Erneuerbare Rohstoffe Anreize statt Restriktionen: RCI fordert Paradigmenwechsel bei der Defossilierung

Quelle: Nova-Institut 3 min Lesedauer

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Die Renewable Carbon Initiative fordert bessere politische Anreize und gesetzliche Unterstützung für den Wechsel zu erneuerbarem Kohlenstoff. Statt restriktiver Maßnahmen empfehlen die Mitglieder einen Strategiewechsel hin zu einer anreizbasierten Politik.

Die Mitglieder der RCI fordern die Politik auf, geeignete gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, um den Einsatz erneuerbarer Rohstoffe über Kraftstoffe hinaus zu fördern.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Die Mitglieder der RCI fordern die Politik auf, geeignete gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, um den Einsatz erneuerbarer Rohstoffe über Kraftstoffe hinaus zu fördern.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Die europäische Chemie- und Werkstoffindustrie steht vor bedeutenden Herausforderungen, darunter hohe Energie- und Rohstoffpreise sowie die Notwendigkeit, den Kohlenstoffbedarf zu defossilisieren, um die CO2-Emissionsziele, insbesondere die Scope 3-Emissionsziele, zu erreichen. Vor diesem Hintergrund fordern die Mitglieder der Renewable Carbon Initiative (RCI) politische Anreize, um den Wechsel von fossilen zu erneuerbaren Rohstoffen zu fördern und betonen die Notwendigkeit gesetzlicher Rahmenbedingungen, die den Einsatz erneuerbarer Rohstoffe unterstützen. Um die Transformation voranzutreiben, muss nach Ansicht des Netzwerks der Einsatz nicht-fossiler Rohstoffe für Hersteller und Verbraucher attraktiver werden.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die EU vor allem mit restriktiven Maßnahmen wie der REACH-Verordnung und der Richtlinie über Einwegkunststoffe in den Sektor eingreift, anstatt eine anreizorientierte Politik zu verfolgen, die den Übergang zu erneuerbarem Kohlenstoff fördern könnte. Das Netzwerk schlägt vor, den politischen Ansatz zu ändern, um den Einsatz neuer Technologien und Lösungen zu ermöglichen und von einschränkenden Vorschriften zu einem ermöglichenden Rahmen überzugehen. Dies könnte den Übergang zu erneuerbarem Kohlenstoff erheblich beschleunigen, ähnlich wie es derzeit in den USA der Fall ist, wo die Kohlenstoffabscheidung und biobasierte Kunststoffe eindeutig durch Vorschriften unterstützt werden. Die Renewable Carbon Initiative ist der Ansicht, dass der derzeitige politische Ansatz, der sich eher auf die Beschränkung unerwünschter oder unerprobter Technologien konzentriert, strukturell verändert werden sollte, um neue Technologien und Lösungen für die chemische Industrie zu ermöglichen. Ein Wechsel von einschränkenden Regulierungen hin zu ermöglichenden Rahmenbedingungen ist notwendig.

Die Mitglieder der Initiative betonen die Stärken Europas, wie das Bildungsangebot, die kulturelle Vielfalt und die fortschrittliche Infrastruktur, warnen jedoch davor, dass Europa im globalen Wettbewerb zurückfallen könnte, wenn nicht schnell gehandelt wird. Die richtigen Anreize könnten den Wandel beschleunigen und die Unterstützung von Industrie und Bevölkerung für nachhaltigere Lösungen mobilisieren.

Zur Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die europäische Chemie- und Werkstoffindustrie identifizieren die RCI-Mitglieder mehrere konkrete Maßnahmen. Ein Vorschlag vieler RCI-Mitglieder sind Mindestquoten für den Anteil an erneuerbarem Kohlenstoff in verschiedenen Anwendungsbereichen, d.h. kombinierte oder getrennte Quoten für den Recycling-, den bio-basierten und den CO2-basierten Anteil. „Solche Quoten wurden und werden erfolgreich in der Renewable Energy Directive (RED) für den Bereich nachhaltiger Kraftstoffe eingesetzt – eine Ausweitung dieses Konzepts auf Chemikalien und Materialien könnte auch diesem Sektor zugutekommen“, heißt es in einer Stellungnahme. Die Schaffung einer Nachfrage nach erneuerbarem Kohlenstoff durch politische Rahmenbedingungen werde zu schnellen Investitionen und einer verbesserten Produktion führen.

Andere Vorschläge fordern einen geeigneten Kohlenstoffbuchhaltungsmechanismus, einen CO2-Grenzausgleich und einen überprüfbaren Nachweis der nachhaltigen Produktion, die alle einen relevanten Unterschied gegenüber fossilen Produkten, insbesondere Importen, ausmachen. Die erweiterte Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility, EPR) könne eine weitere Möglichkeit sein, den Übergang zu erneuerbarem Kohlenstoff zu unterstützen, insbesondere wenn Scope 3-Emissionen in die CO2-Emissionen einbezogen werden.

Die derzeitigen Bewertungsmethoden und Beschränkungen für die Nutzung nachhaltiger Kohlenstoffquellen sind laut RCI ein weiteres wesentliches Hindernis für das Erreichen der erforderlichen Mengen. Bei der Biomasse sei es die mangelnde Akzeptanz von Nahrungs- und Futtermittelpflanzen als nachhaltige Option, bei CCU die Fokussierung auf biogene Punktquellen und die nur langsam entstehende Anerkennung als strategische Schlüsseltechnologie für eine Netto-Null-Bilanz und beim Recycling die langsame Akzeptanz des chemischen Recyclings als Schlüsseltechnologie zur Ergänzung des mechanischen Recyclings.

„Nur durch die Kombination der drei Säulen Food- und Non-Food-Biomasse, CCU aus biogenen und fossilen Reststoffen sowie werkstoffliches und chemisches Recycling kann der Kohlenstoffkreislauf vollständig geschlossen werden“, so die RCI-Mitglieder. Für alle Produktionsbereiche sei die Versorgung mit grüner Energie zu (industriell) leistbaren und (international) wettbewerbsfähigen Preisen entscheidend. Um das zu ermöglichen, fordern die Mitglieder einen massiven Ausbau von Solar- und Windenergie sowie von grünem Wasserstoff.

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