Der 1. Januar war für die Raffinerie PCK ein Wendepunkt, seitdem fließt kein russisches Öl mehr. Ein halbes Jahr nach dem Importstopp sind die Zukunftsängste optimistischeren Tönen gewichen. Das Unternehmen richtet den Blick auch auf eine Zukunft ohne Öl.
Zwei deutsche Tochterfirmen des russischen Ölkonzerns Rosneft, die Mehrheitseigner der PCK-Raffinerie sind, stehen unter Treuhandverwaltung der Bundes.
(Bild: PCK)
Krisenmodus, Zukunftsängste und politischer Streit – der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat bei der Ölraffinerie PCK im Nordosten Brandenburgs eine Zäsur bewirkt. Für kein anderes Unternehmen mag es so viele Taskforce-Sitzungen gegeben haben. Seit sechs Monaten produziert die Raffinerie Benzin, Diesel und Kerosin ohne russisches Rohöl, das fast 60 Jahre lang durch die Druschba-Pipeline nach Schwedt gepumpt wurde. Am 1. Januar war damit infolge des Öl-Embargos gegen Russland Schluss.
Inzwischen hat sich die Aufregung gelegt, weil steter Nachschub aus alternativen Quellen fließen soll. Das Signal der Politik ist: „Die Raffinerie läuft stabil.“ Die PCK-Geschäftsführung richtet den Blick derweil weit voraus auf eine Zeit nach dem Öl – mit Wasserstoff.
Auslastung der PCK deutlich gestiegen
Arbeitete die Ölraffinerie zum Jahresanfang mit einer niedrigen Auslastung von etwa 50 %, stieg sie nach Angaben von Rosneft Deutschland jetzt auf um die 80 %. „Die Raffinerie verdient wieder Geld, weil Kapazitäten besser ausgelastet sind“, sagte Rosneft-Sprecher Burkhard Woelki der dpa. „Die Befürchtungen, dass die Raffinerie ohne Öl aus Russland nicht funktioniert, hat sich als Schwarzmalerei erwiesen“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Michael Kellner (Grüne).
Für Entspannung sorgt ein Vertrag mit Kasachstan, wonach das zentralasiatische Land bis Ende 2024 jeden Monat 100 000 Tonnen Rohöl liefert. „Das sichert die Raffinerie ab“, sagte Woelki. Ein Vorteil für die Anlagen in Schwedt: Kasachisches Öl ist in der Beschaffenheit dem russischen ähnlich. Das erleichtert die Verarbeitung, so dass mit kasachischem Öl etwa wieder Bitumen hergestellt werden kann für die Bauindustrie. Zudem kommt Öl über die Häfen Rostock und Danzig in Polen.
Keine Lücken bei Versorgung mit Treibstoff an Tankstellen
Autofahrer an den Tankstellen im Osten Deutschlands, die größtenteils aus Schwedt versorgt werden, bekamen die Turbulenzen bei PCK kaum zu spüren. Lieferengpässe gibt es laut Mineralölverband Fuels und Energie nicht. Ein Sprecher sagte: „Signifikante Preisunterschiede zwischen Berlin-Brandenburg und anderen Regionen lassen sich nicht feststellen.“ Die Benzinpreise in Berlin-Brandenburg seien niedriger, Diesel dagegen etwas teuer als im Bundesdurchschnitt. Das deute auf leichte Knappheiten bei Diesel in der Hauptstadtregion hin als eine Folge des zu Jahresanfang in Kraft getretenen Embargos gegen russischen Diesel.
Verzögert sich der Pipeline-Ausbau von Rostock nach Schwedt?
Ein wichtiger Versorgungsweg für die Raffinerie ist seit Jahresanfang die Öl-Pipeline von Rostock nach Schwedt. Da die Kapazitäten bislang über diese Leitung begrenzt sind, soll sie für 400 Millionen Euro aufgerüstet werden. Bis Ende Mai wollte die Raffinerie laut Einschätzung ihres Geschäftsführers Ralf Schairer dafür den notwendigen Beihilfe-Antrag auf den Weg bringen. „Ich habe leider noch keinen Antrag auf dem Tisch liegen“, sagte Staatssekretär Kellner kurz vor Ende des Monats Juni. Wieso hakt es? Die PCK gibt sich seit Tagen auf Fragen wortkarg. Vom Anteilseigner Shell hieß es: „Wir unterstützen den Antrag. Wir arbeiten eng mit PCK zusammen, um die beihilferechtliche Antragstellung beim Bund einzureichen.“
Bewegung bei der Eigentümer-Struktur?
Viele Fragen sind derzeit angesichts eines möglichen Eigentümerwechsels bei der PCK mit rund 1200 Mitarbeitern offen, und die Politik zeigt sich bislang schmallippig. „Unser Ziel ist es, Investoren zu finden, die langfristig interessiert sind am Standort“, sagte Wirtschafts-Staatssekretär Kellner.
Zwei deutsche Tochterfirmen des russischen Ölkonzerns Rosneft, die Mehrheitseigner der PCK-Raffinerie sind, stehen unter Treuhandverwaltung der Bundes. Der hat seit dem Frühjahr auch mehr Handlungsspielräume bekommen, um Anteile von Unternehmen, die unter Treuhandverwaltung stehen, leichter veräußern zu können. Dies zielt auf die Raffinerie PCK in Schwedt.
Verkaufen will etwa der Energiekonzern Shell seinen PCK-Anteil von 37,5 % seit langem. Hinter vorgehaltener Hand ist zu hören, dass dies noch im Sommer unter Dach und Fach sein könnte. Shell will sich dazu aber nicht äußern. In der Debatte um neue Eigentümerstrukturen waren bislang mehrere Unternehmensnamen im Gespräch.
Der staatlich beherrschte russische Ölkonzern Rosneft hält die Treuhandverwaltung über seine deutschen Töchter ohnehin für rechtswidrig. Er klagt nach einer gerichtlichen Niederlage im April erneut – jetzt gegen die Verlängerung der Treuhandverwaltung. Einen Verhandlungstermin vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gibt es bislang noch nicht.
Raffinerie plant Zukunft mit Wasserstoff
Die Raffinerie will derzeit den Transformationsprozess voranbringen, für den die Bundesregierung viele Millionen bereitstellt. Mit Wasserstoff will die PCK klimaneutrale synthetische Kraftstoffe, sogenannte E-Fuels, produzieren. Zum Umbau der Raffinerie weg von fossilen Energieträgern sagte Staatssekretär Kellner: „Es wurde schon einiges angestoßen und ist in der Umsetzung, auch mit unserer Unterstützung – aber die PCK muss da dran bleiben mit allem Nachdruck.“
Stand: 08.12.2025
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