Prozessleitsysteme

NAMUR-Empfehlung 121 zeigt neue Wege für optimierte Beschaffung und langfristigen Betrieb von Prozessleitsystemen

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In einem qualitativ hochwertigen Entwicklungsprozess lassen sich Aspekte der Nachhaltigkeit und des Obsoleszenzmanagement relativ einfach realisieren, z.B. durch vorgeplante Portierbarkeit. Bei häufig gleichartig verwendeten Systemen, z.B. Prozessleitsystemen, Betriebsdateninformationssystemen etc. wird der Systemlieferant Standardlösungen anbieten wollen. Dazu gehören z.B. definierte Nutzungszeit, akzeptable Hochrüstzyklen und Servicelevel. Damit kann das Obsoleszenzmanagement als einheitliche Entwicklungsvorgabe einfließen, um damit zu wiederholbaren Lösungen zu kommen.

Eine solche Evaluierung setzt viel Fachwissen voraus und ist arbeitsintensiv. Daher muss sie in der Regel dem eigentlichen Beschaffungsprozess vorgelagert sein. Alternativ dazu können Referenzen herangezogen werden, die dann aber auch geeignet ausgewählt sein sollten. Insbesondere können Referenzen von Anwendern genutzt werden, die Evaluierungen und Audits nach Kriterien der NE 121 bereits durchgeführt haben.

Fazit

Die NE 121 regt an, die Systemevaluierung vorgelagert zum Beschaffungsprozess mithilfe eines spezifischen Lastenhefts durchzuführen, in dem die Funktionalität, die erforderliche Qualität mit Verfügbarkeits- und Stabilitätskenngrößen und die Anforderungen an den Lebenszyklus bzw. Investitionsschutz beschrieben werden. Weiterhin sollten – so die NE 121 – gemeinsame Vorgehensweisen definiert werden, wie künftige Entwicklungen und ggf. Änderungen der Randbedingungen zwischen Anwendern und Herstellern kommuniziert werden. D.h. die Anwender-Herstellerkommunikation wird Teil des Qualitätssicherungssystems. Dank dieser Evaluierung wird Investitionsschutz und Verfügbarkeitsmanagement durch Nutzung eines systematischen Obsoleszenzmanagements und geeigneter Qualitätssicherung auf angemessenem Niveau betrieben. Damit werden sowohl Produkteigenschaften als auch Leistungen des Produkt- und Projektmanagements bewertet. Dies ist die Grundlage für eine erfolgreiche, wirtschaftliche und nachhaltige Realisierung von Automatisierungslösungen.

Der Autor ist Mitarbeiter der BASF SE, Ludwigshafen, und Obmann des NAMUR-Arbeitskreises 2.11 „Industrielle IT/Leittechnik“.

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