Smart Digital Reality auf dem Smart Process Manufacturing Kongress Wenn die digitale Welt mit der Realität verschmilzt

Ein Gastbeitrag von Hans Kouwer, Director Industry Consulting – EMIA, Hexagon 7 min Lesedauer

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Smart Digital Reality nennt Hexagon sein Konzept, physische und digitale Realitäten in der Chemieanlage zu einer Einheit werden zu lassen. In seinem Gastbeitrag erklärt Hans Kouwer von Hexagon, was sich konkret dahinter verbirgt und wie die Prozessindustrie davon profitiert.

KI-generiertes Symbolbild(Bild:  Mark - stock.adobe.com / KI-generiert)
KI-generiertes Symbolbild
(Bild: Mark - stock.adobe.com / KI-generiert)

Die Produktion sucht nach immer neuen Wegen, um mit den Anforderungen, Wünschen und Regularien der heutigen Zeit Schritt zu halten. Dass digitale Lösungen der Schlüssel für eine flexible, skalierbare und effiziente Anlage sind, ist längst kein Geheimtipp mehr. Digitale Zwillinge erfreuen sich großer Beliebtheit. Technisch ist jedoch noch mehr machbar. Die Smart Digital Reality hält Einzug in die modernen Anlagen der Industrie.

Digitaler Zwilling oder Smart Digital Reality?

Doch was ist der Unterschied zwischen einem Digitalen Zwilling und Smart Digital Reality? Beide Technologien sind digitale Abbilder der Realität. Während ein Digitaler Zwilling zwar in vielen Bereichen wie Wartung und Planung bereits große Mehrwerte schafft, ist Smart Digital Reality ein holistischer Ansatz, der weit darüber hinaus geht.

Nicht verpassen: Smart Process Manufacturing Kongress 2025

Der Smart Process Manufacturing Kongress 2025 (30.09./01.10., VCC Würzburg) bringt bereits zum 15. Mal die führenden Digitalisierungsköpfe der Prozessindustrie zusammen. Der Autor des Beitrags Hans Kouwer, Director Industry Consulting – EMIA, Hexagon ist mit einem Vortrag dabei und vertieft das Thema Smart Digital Reality. Auch Künstliche Intelligenz und Datenanalyse wird Thema auf dem Kongress sein, ebenso wie die Zusammenarbeit zwischen Anlagenbetreibern, Automatisierungsunternehmen, Service Providern und Maschinenherstellern beim Aufbau von Datenräumen und digitalen Eco-Systemen.
Der Kongress präsentiert lösungsorientierte, praxisorientierte Anwendungsbeispiele, die helfen, schneller und effizienter zu werden. Lernen Sie von und diskutieren Sie mit den Besten der Branche über Chancen und Herausforderungen der digitalen Transformation in der Prozessindustrie.

Programm entdecken und anmelden

Smart Digital Reality nutzt Informationen aus der echten Welt, in diesem Fall der Anlage, und leitet daraus digital Zusammenhänge ab. Sie macht alle Daten einer Anlage in einer einzigen Plattform digital verfügbar und bietet Schnittstellen zu ERP-Systemen, Maintenance Management Tools und weiteren internen Systemen, um Nutzern einen ganzheitlichen Überblick über die Anlage und ihre Abläufe zu verschaffen. Der Digitale Zwilling ist in diese Plattform eingebunden und bildet metaphorisch gesprochen das technologische Rückgrat der Smart Digital Reality.

Alles beginnt mit Daten

Wenn Digitale Zwillinge das Rückgrat der Plattform bilden, so sind Daten die Nervenstränge, die Smart Digital Reality überhaupt erst möglich machen. Wer seine Anlage digital darstellen will, muss erst die nötigen Daten zusammentragen.

Hier stoßen viele Unternehmen direkt auf Hürden. Während in neuen Anlagen bereits beim Bau digitale Bautechnologien und Datenformate eingesetzt werden, sieht es in Brownfieldanlagen oft anders aus.

