Historie Anlagenbau Anlagenbau gestern und heute: Was hat sich verändert?
In der Mitarbeiterzeitung „BASF information“ sprachen Dr. Stefan Deibel, heutiger Leiter der Einheit Corporate Engineering (GI), und Diethard Francke, ein früherer Leiter, über die Veränderungen im Anlagenbau der BASF.
Anbieter zum Thema
Herr Deibel, wenn Sie auf 100 Jahre zentralen Anlagenbau zurückblicken: Welche Meisterleistungen der Ingenieurkunst in der BASF fallen Ihnen spontan ein?
Deibel: Sicherlich war die großtechnische Umsetzung des Ammoniakverfahrens nach Haber-Bosch die erste Meisterleistung. Unsere Ingenieure leisteten Pionierarbeit in der Hochdrucktechnik und Materialforschung. Darüber hinaus hatten wir schon immer eine besondere Kompetenz, komplette Chemiewerke zu bauen und anzufahren; sei es in Oppau, Leuna, Antwerpen oder 2005 in Nanjing.
Herr Francke, Sie standen von 1985 bis 1995 dem Bereich Corporate Engineering vor. Was war zu dieser Zeit anders als heute?
Francke: Als ich die Leitung von ZI übernahm, hatten wir nicht überall ein gutes Image. Wir galten als überteuerte Spezialeinheit. Bürokratie und Hierarchie kosteten Effizienz. Zusätzlich gab es interne Reibungsverluste, weil die Mitarbeiter über zahllose Gebäude in Ludwigshafen, Oppau und sogar Mannheim verstreut waren. Vor allem steckte die EDV noch in den Kinderschuhen.
Sie haben dann einige große Veränderungen auf den Weg gebracht.
Francke: Wir nutzten die Zeit, um den Wandel in der Technologie vorzubereiten. Das gilt besonders für die EDV. Auch entstand folgerichtig das Ingenieurgebäude in Q 920, in dem all die versprengten Einheiten zusammengeführt wurden. Das erlaubte uns Synergien zu nutzen, schneller und effizienter zu werden. Wegen der stark schwankenden Investitionslage haben wir außerdem gelernt, Ingenieurleistungen in großem Umfang ohne Know-how-Verlust extern zu vergeben.
Die Komplexität der Projekte hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Wie haben Sie das bewältigt?
Deibel: Einfache Planungstätigkeiten sind heute durch Einsatz von EDV und Standardisierung der Abläufe effizienter und können an externe Partner vergeben werden. Dadurch können wir uns auf die Ausarbeitung überlegener Konzepte und deren Umsetzung konzentrieren. Dafür stellen wir Personal – vornehmlich Spezialisten – ein und wachsen. Am Auftrag von Corporate Engineering, dem Bau chemischer Anlagen, hat sich seit 100 Jahren nichts verändert.
Hat sich der Ingenieur als Mensch verändert?
Deibel: Die Ingenieure sind heute sicher mindestens ebenso motiviert und engagiert wie vor hundert Jahren. Insgesamt ist das Klima nicht mehr so hierarchisch geprägt. Das erfordert noch mehr Verantwortung für den Einzelnen und mehr Fähigkeit zum Miteinander als früher. Damals musste jedes Stück Papier vom Abteilungsleiter abgezeichnet werden.
Francke: Entgegen einer weit verbreiteten Meinung sind wir selbst bei den Diplom-Ingenieuren schon lange keine Männerdomäne mehr. Schon in den 80er Jahren haben wir viele Diplom-Ingenieurinnen eingestellt.
Sind auch die Aufgaben im Anlagenbau noch dieselben wie vor hundert Jahren?
Deibel: Die Anlage von heute unterscheidet sich von der vor hundert Jahren im Wesentlichen durch den Einsatz neuer Werkstoffe und Elektronik. Oftmals wurde ein Technologiesprung erst dadurch möglich. Die Aufgabe, eine Produktionsanlage zu bauen, ist im Prinzip die gleiche wie vor hundert Jahren, nur haben wir auch neue Werkzeuge und Methoden, die die Planungsabläufe verbessern. Das Projektmanagement ist klarer und deutlicher auf das Projekt ausgerichtet. Durch die vielen Auflagen und Vorschriften ist leider der Zwang zur formalen Dokumentation erheblich gewachsen.
Francke: Einen großen Einfluss auf die Arbeit der Ingenieure hatte auch die Umstellung vom sogenannten Batch-Verfahren, bei dem Charge für Charge produziert wurde, hin zur kontinuierlichen Produktion.
Ein Blick nach vorn: Wie wird sich GI in der Zukunft entwickeln?
Deibel: Wir werden weiter an den Werkzeugen, Methoden und der Standardisierung der Abläufe arbeiten, wir werden mit internationalen Anlagebaufirmen in langfristigen Partnerschaften kooperieren und das weltweite Techniknetz der BASF-Gruppe besser nutzen, um unsere Wertschöpfung für die BASF Gruppe zu steigern.
(ID:215799)