Verkehr und Logistik

Satellitengestützte Anwendungen für die Logistikbranche

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Test der RFID-Technologie bei DHL

Die Infrastruktur des Galileo-Testfeldes hat auch den Logistikdienstleister DHL überzeugt. Dieser will die Zustellung und Abholung von eiligen Paketsendungen bei DHL Express schneller, zuverlässiger und umweltfreundlicher mittels eines neuentwickelten dynamischen Dispositions- und Tourenplanungssystems gestalten. Dr. Keith Ulrich, Leiter des Bereichs Research & Innovation von DHL: »Für uns geht es im Kern um das anpassungsfähige Management flexibler logistischer Netzwerke. Mit satellitengestützter Navigation eröffnen sich uns ganz neue Möglichkeiten. Mit dem Entwicklungslabor können wir neue Logistikkonzepte entwickeln, wie wir mit aktuellen Geodaten z. B. auf Staus oder Baustellen reagieren können.«

Das Prinzip der kontinuierlichen Inventarisierung des Transportbehälters mittels RFID-Technologie testet das Fraunhofer IFF bei der DHL am Smarttruck, einer FuE-Entwicklung der DHL mit verschiedenen Forschungspartnern im realen Einsatz. Dabei wird ein DHL-Zustellfahrzeug mit entsprechender RFID-Technik ausgestattet, sodass sich der Innenraum teilweise oder vollständig scannen lässt. Durch Kombination der Inventarisierungsergebnisse mit einer dynamischen Tourenplanung – hierfür werden Daten zur aktuellen Verkehrslage herangezogen – wird die optimale Route zum Zustellen der Sendungen errechnet.

Der Nutzen des DHL SmartTrucks liegt auf der Hand: Zum Einen spart er Tourenkilometer durch intelligente Routenplanung, wodurch der CO2-Ausstoß signifikant verringert werden kann. Zum Anderen wird, indem der Innenraum des Zustellfahrzeugs überwacht wird, eine korrekte Be- und Entladung sichergestellt. Aber auch dem Zusteller bringt der SmartTruck Erleichterung: So kann ihm beim Stopp bereits das Regal die Position desjenigen Pakets anzeigen, das als nächstes zugestellt werden soll. Das beschleunigt den Zugriff auf die richtige Sendung.

Durch die Paketerfassung und Ortung des Zustellfahrzeuges wird der Logistikdienstleister in naher Zukunft genaue Angaben darüber machen können, wann eine Sendung zugestellt bzw. vom Zustellfahrzeug abgeholt wird. So werden sich innerhalb der Transportkette neue Mehrwertleistungen gegenüber den Kunden etablieren.

RFID-Tunnel – die neue Generation der RFID-Gates

In internationalen Transportketten ist stets Bewegung. Nahezu täglich treten neue Akteure auf den Markt, werden neue Logistikdienstleister ausgewählt und zu Teams zusammengestellt – das erhöht die Kontrollanforderungen auf Vollständigkeit und Zustand der Ware. Um den Bruch der lückenlosen Überwachung während der Umschlagvorgänge zu vermeiden, haben die Experten des Fraunhofer IFF das Prinzip des intelligenten Transportbehälters auf Gate-Anwendungen erweitert.

Mit Hilfe des RFID-Tunnels – mit einer lichten Durchfahrt von 3 mal 3 Metern – ist eine sichere Identifikation der durch den Tunnel transportierten getaggten Güter und Waren möglich. Alle Vorteile des intelligenten Transportbehälters bleiben erhalten: Im Inneren herrscht eine homogene Feldstärkeverteilung vor, die Ausrichtung der Transponder kann vernachlässigt werden, zudem ist der Lesebereich klar abgegrenzt. Damit begegnet der RFID-Tunnel den Problemen bei derzeit eingesetzten konventionellen RFID-Gates: Ungleichmäßige Feldstärkeverteilungen, eine notwendige Beachtung der Polarität der durch das Gate geführten Tags oder undefinierte Falsch-Gut-Lesebereiche. Ein Vorteil des Gates: Bei Einsatz eines RFID-Tunnels kann ganz klar ermittelt werden, ob ein Gut, das mit einem Transponder versehen wurde, tatsächlich durch den Tunnel transportiert und wirklich aus- bzw. eingeladen wurde. Auf diese Weise wird das unbeabsichtigte Lesen aller am Gate vorbei gefahrenen Transponder vermieden.

Einen zusätzlichen Nutzen bietet der RFID-Tunnel zum Beispiel für eine lückenlose Zustandsüberwachung von temperaturgeführter Ware. Dabei können die auf dem Transponder abgespeicherten Log-Daten ausgelesen und in Echtzeit ausgewertet werden. Dazu werden vom Fraunhofer IFF mit weiteren Partnern passive Transponder mit integrierter Sensorik entwickelt, die gegenüber aktiven Systemen eine kostengünstige Lösung zur kontinuierlichen Zustandsüberwachung direkt an der Ware ermöglichen. Die Energieversorgung der auf dem Tag befindlichen Sensoren wird durch das homogene Funkfeld im RFID-Tunnel aufrecht er-halten, sodass die Sensordaten durchgehend zyklisch ermittelt werden können. Dies ist vor allem bei der Übergabe von Kühl- und Frischegütern an den Schnittstellen von Lieferketten praktikabel.

Mit dem RFID-Tunnel haben die Magdeburger eine anwendungsorientierte Lösung für eine fehlerfreie Pulkerfassung vorgelegt – und die Forscher schauen weiter nach vorn. Derzeit nehmen die RFID-Spezialisten ein amerikanisches Ortungssystem genauer unter die Lupe: ein System, das die Ortung passiver Transponder für den Bereich der Lagerlogistik ermöglicht.

Ob Smartbox, intelligenter Container, Wechselbehälter oder RFID-Tunnel – das Galileo-Testfeld bietet sich dem Fraunhofer IFF als Entwicklungs- und Testinfrastruktur an und stellt eine Integrationsplattform für die verschiedensten Lösungen dar. Dabei fungiert die Testhalle als Umschlagsknoten, in dessen Bereich eine durchgängige Ortbarkeit und Identifizierbarkeit getaggter Waren erprobt wird. Daneben ist das Testfeld auch für Auftragsforschung sowie als direkt durch Unternehmen nutzbare Testinfrastruktur verfügbar. Dafür stehen modernste Systeme zur Identifikation und Ortung im Innen- und Außenbereich zur Verfügung.

Förderhinweise

Das Projekt OBJEKT wird gefördert von BVL/AiF, Förderkennzeichen 16165BR/1

Das Projekt TransMat wird gefördert vom BMWi, Förderkennzeichen 19G7025B

Das Projekt IMOTRIS wird gefördert vom BMWi, Förderkennzeichen 19G8021B

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