Veraltete und viele verschiedene Datenformate müssen gesammelt und validiert werden, um daraus eine brauchbare Basis zu schaffen. Auch historische Daten sollten nicht außer Acht gelassen werden, denn sie liefern oft wichtige Informationen für Compliance- und Sicherheitsfragen. In den meisten Unternehmen sind alle relevanten Daten zur Anlage vorhanden, es fehlt jedoch das Wissen, wie diese sinnvoll genutzt werden können. Hier lohnt es sich, erfahrene Partner mit ins Boot zu holen.

Denn Daten zu sammeln, reicht nicht aus. Wirklich hilfreich sind sie erst, wenn sie getagged (zu dt. nach bestimmten Maßstäben markiert) sind und damit miteinander in Zusammenhang gebracht werden können. So lassen sich Informationen auch über verschiedene Quellen hinweg verknüpfen. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Machine Learning eignet sich hier besonders gut, um Datenmuster zu erkennen und Zusammenhänge zu definieren.

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Hans Kouwer, Director Industry Consulting – EMIA, Hexagon(Bild:  Hexagon)
Hans Kouwer, Director Industry Consulting – EMIA, Hexagon
(Bild: Hexagon)

Hans Kouwer ist Industry Consulting Director für den Geschäftsbereich Asset Lifecycle Intelligence von Hexagon in der Region Europa, Naher Osten, Indien und Afrika.

Er kam vor 17 Jahren zu Hexagon und verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Prozessindustrie und deren Beratung/ Unterstützung.

Hans hat umfassende Erfahrung in der Beratung von Unternehmen, sein Schwerpunkt liegt dabei auf effektivem Informationsmanagement und der digitalen Transformation. Er ist Niederländer und lebt in den Niederlanden.

Es gilt: Je besser die Datenqualität, desto schneller und besser läuft die Implementierung. Doch auch Unternehmen, die noch am Anfang ihrer Digitalisierungsreise stehen, sollten Smart Digital Reality nicht abschreiben. Für sie ist es wichtig einen Anbieter zu finden, der sie dort abholt, wo sie gerade stehen. Smart-Digital-Reality-Plattformen sind skalierbar und können mit steigendem Digitalisierungsgrad wachsen.

Eine agile Lösung für jede Vision

Sobald die Datengrundlage steht, ist Smart Digital Reality implementierbar und einsatzbereit. Nun gilt es, Ziele zu setzen und zu priorisieren. Geht es darum eine neue Anlage digital darzustellen? Oder darum, Transparenz über mehrere Anlagen und Standorte hinweg zu gewinnen? Soll nur ein Teilbereich einer einzigen Anlage in die Smart Digital Reality überführt werden? Egal wie das Ziel aussieht, Smart Digital Reality unterstützt Unternehmen agil dabei, ihre Vision umzusetzen.

Alles in einer Plattform

Wofür Unternehmen die Smart Digital Reality nutzen, bleibt ihnen überlassen. Den größten Mehrwert entfaltet sie jedoch, wenn alle Mitarbeiter mit der Plattform arbeiten. Sie verfügt deshalb über ein rollenbasiertes Interface, das sich an die jeweiligen Zugriffsrechte anpasst. Die Rollen und Rechte können dabei sowohl nutzungsbasiert als auch anlagenbasiert verteilt werden. Eine Person könnte damit zwar über Controller-Rechte für eine Anlage verfügen, aber nur Leserechte für einen anderen Standort haben, je nach Bedarf.

Bei einer vollständigen Implementierung laufen weite Teile der Kommunikation über die Plattform. Nutzer können Kommentare hinterlassen und Fragen oder Anmerkungen hinterlegen. Dieses Vorgehen stellt sicher, dass alle Beteiligten über den gleichen, aktuellen Wissensstand verfügen, dass alle Informationen an einem Ort zusammenlaufen und keine Daten auf anderen Kanälen verlorengehen. Beispielsweise in Anlagen mit Schichtbetrieb oder Projekten bleibt die Kommunikation so transparent.

