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Szenarien für die Dekarbonisierung der Chemie

Abschied vom Ölzeitalter? Das Milliardenspiel um die Zukunft der Chemie

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Vier Modellszenarien

“Wenn die Technologien, die in dieser Studie untersucht wurden, zur Anwendung kämen, könnte der CO2-Ausstoß der chemischen Industrie selbst im konservativsten Szenario sehr signifikant verringert werden”, erklärte Dechema-Geschäftsführer Kurt Wagemann. Dann könnte die Branche nicht nur zum Vorreiter in Sachen Ressourceneffizienz werden, sondern zum großen Enabler für andere Industrien. Immerhin spart jede Tonne CO2-Emission in der Chemie bis zu 2,6 Tonnen des Treibhausgases in anderen Branchen ein.
“Wenn die Technologien, die in dieser Studie untersucht wurden, zur Anwendung kämen, könnte der CO2-Ausstoß der chemischen Industrie selbst im konservativsten Szenario sehr signifikant verringert werden”, erklärte Dechema-Geschäftsführer Kurt Wagemann. Dann könnte die Branche nicht nur zum Vorreiter in Sachen Ressourceneffizienz werden, sondern zum großen Enabler für andere Industrien. Immerhin spart jede Tonne CO2-Emission in der Chemie bis zu 2,6 Tonnen des Treibhausgases in anderen Branchen ein.
(Bild: Dechema)

Wie der Wandel konkret gelingen könnte, haben die Branchenverbände in vier unterschiedlichen Szenarien - Von „Business as Usual“, einem „Weiter so“ ohne zusätzliche Effizienzmaßnahmen bis zum maximalen theoretischen Potenzial - untersucht: So ließen sich – je nach Aufwand -zwischen 70 und 210 Millionen Tonnen Emissionen vermeiden.

Doch das hat seinen Preis: Selbst das am wenigsten ambitionierte Szenario würde 50 Millionen Tonnen CO2, etwa ein Viertel der nachhaltig nutzbaren Non-Food-Biomasse der EU und 960 Terawatt-Stunden saubere Energie (30% der geschätzten Kapazitäten) verschlingen. Nicht zu vergessen Investitionen in Höhe 17 Milliarden Euro. Und das jedes Jahr. Immerhin: 59 % der CO2 Emissionen ließen sich so einsparen.

Darf’s ein Bisschen mehr sein? Für zwei Milliarden Euro zusätzlich könnten 101 Millionen Tonnen eingespart werden. Allerdings würden in diesem Szenario 1900 Terrawatt-Stunden emissionsarmen Stromes benötigt – das entspricht mehr als der Hälfte der für 2050 angekündigten Kapazitäten.

Wer das maximal mögliche Potenzial heben will, muss noch mehr auf den Tisch legen: Etwa 27 Milliarden Euro pro Jahr – mehr als das zehnfache der üblichen Investitionen der Chemieindustrie in Europa – seien nötig, um etwa 210 Millionen Tonnen CO2 einzusparen.

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Ambitionierte Agenda

Es gibt viel zu tun – von Kraftwerksbau bis zu ambitionierten Investitionsprogrammen müssten alle Stellschrauben gedreht werden, um die anvisierten Potenziale zu heben, erklärten die Verbände. Um eine mögliche Roadmap in die grüne Zukunft zu skizzieren, soll eine vier-Punkte-Agenda die nötigen Rahmenbedingungen abstecken:

  • Der angekündigten Kapazitätsausbau kann den Zusatzbedarf an sauberen Strom kaum decken.
  • Die stoffliche CO2-Nutzung setzt ein Carbon-Capture-Potenzial zwischen 50 und 300 Millionen Tonnen pro Jahr voraus. Werden auch noch alternative Treibstoffe bedacht, steigt der Bedarf auf bis zu 670 Millionen Tonnen. Derzeit erwartet die IEA, das 2050 etwa 380 Millionen Tonnen pro Jahr verfügbar sein werden.
  • Zwischen 200 bis 250 Millionen Tonnen Biomasse müssten für die Chemie reserviert bleiben. Langfristig müsste auch Biomasse preislich mit Erdöl- oder-gasprodukten mithalten können, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
  • Ein Investitionsprogramm 14-24 Milliarden Euro zusätzlichen Ausgaben pro Jahr wir nötig. Da die betrachteten Szenarien sich nur auf großvolumige Plattformchemikalien konzentrieren, die typischerweise weniger Investitionen anziehen als moderne Spezialchemikalien, Werkstoffe und Pharmazeutika, wäre der Aufwand erheblich.

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Über den Autor

 Dominik Stephan

Dominik Stephan

Redakteur, PROCESS - Chemie | Pharma | Verfahrenstechnik