Exzenterschneckenpumpen Neuartiges Zuführsystem für Exzenterschneckenpumpen

Autor / Redakteur: Hisham Kamal / Dr. Jörg Kempf

Dank eines neuartigen Zuführsystems für Exzenterschneckenpumpen lässt sich die Brückenbildung bei stichfesten Medien verhindern.

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Exzenterschneckenpumpen werden als rotierende Verdrängerpumpen in nahezu allen Industriezweigen zur Förderung und Dosierung verschiedenster Medien – vor allem feststoffhaltiger und viskoser Medien eingesetzt. Dabei gibt es immer wieder Anwendungen mit nicht von selbst fließenden Produkten. Hierfür werden Exzenterschneckenpumpen mit vorgeschalteter Zuführschnecke verwendet. Bei noch viskoseren, also stichfesten Medien, die aufgrund ihrer Struktur zur Brückenbildung neigen, stößt auch dieses Konzept an seine Grenzen. Bisherige Lösungen sehen z.B. eine zusätzliche Schnecke oder ein gegenläufig rotierendes Paddelsystem im oberen Bereich des Pumpenschachtes vor, die von einem zusätzlichen Antrieb angetrieben werden. Mit dem neuartigen Zuführsystem „aBP-Module“ setzt Netzsch einen neuen Maßstab zur Vermeidung von Brückenbildung.

Aufbau und Funktionsprinzip

Das aBP-Module ist als Zubehör für die aktuelle Baureihe von NEMO Exzenterschneckenpumpen mit vorgeschalteter Zuführschnecke (Typ F) konzipiert (siehe Bild 1). Das Herzstück des Systems besteht aus zwei voneinander unabhängigen Speichenrädern, die durch die rotierende Förderschnecke der Pumpe angetrieben werden. Zur effektiven Verhinderung von Brückenbildung im Pumpenschacht tragen die folgenden konstruktiven Maßnahmen und Effekte bei:

1. Scherwirkung: Die Scherwirkung auf das stichfeste und häufig faserhaltige Medium ist ein wesentlicher Effekt, um die Brückenbildung zu vermeiden. Die rotierenden Speichenräder wirken auf das im Schacht befindliche Medium wie eine „bewegte Schachtwand“ und führen damit zur Scherung des Mediums an den Trichterwänden. Der Achsenversatz der beiden Speichenräder (siehe Bild 2) unterstützt diese Scherwirkung. Ein weiterer Schereffekt wird durch die segmentierte Förderschnecke der Pumpe erzielt, welche eine teilsynchrone Drehbewegung der beiden Speichenräder bewirkt.

2. Vermeidung von Brückenfundamenten: Die extrem wandnahe Anordnung der beiden Speichenräder ermöglicht es, zwischen Schachtwand und Förderschnecke sehr tief einzutauchen. In diesem Bereich würde sich ohne die Speichenräder ein Brückenfundament aufbauen können. Die Relativbewegung der Räder verhindert einen Fundamentaufbau.

3. Umwälzung des Mediums: Die Speichen und die auf den Speichen angebrachten Leisten bewirken ein effektiveres Umwälzen des Mediums im Pumpenschacht und unterstützen damit die Vermeidung von Brückenbildung und damit die kontinuierliche Förderung des Mediums.

Anwendernutzen im Fokus der Entwicklungsarbeit

Bei allen Neuentwicklungen von Netzsch haben der Anwendernutzen und die Qualität des Produkts erste Priorität. Die hohe Wartungsfreundlichkeit beim aBP-Module ist ein Beweis dafür. Die robuste Lager- und Dichtungscartridge ist mit wenigen Handgriffen zu demontieren oder zu wechseln. Insgesamt drei Serviceöffnungen erleichtern die Inspektion und Wartung zusätzlich.

Durch den einfachen und robusten Aufbau des neuen Zuführsystems – ohne zusätzlichen Antrieb – wird eine hohe Lebensdauer erzielt.

Einen weiteren Vorteil bietet die wandnahe Konstruktion der Speichenräder. Die Schachtmitte bleibt für den herunterfallenden Nachschub an Medium frei, so dass der Füllstandsmessung bzw. -regelung im Schacht keine Grenzen gesetzt sind.

Der Autor ist Leiter Entwicklung bei der NETZSCH Mohnopumpen GmbH, Waldkraiburg.

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