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Damit gestaltet sich auch die Einarbeitung neuer Mitarbeiter schneller und effizienter. Statt vieler einzelner Systeme und Programme, müssen sie sich nur mit einer einzigen, nutzerfreundlichen Plattform vertraut machen. Sie finden dort nicht nur alle relevanten Informationen zur Anlage, sondern auch zur Organisation, zu Prozessabläufen, Verantwortlichkeiten und zum Unternehmen. Damit gestaltet eine Smart Digital Reality den Einstieg sanft und effizient.

Der größte Nutzen einer Smart Digital Reality liegt jedoch in der Effizienz. Jedes Mal, wenn Mitarbeiter Daten über die Anlage benötigen, wissen sie, dass sie diese zentral auf der Plattform finden. Sie fungiert damit als „Single Source of Truth“. Mitarbeiter finden schnell die gesuchten Informationen und können sich darauf verlassen, dass diese aktuell und korrekt vorliegen. Sie sparen sich Suchaufwand und Zeit, die sie sonst zur Validierung der Daten benötigt hätten.

Kontinuierlich aktuell

Implementierung und Inbetriebnahme der Smart Digital Reality sind jedoch erst die halbe Miete. Wer langfristig von den Vorteilen profitieren will, muss die Plattform kontinuierlich aktuell halten, um nicht nur einen Schnappschuss der Anlage einzufangen, sondern den tatsächlichen Zustand über Jahre hinweg.

Aktuelle Daten tragen nicht nur zum reibungslosen Anlagenbetrieb bei, sie sorgen auch für mehr Sicherheit. Denn veraltete Informationen führen zu falschen Annahmen, die Fehler und im schlimmsten Fall eine Gefährdung wie Verletzungen der Mitarbeiter nach sich ziehen.

Jede Änderung, jede Anpassung und jede Aktualisierung sollte deshalb in der Plattform starten. Dabei identifiziert ein Mitarbeiter die betroffene Anlage und ihre Komponenten. Die Plattform prognostiziert dank der Vernetzung der Daten, wie sich die Änderung auf andere Komponenten und verknüpfte Prozesse auswirkt. Daraus kann der Mitarbeiter einen Vorschlag erarbeiten, der wiederum in der Plattform von Verantwortlichen zur Review bereitsteht. Alle Beteiligten können so jederzeit einsehen welchen Status der Vorgang hat, wer ihn gerade bearbeitet und wer wann welche Änderung genehmigt hat. Die letztgenannte Information ist besonders wichtig, um Compliance-Anforderungen zu erfüllen und auch in Zukunft nachvollziehen zu können, wie sich die Anlage verändert hat.

Ist die Änderung vollzogen, analysiert die Plattform dank getaggten Daten welche weiteren Prozesse davon betroffen sind und nimmt entsprechende Anpassungen vor.

Die Plattform nutzt darüber hinaus nicht nur strukturelle Daten zum Aufbau der Anlagen, wie Designkriterien, die die Last der Anlage begrenzen. Auch Daten aus dem täglichen Betrieb fließen mit ein. So werden Vorkommnisse dokumentiert, damit alle Mitarbeiter über Abweichungen in Kenntnis gesetzt sind.

Smart Digital Reality: Zusammenspiel von Technologie, Mensch und Prozess

Richtig eingesetzt und verwaltet schafft dieses Zusammenspiel von Technologie, Mensch und Prozess ein Mehr an Effizienz, Transparenz und Sicherheit im Arbeitsalltag - und Daten- und Kommunikationssilos gehören der Vergangenheit an. Dabei steht die Technologie noch am Anfang. In Zukunft werden wir Plattformen sehen, die alle Phasen des Lebenszyklus einer Anlage miteinander verknüpfen.

KI wird zunehmend Teil der Plattform und hilft dabei, potenzielle Nutzen zu identifizieren und autonome Entscheidungsfindung zu fördern. Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften und der demografische Wandel treiben die Digitalisierung der Industrie zusätzlich an, denn um wettbewerbsfähig zu bleiben, brauchen Unternehmen innovative Lösungen, die Mitarbeiter sinnvoll unterstützen. Wer den Mehrwert einer Smart Digital Reality erkennt und die Plattform aktuell hält, wird langfristig profitieren.

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