Anstieg hochgradig multiresistenter Erreger Reserve in Gefahr: Immer weniger Antibiotika wirksam

Quelle: Pressemitteilung Ruhr Universität Bochum 2 min Lesedauer

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Antibiotika sind längst nicht mehr die Wunderwaffe von einst – selbst Reserveantibiotika versagen immer öfter beim Kampf gegen bakterielle Infektionen. Und der Anteil an hochgradig multiresistenten Erregern steigt. Dies verdeutlicht eine Analyse von Forschern des Nationale Referenzzentrum.

Manche multiresistente Bakterien produzieren Carbapenemasen – das sind Enzyme, die Reserveantibiotika der Carbapeneme spalten und damit inaktivieren. (Symbolbild) (Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Manche multiresistente Bakterien produzieren Carbapenemasen – das sind Enzyme, die Reserveantibiotika der Carbapeneme spalten und damit inaktivieren. (Symbolbild)
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Antibiotikaresistenzen gehören zu den größten globalen Gefahren unserer Zeit. Aktuell lassen sich bakterielle Infektionen oft noch gut behandeln, doch immer häufiger sind wir mit multiresistenten Keimen konfrontiert, die sich den gängigen Therapien widersetzen. So ist die Antibiotikaklasse der Carbapeneme immer öfter wirkungslos, weil mehr und mehr Bakterien in der Lage sind, Carbapeneme zu spalten und so zu deaktivieren. Dies geschieht, indem die Bakterien Enzyme aus der Klasse der Carbapenemasen produzieren.

Wie sich diese Resistenzstrategie entwickelt und verbreitet, hat das Nationale Referenzzentrum (NRZ) im Blick. Seit 2009 bietet es als vom Robert Koch-Institut beauftragte Stelle eine kostenfreie Untersuchung von multiresistenten gramnegativen Bakterienstämmen an. Labore in Deutschland können dafür klinische Isolate, die sich in der Labortestung als resistent gegen wichtige Antibiotika herausgestellt haben, zur weiteren Feintypisierung einsenden.

Starke Zunahme der Antibiotikaresistenz

Im Jahr 2024 war das NRZ erneut mit einem deutlichen Anstieg der Einsendezahlen konfrontiert, sodass schlussendlich über 10.000 Bakterienisolate tiefergehend analysiert wurden. Auch stieg wie im Vorjahr die Zahl der Carbapenemase-Nachweise stärker als die Zahl der Einsendungen – der Anteil von Carbapenemase-produzierenden Isolaten erhöhte sich damit weiter und lag bei Enterobacterales (etwa Escherichia coli oder Klebsiella pneumoniae) nun bei 61,1 Prozent der untersuchten Isolate. Zum Vergleich: Diese Zahl lag im Jahr 2021 noch bei nur 43,9 Prozent. „Die Zunahme von Infektionen oder Kolonisationen mit Carbapenemase-produzierenden Bakterienstämmen in Deutschland ist somit unseren Daten zufolge real und nicht nur durch gestiegene Untersuchungszahlen begründet“, verdeutlicht Dr. Niels Pfennigwerth vom NRZ. „Wir können eine intensivierte Überwachung nur dringend empfehlen.“

Die Produktion einer Carbapenemase ist in der Regel mit einer Resistenz gegenüber den üblicherweise klinisch verwendeten Betalaktam-Antibiotika verbunden und schränkt die verfügbaren Therapieoptionen drastisch ein – vor allem dann, wenn Isolate mehr als eine Carbapenemase produzieren, die sich in ihren Wirkspektren häufig ergänzen.

Die Forschenden raten dringend, die Überwachung nicht nur aufrechtzuerhalten, sondern auch zu intensivieren, um einen möglichst genauen Überblick über die Entwicklungen zu erhalten und geeignete Maßnahmen gegen die fortschreitende Verbreitung zu ergreifen.

Die problematischen Enzyme im Einzelnen

Die häufigste Carbapenemase in Enterobacterales stellt weiterhin OXA-48 dar; diese zeigte im Vergleich zum Vorjahr eine deutliche Zunahme der Nachweise. Der zuvor beobachtete starke Anstieg von NDM-1 stagnierte 2024 hingegen, während für NDM-5, KPC-2, OXA-244 und VIM-1 deutliche Anstiege zu verzeichnen waren. Bei Pseudomonas aeruginosa und Acinetobacter baumannii waren weiterhin VIM-2 beziehungsweise OXA-23 die am häufigsten im NRZ nachgewiesenen Carbapenemasen.

Originalveröffentlichung: Niels Pfennigwerth, Sophie Möller, Jessica Eisfeld, Frederik Pankok, Sören G. Gatermann: Bericht des Nationalen Referenzzentrums für gramnegative Krankenhauserreger für das Jahr 2024, Epidemiologisches Bulletin, 20/21, 15. Mai 2025, DOI: 10.25646/13143

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