Hannover Messe 2009 Themen und Umfang der diesjährigen Hannover Messe vorgestellt

Redakteur: Frank Jablonski

Die Hannover Messe präsentiert sich trotz wirtschaftlich unsicherer Zeit erstaunlich stabil. Ein Mix aus neuen Themen und bekannten Aufgabenfeldern für sämtliche Bereiche der Industrie werden im April in Hannover präsentiert.

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Hannover – Dr. Wolfram von Fritsch eröffnet die Fachpressekonferenz zur Hannover Messe 2009 mit einem Vergleich zwischen der derzeitigen wirtschaftlichen Situation und einem Geschäftsführer mit Gipsfuß. Der gebremste Leiter eines Unternehmens hatte seinem Unglück eine positive Wendung gegeben, indem er die erzwungene Ruhezeit als Besinnungs- und Aufarbeitungsphase nutzte. von Fritschs Quintessenz lautet: „Lassen Sie uns fit sein für den ersten Tag nach dem Gips!“ Diese Position untermauert der Vorsitzende des Vorstandes der Deutschen Messe AG mit den aktuellen Zahlen der HMI: „Trotz Krise präsentiert sich unser internationales Technologieereignis stabil. Noch gibt es Bewegung bei den Anmeldungen. Mit rund 6000 Ausstellern auf mehr als 200.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche werden sich die Werte aber auf dem Niveau der Vorjahre bewegen.“ Die diesjährige HMI kombiniert 13 Leitmessen unter einem Dach, wobei die maßgebenden Themen

  • Industrieautomation,
  • Energietechnologien,
  • Antriebs- und Fluidtechnik,
  • Mobilität,
  • Zulieferung,
  • Zukunftstechnologien und
  • Nachwuchs sind.

Die zahlreichen Sonderveranstaltungen werden ergänzt durch neue Themen wie die Leitmesse Wind und einem stark besetzten World Energy Dialogue.

Interkama bietet Plattform für intensiven Austausch

Die Interkama als Teil der Industrial Automation findet wie in den Jahren zuvor in den Hallen 7 bis 9 und 11 statt. Ein Highlight im Rahmenprogramm der Interkama wird die gleichnamige Lounge darstellen, die zum Zukunftsthema Operational Excellence Entscheidern und Anwendern aus der verfahrenstechnischen Industrie Raum und Zeit für einen intensiven Austausch über die aktuellen Technologien und Methoden bietet. Einen weiteren Schwerpunkt bildet 2009 auch das Thema Wireless Automation. Hier werden unter anderem die Diskussionen um den WirelessHART-Standard vertieft. Für Aufmerksamkeit soll auch die Speakers Corner sorgen, wo Aussteller vor interessiertem Fachpublikum Vorträge über aktuelle Trends halten und Anwender ihre Applikationserfahrungen schildern.

Energiesparmaßnahmen bestimmen die Zeit

Doch das alles überragende Thema, so zeigen auch die Zusammensetzung und die Vorträge des Podiums der Fachpressekonferenz, ist das Thema Energie. Prof. Dr.-Ing. Alexander Verl, Institutsleiter Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA in Stuttgart, zeigt, dass viel Energie allein durch Standby-Betrieb verschwendet wird. Ausblickend zeigt er mögliche Wege auf, mit einer modernen Automatisierung Energie in sämtlichen Bereichen der Industrie zu sparen. An diese Position knüpft Björn Irtel, Leiter Produktentwicklung und Qualitätswesen Aerzener Maschinenfabrik an, der unter anderem die Vorstellung eines Patents ankündigt. Hier ist von einem Doppel-Verdichter die Rede, der mit einer drehzahlgeregelten Steuerung ausgestattet ist. Durch die intelligente Steuerung sei ein deutlich reduzierter Energieeinsatz quasi garantiert.

In seinem Statement betont Dr. Norbert Kuschnerus, Leiter Process Management Technology, bei Bayer Technology Services (BTS), dass ein Produzent mit wenig Aufwand rund zehn Prozent Energie bei der Herstellung seiner Produkte einsparen könne. Zudem geht er auf die Frage ein, wie schnell sich Investitionen amortisieren, um weitere zehn Prozent Einsparung zu realisieren. Hintergrund ist der „Bayer Climate Check“ mit den beiden Komponenten Energieeffizienz-Check und Climate Footprint. Hier werden mittels systematischer Analysen Einsparpotenziale direkt aufgezeigt und bewertet - erstmalig auch unter klimarelevanten Aspekten.

„Mit dem Energieeffizienz-Check werden alle Komponenten einer Fabrikation von der Pumpe bis hin zur Logistikkette auf Basis der Six-Sigma-Methodik analysiert und ein detaillierter Maßnahmenkatalog erstellt“, erläutert Kuschnerus die Vorgehensweise. Der Katalog wird unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten anschließend gewichtet und priorisiert und bietet dem Produzenten eine objektive Entscheidungsgrundlage insbesondere auch für Teillast-Situationen. Schon das kontinuierliche Überwachen aller Energieflüsse während der Produktion erlaubt dem Anlagenfahrer ein Betreiben „Hart am Wind“ und damit Einsparungen von rund zehn Prozent gegenüber dem Anlagenzustand in der „Komfortzone“. Weitere, rund zehn Prozent Energieeinsparungen können realisiert werden, wenn bestimmte Investitionen speziell auf der Apparateseite und dem Prozess-Design getätigt würden. Deren Amortisationszeit ist ein weiteres Ergebnis des Energieeffizienz-Checks.

„Im Rahmen des Bayer Klima-Programms untersucht BTS zurzeit mit dem Bayer Climate Check weltweit über 100 Produktionsanlagen an 40 Bayer-Standorten, die rund 85 Prozent der Treibhausgasemissionen verursachen. Natürlich bietet BTS den Bayer Climate Check auch externen Kunden an“, wirbt Kuschnerus für „seine“ Form der Energieeinsparung und weist noch auf das Zentrum der Sonderausstellung „Energieeffizienz“ der Hannover-Messe in Halle 26 hin, in dem ein 3D-Modell (5m x 2,5m) eine Chemie-Anlage abbildet, an der verschiedene Zustände der „10+10“-Energieoptimierung optisch vorgeführt werden.

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