Die von den USA angekündigten 100-%-Zölle auf Arzneimittel sorgen in Deutschland und Europa für Alarmstimmung. Verbände warnen vor steigenden Kosten, gefährdeten Lieferketten und Risiken für die Medikamentenversorgung. Die EU-Kommission gibt sich derweil gelassen und verweist auf die vereinbarte Zollobergrenze von 15 %.
US-Präsident Donald Trump will 100-%-Zölle auf Arzneimittel einführen – die deutsche Pharmaindustrie zeigt sich alarmiert.
Nach der Ankündigung enormer US-Zölle von 100 % auf Arzneien zeigt sich die Branche in Deutschland und Europa alarmiert. Die Ankündigung stehe im Widerspruch zu den bisherigen Handelsabsprachen zwischen den USA und der EU, die eine Zollobergrenze von 15 % vorsähen, erklärt etwa der Verband forschender Pharmaunternehmen (VFA). Auf diese Absprachen und eine Erklärung verweist auch die EU-Kommission – und macht deutlich, dass sie die Branche vor den 100-%-Zöllen geschützt sieht.
Die USA sind ein sehr lukrativer Pharmamarkt: Dort gibt es keine strenge Preisbindung für Medikamente wie in Deutschland, wo der Gesetzgeber in den Markt für verschreibungspflichtige Arzneien eingreift. In den USA sind die Arzneipreise in der Regel viel höher als in anderen Industrieländern. Das ist Trump schon lange ein Dorn im Auge.
Trump hatte am 25. September mitgeteilt, dass die USA ab dem 1. Oktober einen Zollsatz von 100 % auf alle markenrechtlich geschützten oder patentierten Pharmazeutika erheben werden – es sei denn, ein Unternehmen baut seine Pharmaproduktionsstätte in den USA. „Baut“ werde dabei definiert als „Baubeginn“ und/oder „im Bau befindlich“, ergänzte er. Nach dem Beginn von Bauarbeiten werde für diese Pharmazeutika kein Zoll mehr anfallen.
Kommission beruft sich auf Erklärung
Die EU-Kommission geht davon aus, dass Pharmaexporte aus Deutschland und anderen EU-Staaten von den angekündigten Zöllen in Höhe von 100 % ausgenommen werden. In der im August veröffentlichten gemeinsamen Erklärung der EU und der USA zu Handelsfragen sei klar festgehalten, dass auch für den Bereich der Pharmazeutika eine Zollobergrenze von 15 % für EU-Exporte gelte, erklärte ein Sprecher in Brüssel. Diese stelle eine Absicherung dar, dass für europäische Wirtschaftsakteure keine höheren Zölle entstünden.
Die Branche in Deutschland zeigte sich dennoch tief besorgt. Noch vor der Stellungnahme aus Brüssel hatten mehrere Verbände auf Trumps Ankündigungen reagiert. Der VFA erklärte: „Sollten die Pläne wie angekündigt ab dem 1. Oktober umgesetzt werden, wäre dies ein harter Rückschlag für den Pharmastandort Deutschland und Europa.“ Der Verband Pharma Deutschland, der nach eigenen Angaben die Interessen von rund 400 Mitgliedsunternehmen mit rund 80.000 Mitarbeitenden in Deutschland vertritt, sprach von einem „massiven Angriff auf den internationalen Handel und die Versorgungssicherheit in Europa“. Die USA schotteten sich ab und zwängen „die Wirtschaft zurück ins eigene Land“, erklärte Dorothee Brakmann, Hauptgeschäftsführerin von Pharma Deutschland.
„Für die Pharmabranche in Deutschland ist das eine beunruhigende Nachricht. Denn die Unternehmen stehen nicht nur wegen der Aussicht auf zollbedingt sinkende Absätze unter Druck. Auch die sehr kurzfristig für Deutschland angekündigten Einsparmaßnahmen machen Investitionsentscheidungen für den heimischen Standort immer schwieriger. Diese Situation muss in den kommenden Pharmagesprächen mit der Bundesregierung eine wichtige Rolle spielen und gemeinsam verbessert werden.“
Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie, sprach von einem „neuen Tiefpunkt“ für die Handelsbeziehungen mit den USA. „Wenn der 15-Prozent-Deal nicht auch für Pharmaprodukte gilt, ist er nichts wert. Die EU-Kommission muss jetzt mit breitem Kreuz darauf drängen, dass beide Seiten zu den getroffenen Vereinbarungen stehen. Sonst kann dieser Deal nur Geschichte sein.“
Gesundheitsversorgung gefährdet
US-Zölle auf Arzneien schüren Sorgen um die Gesundheitsversorgung hierzulande. Denn Deutschland hat 2024 Pharmazeutika im Wert von 12,1 Milliarden Euro aus den USA importiert, knapp 17 % der Brancheneinfuhren, und zudem gut 12 % der Vorprodukte, darunter sterile Schläuche für die Arzneiproduktion.
Bei einem Handelskrieg könnten sich Vorprodukte stark verteuern oder zeitweise ganz fehlen, warnte der Pharmaverband VFA bereits vor Monaten. „Damit würde die Arzneiproduktion in Deutschland unter Druck geraten mit Folgen für die Medikamentenversorgung und die Beschäftigten in der Pharmaproduktion“, sagte VFA-Chefvolkswirt Claus Michelsen.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Der US-Pharmamarkt sei für Deutschland und die EU von zentraler Bedeutung, warnt der Verband. „Zugleich ist der Markt wichtig für Innovation, Investitionen und Zulassungen – die amerikanische Zulassungsbehörde FDA gilt als globaler Taktgeber. Handelsmaßnahmen wie Zölle oder Importbeschränkungen könnten europäische Hersteller empfindlich treffen und bestehende Lieferketten stören.“
„Die angekündigten Importzölle von 100 % hätten gravierende Auswirkungen auf die internationalen Lieferketten, verteuerten die Produktion von Arzneimitteln und gefährdeten die Versorgung von Patientinnen und Patienten – sowohl in den USA als auch in Europa. Wir sehen schon jetzt, dass Investitionen am Standort eingefroren werden. Das ist das letzte, was der Wirtschaftsstandort Deutschland jetzt braucht.“, sagt VFA-Präsident Han Steutel und betont die Bedeutung eines europäischen Binnenmarktes: „In den USA kann man auf einen Schlag 300 Millionen Menschen versorgen. In Europa sind es 450 Millionen Menschen – allerdings verteilt auf 27 Märkte. Wir nutzen unser Potenzial als Binnenmarkt nicht aus und werden so zum Spielball zwischen den großen Wirtschaftsräumen. Ein souveränes, starkes Europa wäre ein notwendiges Gegengewicht zur Wirtschaftskraft der USA.“
Schweizer Pharma-Branche enttäuscht
Von der Schweizer Pharmabranche kamen nach der US-Zollankündigung von 100 % auf Medikamentenimporte in die USA enttäuschte Reaktionen. Man habe alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den „Paradigmenwechsel“, auf Pharmaprodukte Zölle zu erheben, zu verhindern, sagte René Buholzer, der Geschäftsführer von Interpharma, dem Verband der 23 forschenden Pharmaunternehmen, im Schweizer Radio SRF.
Der zweitgrößte Schweizer Pharmakonzern, Novartis, gab sich derweil zuversichtlich, dass er gar nicht betroffen sein wird. Trumps Ankündigung gilt nur für Produkte von Firmen, die nicht in den USA produzieren. Sowohl Novartis als auch der Schweizer Branchenprimus Roche hatten bereits im Frühjahr große Investitionen in den USA über die nächsten fünf Jahre angekündigt.