Immer mehr Pumpenhersteller versuchen, den Blick des Betreibers einzunehmen, wenn sie ihre Pumpen weiterentwickeln oder über neue digitale Leistungen nachdenken. Das zeigte sich sehr deutlich auf dem diesjährigen Pumpenforum, das wie immer im Zeichen des Erfahrungsaustausches zwischen Hersteller und Betreiber stand.
Expertentreffen auf dem Pumpenforum 2024 in Würzburg
(Bild: PROCESS)
Pumpen halten die Industrie und vor allem die Chemieindustrie im Fluss. Der Bedeutung steht jedoch oft eine mangelnde Wertschätzung des Aggregats im Betrieb entgegen. Unter dem provokanten Titel „Es ist doch nur eine Pumpe“ plauderte der langjährige Beirat des Pumpenforums und Pumpenenthusiast Stefan Leuchtenberger auf dem Pumpenforum der Förderprozess-Foren 2024 über 40 Jahre Pumpenerfahrung und legte wie so oft in den letzten Jahren den Finger in eine lange bekannte Wunde.
Pumpenexperten werden immer rarer, und oft gönnen sich nur noch die Großen der Chemiebranche eigene Pumpenwerkstätten und ein ausreichend großes Team, das mit Auswahl, Auslegung und Instandhaltung von Pumpen betraut ist. Die Folge: Das Wissen um Auslegung und optimale Betriebspunkte sei häufig mangelhaft und in der Instandhaltung passieren vermeidbare Fehler. Auch dieses Mal fehlte in Leuchtenbergers Aufzählung der Klassiker nicht, die Stopfbuchspackung, die nicht mehr tropft, obwohl doch genau das das Dichtheitssignal für den Pumpenexperte ist.
Auch der Vortrag von Prof. Dr. Eberhard Schlücker. „Die Pumpe im Spannungsfeld zwischen Nachhaltigkeit und Rabattschlacht“ bot Stoff zum Nachdenken und jede Menge Tipps, wie das Design einer nachhaltigen Pumpe aussehen könnte, um Haltbarkeit und Lebensdauer, vorausschauende Wartung und gezielte Schadensvermeidung zu verbinden.
Förderprozess-Foren (2. Tag) – wo sich Pumpe und Wasserstoff treffen
Gute Gründe, warum die Anlage bei der Pumpenauslegung Priorität haben sollte – das vieldiskutierte Henne-Ei-Problem, die Frage also, was zuerst betrachtet werden solle, Pumpe oder Anlage, gar nicht existiert, lieferte Pumpenexperte Manfred Thamm in gewohnt lockerer Vortragsmanier.
Erste Erfahrungen mit der elektrischen Membranpumpe
Aber die Förderprozess-Foren boten neben „Systemkritik“ auch jede Menge neue Erkenntnisse, z.B. stellten Julius Väth und Karlheinz Meitinger vor, wie sich die neue elektrische Membranpumpe von WP ARO u.a. in zwei Betrieben der Lack und Farbenherstellung sowie bei Duravit bei der Förderung hochabrasiver mineralischer Medien bewährt hat und welche Effizienzpotenziale die Unternehmen heben konnten. Der Erfahrungsbericht 2.0 war eine Fortsetzung des Vortrags aus 2023, als Meitinger die elektrische Dreikammer-EVO-Membranpumpe das erste Mal vorstellte.
Geld sparen bei Anlagenplanung und Instandhaltung
Selbstregelnde Kreiselpumpen sind echte Problemlöser: trockenlauf- und betriebssicher sowie selbstentlüftend werden sie bei der Restentleerung von Behältern, z.B. bei Tankwagen oder zur Förderung und Sammlung von Kondensaten an Vakuumfiltern, Zentrifugen, Destillationskolonnen, Eindampfanlagen oder an Slopbehältern eingesetzt. Aber die Aggregate können Anlagen auch schlanker und billiger machen, z.B durch kürzere Rohrleitungen und/oder eingesparte Vorlagenbehälter, sagte Jens Poppe von Paul Bungards. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass schon während der Designplanung, klar sei, welcher Kreiselpumpentyp eingesetzt werde. Leider werden die Pumpenexperten oft erst nach der Erstellung des P&ID mit dazu gezogen – eine Praxis, die man bei Bungards verändern möchte.
Instandhaltung ja, aber wann?
Auch Mikael Tekneyan, Teamleiter digitale Produkte bei Netsch Pumpen, möchte auf das Verhalten von Pumpenbetreibern einwirken. Prediktive Maintenance werde zwar viel propagiert, die Praxis sieht jedoch häufig anders aus. Pumpen werden immer noch auf Verschleiß gefahren, was auch auf Kosten der Energieeffizienz geht. Das neue in der Pilotphase befindliche Monitoring Device von Netzsch will das ändern. Algorithmen analysieren Pumpenmesswerte wie z.B. Druck, Statortemperatur oder Pumpdrehzahl und können so rechtzeitig Alarm schlagen, dass der Betreiber seine Instandhaltungsmaßnahmen rechtzeitig planen kann.
Unter den Pumpenherstellern ist KSB oft Vorreiter und das gilt auch für den 3D-Druck, mit dem sich die Frankenthaler schon seit vielen Jahren beschäftigen. Einer der Pioniere ist Stephan Braun, Business Developer Additive Fertigung bei KSB. Er ist nicht nur Mann der ersten Stunde sondern auch Mitglied diverser Normungsgremien der AM Branche.
KSB entwickelte den ersten 3D-gedruckten Spalttopf und setzt jetzt auf den 3D-Drucks von Ersatzteilen aber auch neuen Bauteilen, die mit Gusstechnik nicht herstellbar sind. Additive Fertigung kann Ersatzteile innerhalb von drei Wochen bereit stellen und so die Instandhaltung auf ein neues Niveau heben.
Condition Monitoring von Rotating Equipment
Die Zustandsüberwachung (Condition Monitoring) rotierender Maschinen kann Betreibern hohe Summen einsparen, sagte Stephan Jakob, Geschäftsführer von Serafima. Er stellte eine Low Code-Plattform zur Schwingungsanalyse vor, die bereits beim Chemieunternehmen Münzing in Betrieb ist und auf Sensordaten unterschiedlicher Hersteller zugreift. Mittlerweile seien alle kritischen Equipments angeschlossen und die OEE wurde seit dem Start im August 2023 bereits um zwei Prozent verbessert, berichtete Jakob. Der First-Level-Support (Warnungen, Alarme) führe der Betreiber selbst, der Second-Level Support (Frequenzanalysen, Erstellung und Überwachung der „Prediction Models“) komme von Serafima.
Stand: 08.12.2025
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