Rohstoffpreis-Entwicklung Rohölpreis lässt auch Naphtha nach oben klettern

Redakteur: Marion Wiesmann

Der Ölpreis hat im Mai eine neue Spitze erreicht. Während der Preisanstieg bereits die Preisen für Naphtha und Polymer-Vorprodukte stark beeinflusst, sind die Kunststoffpreise bisher relativ konstant. Aber das wird sich ändern.

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Düsseldorf – Im Mai 2008 hat der Ölpreis mit rund 135 Dollar pro Barrel neue Höhen getestet. Im Zuge eines wieder etwas festeren Dollars kam es jedoch danach zu einer leichten Korrektur. Die Analysten der Deutschen Industriebank (IKB) begründen den Anstieg mit einer steigenden spekulativen Nachfrage, nennen aber auch geopolitische Gründe.

Naphta-Preis steigt

Der hohe Rohölpreis beeinflusst auch den Preis für das Erdöldestillat Naphtha. Im bisherigen Verlauf des zweiten Quartals stieg der durchschnittliche Naphtha-Preis gegenüber dem Vorquartal um fast acht Prozent. Die Kontraktpreise für Ethylen und Propylen reflektieren dagegen noch den schwächeren Naphtha-Preisanstieg im ersten Quartal.

Polymer-Vorprodukte ziehen nach

Dieses Missverhältnis ließ die Cracker-Marge im laufenden Quartal weiter zurückfallen. Die Petrochemie-Konzerne dürften dies voraussichtlich nicht länger hinnehmen, zumal die Kunststoffnachfrage insgesamt gut ist. Für die anstehende Festlegung der Q3-Kontrakte rechnen die IKB-Experten mit einer deutlichen Anhebung für Ethylen und Propylen im hohen einstelligen Prozentbereich. Im Mai hat der erneute starke Anstieg des Naphtha-Preises auch die Aromaten Styrol und Benzol nach oben gezogen. Die Versorgung mit Styrol hat sich verknappt. Zusätzlich dürfte sich der von der IKB erwartete Auftrieb bei Ethylen auf den Styrolpreis auswirken. Ähnliches gilt auch für die Ethylen-Abkömmlinge Vinylchlorid und Monoethylenglykol. Auch für Terephthalsäure und Caprolactam rechnet die IKB mit steigenden Preisen.

Preise bisher nicht an Polymere weitergereicht

Der starke Ölpreisanstieg hat sich im bisherigen Quartalsverlauf bei den meisten Standard-Thermoplasten dagegen nicht preissteigernd ausgewirkt. Bei Polyethylen und Polypropylen ging von der Entwicklung der Q2-Kontrakte gegenüber dem Vorquartal kaum Preisauftrieb aus. Die anhaltend schlechten Margen der Olefinproduzenten dürften dem bald ein Ende setzen. Der von IKB erwartete Anstieg der Vorproduktpreise auf breiter Front dürfte sich letztlich verteuernd auf alle Kunststoffe auswirken. Dies gilt auch für die technischen Thermoplaste.

Rohölpreis entspannt sich

Währenddessen wird der Rohölpreis wieder deutlich sinken. Die Nachfrage nach Öl sehen die Analysten gedeckt, auch aufgrund der leichten Erhöhung der russischen Fördermenge. Zudem wurden die meisten Prognosen für die Verbrauchsmenge in 2008 nach unten korrigiert. Auch die prognostizierte Konjunkturabkühlung in Europa und USA könnte zu dämpfenden Nachfrageeffekten führen. Dies sollte sich letztlich entspannend auf die Ölpreise auswirken. Im Juni erwartet die IKB Durchschnittspreise um die 120 Dollar je Barrel der Sorte Brent. In der zweiten Jahreshälfte soll der Ölpreis weiter sinken.

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