Exklusiv-Interview mit VCI-Energieexperte Dr. Jörg Rothermel
Energie-Spagat zwischen grün und günstig: „Elektrifizieren ist alles andere als trivial“

Von Manja Wühr 9 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Die Zukunft der Chemie ist eng an eine sichere und wettbewerbsfähige Energieversorgung gekoppelt. Was bedeutet es also für die deutsche Chemieindustrie und die Klimaziele, wenn diese Frage nicht bald gelöst wird? Rede und Antwort steht VCI-Energieexperte Dr. Jörg Rothermel.

Dr. Jörg Rothermel, Energieexperte des VCI(Bild:  © peterschreiber.media - stock.adobe.com, Hans F. Daniel)
Dr. Jörg Rothermel, Energieexperte des VCI
(Bild: © peterschreiber.media - stock.adobe.com, Hans F. Daniel)

Die großen Player haben sich ambitionierte Klimaziele gesetzt: Bis 2030 will BASF ihre eigenen Treibhausgasemissionen gegenüber dem Basisjahr 2018 weltweit um 25 Prozent reduzieren. Bis 2050 soll die Netto-Null für CO2-Emissionen erreicht werden. Covestro will sogar bis 2035 klimaneutral sein. Wie realistisch ist es, dass die Unternehmen diese Ziele auch wirklich erreichen?

Dr. Jörg Rothermel: Das kommt natürlich darauf an, welche Ziele sich die Unternehmen gesetzt haben. Diese sind teilweise sehr unterschiedlich. Manche nehmen erst einmal nur die eigenen, energetisch bedingten Emissionen in den Blick, also Scope 1. Andere arbeiten an den Emissionen durch Energie und Prozess. Und weitere gehen zusätzlich zu Energie und Prozess den Kohlenstoff ihrer Produkte an. Für die Gesamtindustrie hat der VCI eine Vorgehensweise ausgearbeitet, wie die Transformation zu einer treibhausgasneutralen Chemie in allen drei Kategorien gelingen kann. Schon 2019 haben wir in der VCI-Studie „Roadmap 2050“ gezeigt, dass eine klimaneutrale Chemie technologisch möglich ist. Das Projekt Chemistry4Climate führt die Ergebnisse fort – allerdings mit dem neuen Zeithorizont 2045. Diese Deadline ist der Industrie ja durch die deutsche Klimaschutzgesetzgebung vorgegeben.