist es, am Ende des Tages Enzyme zu verkaufen – und die sind Katalysatoren“, so Rarbach.

Eine erste Partner-Anlage mit Sunliquid-Technologie wird derzeit in der Slowakei gebaut. Dort plant Enviral, der größte Hersteller von Bioethanol des Landes, Sunliquid in Lizenz für eine 50.000-Tonnen- Produktion (entsprechend 16,7 Millionen Gallonen oder 63,4 Millionen Liter) am bestehenden Standort Leopoldov einzusetzen. In der Anlage sollen die Sunliquid-Technologie sowie Starterkulturen von Clariants eigenen Enzym- und Hefeplattformen zum Einsatz kommen, um aus Envirals Rohstoffen Zellulose-Ethanol herzustellen.

Lohnt sich das? Welche Zukunft hat Ethanol und Bioplastik?

„Dieser Schritt ist die logische Folge von Clariants erfolgreicher Innovationsstrategie und ermöglicht zusätzliches Wachstum über das aktuell starke Portfolio von Clariant hinaus. Zellulose-Ethanol verfügt über ein erhebliches Potenzial zur Reduzierung von Treibhausgas-Emissionen, “ kommentierte Christian Kohlpaintner, Mitglied des Executive Committee von Clariant, die Vertragsunterzeichnung 2017.

Markus Rarbach, Leiter Start-up Business Project Biofuels & Derivatives (Clariant), und Andre Koltermann, Leiter Group Biotechnology (Clariant), nahmen von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und Holger Lösch, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung, den Deutschen Innovationspreis für Klima und Umwelt in der Kategorie Prozessinnovation entgegen.
Markus Rarbach, Leiter Start-up Business Project Biofuels & Derivatives (Clariant), und Andre Koltermann, Leiter Group Biotechnology (Clariant), nahmen von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und Holger Lösch, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung, den Deutschen Innovationspreis für Klima und Umwelt in der Kategorie Prozessinnovation entgegen.
(Bild: Clariant)

Natürlich ist Ethanol derzeit noch teurer als ölbasierte Kraftstoffe – doch könnten die ehrgeizigen Klimaschutzziele, die sich die Staaten der Welt gegeben haben, anders unter Umständen nicht zu erreichen sein. Und natürlich sollte auch der Boom von Shale-Öl und -Gas sowie die Entdeckung neuer Tiefsee-Felder nicht darüber hinweg täuschen, dass Erdöl eine endliche Ressource ist. Wer im Rennen um die Zukunft gut aufgestellt sein will, braucht den richtigen Technologie-Turbo – oder einfach die Sonne im Tank.

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