Obwohl die SIL-Einstufung Sache der Betreiber ist und die Norm IEC 61508 es nicht vorschreibt, SIL-Geräte zu zertifizieren, gibt es den Trend zur Zertifizierung durch unabhängige Prüfstellen wie Dekra und TÜV. Denn das Kopf-an-Kopf-Rennen der Automatisierungshersteller um die Kunden hat einen Zertifizierungsdomino in Gang gesetzt. „Zusätzliche Kosten, die dem Betreiber keine Vorteile bringen. Zertifikate erhöhen weder die Qualität noch die Sicherheit von Safety-Anwendungen“, urteilt Fritsch.
Trotzdem kann sich diesem Trend kaum ein Hersteller in der Automatisierungshalle entziehen. Nur wenige Meter weiter hat Phoenix Contact Sicherheitsrelais ausgestellt, die nach SIL 3 zertifiziert sind. Egal ob Emergency Shut Down (ESD)- oder Fire & Gas (F&G)-Anwendungen, das Koppelmodul soll jedes Signal sicher verfügbar machen. „Wir haben sowohl sichere Module zum Ausschalten als auch zum Einschalten“, erläutert Wolfgang Boll, Product Marketing Safety I/O and Networks von Phoenix Contact. „Bei dem Modul zum sicheren Einschalten bieten wir eine integrierte Drahtbruchüberwachung, die im Ruhezustand bei einem Drahtbruch auf der Ausgangsseite eine Rückmeldung ans System liefert.“
Vergleich zum Ex-Schutz
Anlagen, die nach SIL bewertet werden, gibt es auch im Ex-Bereich. Der Vergleich der Normen und Vorschriften zeigt, dass beide Bereiche enger miteinander verknüpft sind als es auf den ersten Blick aussieht. „Interessanterweise sind die Anforderungen von Ex-Schutz und SIL ähnlich“, erklärt Fritsch. Eine einfache Ex-Trennstufe von Stahl, die den Explosionsschutzvorgaben entspricht, ist fast SIL 2-tauglich. „Das gilt vor allem bei einfachen, qualitativ hochwertigen Ex-Geräten. Allerdings kann man das z.B. nicht auf Remote I/O-Systeme übertragen.“
Fazit
Auch wenn es zurzeit so scheint, als würden sich Automatisierungshersteller gegenseitig mit höchsten Sicherheitsstufen und Zertifizierungen überbieten – SIL ist noch nicht in der feldbusbasierten Automatisierungstechnik angekommen. „Wenn Leitsysteme und Feldbusgeräte nicht für SIL ausgelegt sind, lässt sich die beste Sicherheitstechnik nicht einsetzen“, resümiert Fritsch. Eine Lösung erwartet er aber frühestens in vier bis fünf Jahren.
* Der Autor ist Volontär bei PROCESS. E-Mail-Kontakt: tobias.hueser@vogel.de