Dechema-Forum Wie hältst Du es mit ESG?

Ein Kommentar von Dr. Kathrin Rübberdt, Bereichsleiterin Wissenschaft & Industrie, Dechema 2 min Lesedauer

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Trump hat Diversity und Nachhaltigkeit den Kampf angesagt. Was bedeutet die 180°-Wende der US-Regierung für die ESG-Aktivititäten in den Unternehmen? Gastkommentatorin Dr. Kathrin Rübberdt, Bereichsleiterin Wissenschaft & Industrie, Dechema, warnt vor den Folgen.

Dr. Kathrin Rübberdt, Bereichsleiterin Wissenschaft & Industrie, Dechema.(Bild:  Dechema)
Dr. Kathrin Rübberdt, Bereichsleiterin Wissenschaft & Industrie, Dechema.
(Bild: Dechema)

Als das Managerinnen-Netzwerk in den Life Sciences das Thema „ESG“ für das Frühjahrstreffen 2025 auswählte, war nicht zu ahnen, welche Aktualität es haben und wie sich das Klima dafür in der Zwischenzeit verändert haben würde. „ESG“ steht für Environmental and Social Governance. Dazu gehören Aspekte wie Nachhaltigkeit und Klimaschutz, aber auch Diversity, Bei der Zusammenstellung des Programms hatten wir Umsetzungsfragen im Fokus: Wie gehen KMU damit um, dass sie als Zulieferer von Großunternehmen mit den Anforderungen des Lieferkettengesetzes konfrontiert werden? Wie lassen sich ESG-Aspekte im Einkauf für Labore berücksichtigen? Und welche Standards oder Labels sind bei der Bewertung hilfreich?

Diese Fragen wurden sehr konstruktiv behandelt, aber über ihnen schwebte eine ganz andere Sorge, die auch auf dem Podium diskutiert wurde: Was bedeutet die Entwicklung in den USA für ESG? Teilnehmerinnen berichteten von ersten Erfahrungen nach der 180°-Wende der US-Regierung. Da werden Unternehmen von öffentlichen Aufträgen ausgeschlossen, weil sie Diversity-Richtlinien haben. Nachhaltigkeitsberichte sind plötzlich ein Hindernis auch bei Geschäftsabschlüssen mit Privatunternehmen, die sich von der US-Regierung unter Druck gesetzt sehen oder die Entwicklung vielleicht sogar dankbar aufgreifen.

Was heißt es für europäische Unternehmen und Organisationen, wenn sie plötzlich wählen müssen, welche Region und damit welche Vorgaben für sie wichtiger sind? Erste Pharmakonzerne haben ihre Entscheidung bereits getroffen und in Windeseile ihre ESG-Ziele über Bord geworfen. Der Schaden, der dabei angerichtet wird, ist riesig. Nicht nur strafen die CEOs ihre eigenen bisherigen Aussagen zur Bedeutung von Nachhaltigkeit und Gleichbehandlung Lügen und werfen damit die Frage auf, inwieweit „der Wirtschaft“ auch in anderer Hinsicht zu trauen ist. Sie verabschieden sich auch von einer wissenschafts- und faktenbasierten Orientierung. Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind keine Fragen der Ideologie. Die Folgen unseres Handelns können wir jetzt schon am eigenen Leib spüren, und sie werden langfristig in allen Belangen negativ sein, auch für die Wirtschaft, die auf stabile Umweltbedingungen ebenso angewiesen ist wie auf ein verlässliches globales Handelssystem. Wenn kein Wasser für Kühlung und Transport zur Verfügung steht, wenn die Waldbrandgefahr in der Nachbarschaft steigt oder Erdrutsche und Überschwemmungen Standorte und Logistik bedrohen, trifft es irgendwann auch das eigene Geschäft. Und zahlreiche Studien zeigen, dass vielfältig besetzte Teams in Unternehmen bessere Ergebnisse liefern als welche, die nur einen kleinen Ausschnitt der Gesellschaft repräsentieren.

Natürlich kann man unterschiedliche Meinungen dazu vertreten, wie ESG-Ziele erreicht und gegeneinander abgewogen werden sollen, um auch wirtschaftliche Nachhaltigkeit zu sichern. Doch wer sich heute aus kurzfristigen Erwägungen vollständig von den ESG-Zielen verabschiedet und Faktenleugnern nach dem Mund redet, gefährdet nicht nur seine eigene Glaubwürdigkeit. Er stellt auch die langfristige Zukunft aufs Spiel, für das eigene Unternehmen und für uns alle.

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