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Kohlekraftwerk wird Elektrolyse-Standort Wasserstoff: „HydroHub Fenne“ erhält Förderbescheid der Bunderegierung

Von Winfried Rauscheder 3 min Lesedauer

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Wo jahrzehntelang mit viel Qualm Strom für die Stahlwerke an der Saar erzeugt wurde, soll künftig ein Groß-Elektrolyseur grünen Wasserstoff bereitstellen. Die STEAG-Tochter Iqony hat den Förderbescheid aus Berlin erhalten – nach Zulassung der Pläne durch die EU.

Auf dem Gelände des ehemaligen Kohlekraftwerks Fenne soll das Wasserstoff-Projekt „HydroHub“ entstehen.  (Bild:  iqony / STEAG)
Auf dem Gelände des ehemaligen Kohlekraftwerks Fenne soll das Wasserstoff-Projekt „HydroHub“ entstehen.
(Bild: iqony / STEAG)

Die Förderung durch den Bund wurde erst dadurch ermöglicht, dass der HydroHub Fenne im Februar 2024 in die „IPCEI-Liste“ der EU-Kommission aufgenommen worden war. Denn nur für Vorhaben, die als „Important Project of Common European Interest“ (IPCEI) eingestuft sind, erhalten die nationalen Regierungen von Brüssel die Erlaubnis, Fördermittel in Multi-Millionen-Höhe für Wasserstoff-Großprojekte wie den HydroHub aufwenden zu dürfen.

Wasserstoff: Katalysator zur Re-Industrialisierung des Saarlands

Den Plan dazu hatten das Bundesland Saarland und die iqony GmbH, die Renewable-Energy-Tochter des Energiekonzerns STEAG (früher: Steinkohle Elektrizität AG), gemeinsam eingereicht. Ihr Ziel: Bis 2027 soll in den Gebäuden und Leitungsinfrastrukturen des Kraftwerks eine der ersten wirklich industriell ausgelegten Produktionsstätten für grünen Wasserstoff in Deutschland entstehen. Bis zu 8.200 Tonnen rein erneuerbar erzeugter Wasserstoff sollen in Fenne pro Jahr erzeugt werden – mit Hilfe einer PEM-Elektrolyseanlage mit einer Kapazität von 53 Megawatt. Auch die „Nebenprodukte“ Sauerstoff und Abwärme, die dabei zwangsläufig anfallen, sollen industriell verwertet werden.

Das Großprojekt ist Teil eines noch größer angelegten Plans zur Re-Industrialisierung der traditionsreichen Saarländer Industrieregion um das ehemalige Stahlwerk von „Röchling Völklingen“, derzeit genutzt als größtes Industriemuseum Deutschlands. Denn zusätzlich zum HydroHub in Fenne soll ein grenzübergreifendes deutsch-französisches Wasserstoff-Netz aufgebaut werden – im ebenfalls als „IPCEI“ anerkannten Projekt mosaHyc (Moselle-Saar Hydrogen Conversion). Projektführer ist hier die Creos Deutschland GmbH.

Das 70 Kilometer lange Gasleitungsnetz soll künftig die deutschen Orte Völkingen, Dillingen und Perl im Saarland mit Bouzonville und Carling im französischen Département Moselle verbinden. Es muss dazu vom reinen Erdgasnetz auf ein „H2-fähiges“ System umgestellt werden, 20 Kilometer neue Wasserstoffleitungen sollen zusätzlich hinzukommen. Auch dieses Vorhaben hat „europäische Dimensionen“: Allein von deutscher Seite fließen 44 Millionen Euro in das mosaHYc-Projekt – zu 70 Prozent vom Bund, zu 30 Prozent vom Land finanziert.

HydroHub: Wasserstoff-Großprojekt für 150 Millionen Euro

Den größeren Teil des Wasserstoff-Verbunds im Saarland (Hy2Infra) jedoch trägt das HydroHub-Projekt: Hier rechnen die Beteiligten mit Gesamtinvestitionen von 150 Millionen Euro, davon 102 Millionen aus öffentlichen Geldern (Bund + Land). Fast 50 Millionen sollen die privaten Partner beisteuern – in erster Linie die Steag GmbH, einer der größten Kohlekraftwerk-Betreiber Europas. Der fünftgrößte deutsche Stromerzeuger war bis 2023 eine kommunale Beteiligungsgesellschaft der Stadtwerke Dortmund, Duisburg, Bochum, Essen, Oberhausen und Dinslaken. Seit Anfang 2024 ist die Steag eine Beteiligung des spanischen Infrastruktur-Investors Asterion Industrial Partners.

Zufrieden äußert sich Andreas Reichelt, Vorstandschef von STEAG und Iqony, zu der lange erhofften Zusage aus Berlin. „Mit der Übergabe des Förderbescheids der Bundesregierung kommen wir unserem Ziel, in Völklingen-Fenne grünen Wasserstoff zu erzeugen und damit die Dekarbonisierung von Industrie und Unternehmen im Saarland zu unterstützen, einen großen Schritt näher.“

Bundeswirtschaftsminister Habeck überreicht den Förderbescheid an die Antragsteller Saarland und iqony
(Bild: iqony)

Allerdings verweist der iqony-Chef auch darauf, dass die Entgegennahme des Förderbescheids noch längst nicht gleichbedeutend sei mit einer endgültigen Investitionsentscheidung. Doch immerhin ermögliche es die klare Zusage für die Investitionsförderung nun, „vertiefte Gespräche mit potenziellen Abnehmern zu führen und uns an realen Ausschreibungen in Sachen Wasserstoffbelieferung zu beteiligen.“

Das sieht auch Elena Yorgova-Ramanauskas, Staatssekretärin im saarländischen Wirtschaftsministerium, als wichtigen Schritt zum Erfolg: „Die Förderbescheide aus Berlin bieten den Unternehmen Creos und Iqony endlich die Planungssicherheit, die sie brauchen, um ihre Projekte entscheidend voranzubringen. Mit dem Aufbau der Wasserstoffwirtschaft im Saarland werden neue Wertschöpfungsketten geschaffen, die unseren Standort langfristig stärken.“

Key Facts zum HydroHub Fenne

Kapazität (2027):       53 Megawatt (MW)

Produktionsleistung:     bis zu 8.200 Tonnen Wasserstoff pro Jahr

Inbetriebnahme:       2027 (geplant)     

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