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Studie: Access to Medicine Index

Nur wenige Unternehmen entwickeln Arzneimittel für die Ärmsten

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Im Vergleich zu 2016 haben die Pharmaunternehmen heute mehr Projekte in der Pipeline mit Fokus auf globale Gesundheitsprioritäten. Seit dem Index von vor zwei Jahren sind mindestens 66 neue Produkte auf den Markt gekommen. Sie betreffen 14 Krankheiten, die im Index behandelt werden. Die Hälfte davon zielt auf Krebserkrankungen ab. Andere Beispiele sind:

  • Drei neue Pillen, die alle sechs Haupt-Genotypen von Hepatitis C heilen können. Gilead hat freiwillige Lizenzvereinbarungen mit elf indischen Generika-Produzenten geschlossen, die die Herstellung und den Vertrieb von zwei dieser Produkte in 105 Entwicklungsländern ermöglichen. (Gilead und Abb Vie)
  • Eine kinderfreundliche Kautablette gegen den Rund- und Peitschenwurm, die derzeit geschätzte 795 Millionen Menschen befällt. Johnson & Johnson hat dafür bis 2020 ein Spendenprogramm von 200 Millionen Dosen pro Jahr zugesagt.

Merck in den Top 5, Bayer hinkt hinterher

Merck erreicht 2018 als eines der führenden Pharmaunternehmen den vierten Platz. 2016 wurde das Merck Global Health Institute gegründet, das sich der Entwicklung erschwinglicher und verfügbarer Therapien zur Behandlung von Infektionskrankheiten wie Malaria und Bilharziose verschrieben hat. Mit „Curafa“ hat Merck ein neues Modell eingeführt, mittels dem essenziell wichtige Gesundheitszentren in abgelegenen Regionen von Kenia aufbaut werden sollen. Außerdem hat sich das Unternehmen dem „NTD Drug Discovery Booster“ der Initiative „Drugs for Neglected Diseases“ angeschlossen.

Boehringer Ingelheim klettert von Rang 16 auf 14. Der Pharmakonzern hat eine neue Strategie für den Zugang zu Medikamenten erarbeitet und für mehr als 80 % seiner Produkte eine faire Preisstrategie eingeführt. In Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen wurden die Bedingungen zum Aufbau neuer Kapazitäten weiter entwickelt. So startet Boehringer Ingelheim 2018 das Programm „Reach in Africa“, mit dem die Gesundheit von Mensch und Tier in afrikanischen Ländern verbessert werden soll.

Bayer fällt auf den 16. Platz zurück und hinkt in verschiedenen Bereichen hinterher, unter anderem bei der Preisgestaltung. Das Unternehmen arbeitet weiterhin mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zusammen und spendet Medikamente für die Bekämpfung von zwei parasitären Tropenkrankheiten: die Chagas-Krankheit und die Humane Afrikanische Trypanosomiasis.

In Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, in denen derzeit rund 65 % aller Krebstodesfälle verzeichnet werden, nehmen Krebserkrankungen zu. Zum ersten Mal untersuchte der Index die Bemühungen von Unternehmen, den Zugang zu Krebsmedikamenten zu verbessern. Der Fokus lag dabei auf den Arzneimitteln, die von der WHO als essenzielle Medikamente für das Gesundheitswesen angesehen werden. 72 solcher Produkte wurden bereits identifiziert. Novartis hat den größten Teil davon in seinem Portfolio, einschließlich der Hälfte der Krebsprodukte, die über eine Zugangsinitiative vermarktet werden.

Doch bleiben solche Initiativen für Krebsprodukte während der Forschungs- und Entwicklungsphase weit hinter denen für übertragbare Krankheiten. Es gibt Pläne für rund 5 % der Krebsmedikamente, die sich in einem späteren Entwicklungsstadium befinden. Dem gegenüber stehen 54 % der Medikamente im Bereich übertragbarer Krankheiten. „Das öffentliche Gesundheitswesen hat in den vergangenen Jahrzehnten große Fortschritte gemacht. Alle von uns untersuchten Pharmaunternehmen ergreifen Maßnahmen bis zu einem gewissen Grad. Um jedoch die Lücken zu schließen, die beim Zugang zu Medikamenten klaffen, müssen wir mehr Unternehmen an einen Tisch bringen“, sagt Iyer.

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