Digitalisierung in der Prozessindustrie „Verbesserungspotenziale sehen wir in Deutschland beim digitalen Ökosystem“

Von Sabine Mühlenkamp 3 min Lesedauer

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Mittelständler profitieren besonders von der Digitalisierung, da sie hier gezielt auf sich verändernde Wertschöpfungsketten und neue Märkte eingehen sowie ihre Stärken und Innovationen in den Vordergrund stellen können. Doch wie weit ist die Branche mit der Umsetzung? Antworten darauf gibt Christian Bünger, Digitalisierungsexperte beim Verband der Chemischen Industrie (VCI).

Christian Bünger, Digitalisierungsexperte beim Verband der Chemischen Industrie (VCI)(Bild:  VCI)
Christian Bünger, Digitalisierungsexperte beim Verband der Chemischen Industrie (VCI)
(Bild: VCI)

Herr Bünger, wie weit sind mittelständische Chemieunternehmen mit der Umsetzung der Digitalisierung? Wie sieht es im internationalen Vergleich aus?

Digitalisierung ist ein Werkzeug, das Prozesse vereinfacht, die Produktivität erhöht und die Wettbewerbsfähigkeit stärkt. In der deutschen chemisch-pharmazeutischen Industrie hat sich in den letzten Jahren sehr viel in Sachen Digitalisierung getan. Das gilt auch für die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Es dürfte nur noch wenige KMU in der deutschen Chemie geben, die das Thema „Digitalisierung“ noch nicht strategisch bewertet und in konkrete Projekte umgesetzt haben.

International steht die Branche recht gut da: Die Chemie- und Pharmaindustrie in Deutschland ist traditionell innovationsstark und noch international wettbewerbsfähig. Damit dies auch so bleibt, müssen die Standortbedingungen stimmen. Denn Digitalisierung kann nur bedingt dabei helfen, bestehende Standortnachteile wie hohe Energiekosten und eine ineffiziente Regulierung wettzumachen.

Verbesserungspotenziale sehen wir in Deutschland auch beim digitalen Ökosystem, sprich der Zusammenarbeit zwischen Start-ups, Unternehmen und (universitärer) Forschung. Das funktioniert in anderen Ländern deutlich besser.

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Was waren/sind noch die größten Hürden auf diesem Weg?

Die Herausforderung beim Megathema Digitalisierung ist, die Spreu vom Weizen zu trennen. Deshalb ist es als Unternehmen wichtig, vorab einige grundlegende Fragestellungen zu klären, bevor sie sich an konkrete Digitalisierungsthemen heranwagen. Denn viele Dinge sind interessant, spannend und sorgen für monatelange Beschäftigung; aber bringen sie auch einen entsprechenden Mehrwert für das Unternehmen? Eine weitere wichtige Frage ist: Was ist das Problem, das ich lösen möchte? Es klingt trivial, aber gerade bei der Digitalisierung besteht die Gefahr, häufig zunächst an eine Lösung zu denken, ohne das Problem definiert zu haben. Eine One-Size-fits-all-Lösung wird es nicht geben, jedes Unternehmen muss hier seinen eigenen Weg und seine eigene Geschwindigkeit finden.

Wichtig ist auch, nicht den zweiten Schritt vor dem ersten zu machen, wie KI-Anwendungen einzuführen, aber die Datenbasis nicht kuratiert zu haben.

Neben besseren Abläufen bietet die Digitalisierung auch Chancen für neue Geschäftsmodelle. Welche Ansätze versprechen hier Erfolg?

Wir gehen davon aus, dass in der Chemiebranche insbesondere der Serviceanteil am Produkt „Digitalisierung“ deutlich zunehmen und damit auch die Zahl der Lösungen am Markt steigen wird. Diese reichen von datengetriebenen „Smart / Digital Farming“-Lösungen bis hin zum Betrieb von Anlagen als „Product-as-a-Service". Hierzu zählen auch Plattformen, mit denen neue Geschäftsfelder erschlossen werden können.

Hat es ein mittelständisches Unternehmen einfacher mit der Umsetzung der Digitalisierung als die großen Chemiekonzerne?

An dieser Stelle gilt „sowohl als auch“. Mit Blick auf die Finanzkraft kann es für große Unternehmen leichter sein, Dinge auszuprobieren. Die Phase des „Ausprobierens“ in der Digitalisierung neigt sich allerdings langsam dem Ende zu, so dass dieser Vorteil nicht mehr notwendigerweise gelten muss. Auch haben es größere Unternehmen möglicherweise leichter, wenn es darum geht, die Digitalisierung in der Breite zu erfassen und voranzutreiben. Was die Agilität und Flexibilität betrifft, haben kleine und mittelständische Unternehmen oft die Nase vorn. Denn Digitalisierung fängt im Kleinen an, das heißt KMU können ebenfalls erfolgreich digitalisieren. Auch wenn der öffentlichkeitswirksame „Big Bang“ zumeist ausbleibt, ist die erfolgreiche Umsetzung für das Unternehmen häufig ein Game-Changer z.B. eine durchgängige Digitalisierung des „Order-to-Cash“-Prozesses oder eine vollständige Digitalisierung der Logistik.

 

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