MES in der Prozessindustrie Kriterien für den Einsatz von MES im Mittelstand

Redakteur: Marion Henig

Mittelständische Unternehmen der Prozessindustrie haben bei der Einführung von Manufacturing Execution Systems (MES) andere Bedürfnisse als große Unternehmen. Erfahren Sie hier, welche Besonderheiten es zu beachten gibt, welche Argumente für den Einsatz von MES sprechen und welche Investitionen zu veranschlagen sind.

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MES in der Automatisierungspyramide (Bild: Wikipedia)
MES in der Automatisierungspyramide (Bild: Wikipedia)

"Die Bedürfnisse im mittelständischen Unternehmen sehen wir anders als die der großen Unternehmen", unterstrich Dr. Volkmar Neumeyer, Geschäftsführer von Leitec im Rahmen der MES-Tagung auf der Hannover Messe 2011. Das Unternehmen automatisiert verfahrenstechnische Prozesse, zu den Kunden gehören viele mittelständisch geprägte Unternehmen. Um MES in diesem Markt zu mehr Akzeptanz zu verhelfen, müssen die Kosten niedrig liegen, wie Neumeyer betont. Ein Lastenheft schlage mit 8.000 bis 12.000 Euro zu Buche, ein Pilotsystem mit 25.000 bis 35.000 Euro. Ein an das ERP-gekoppelte Arbeitssystem liege dann bei 30.000 bis 45.000 Euro.

Die Projektdauer sei mit sechs bis neun Monaten anzusetzen. Ungepflegte Datenbestände und eine hohe zeitliche Belastung wichtiger Know-how-Träger im Unternehmen seien die häufigsten Schwachstellen eines Projektes, die zu Verzögerungen führen können.

Kriterien für MES im Mittelstand (Prozessindustrie)

1. Eine optimierende Fertigungsfeinplanung ist meist das wichtigste Entscheidungskriterium für MES. Dadurch verkürzen sich Durchlaufzeiten, die Fertigungsfolge verdichtet sich. Das führt zu steigendem Output pro Schicht (zwischen 6 und 12 Prozent) Hieraus kann einfach kalkuliert werden, welchen Nutzen ein MES-System bringt (Der Minuten-Kostensatz liegt in den meisten Unternehmen vor). Der Interessent kann vorab abschätzen, "wann er sein Geld wieder hereingeholt" hat. Ergänzend hat Leitec ein ROI-Schema entwickelt, welches die Schätzwerte untermauert.

2. Flexibilität: Das Einschieben von Aufträgen in die laufende Planung muss immer gewährleistet sein. Flexibilität, ein wichtiges Kriterium für mittelständische Fertigung, darf durch ein ME-System nicht eingeschränkt werden.

3. Zusammenführen von Fertigungsaufträgen mit gleichen Rezepturen in einer Planperiode: Wird ein größeres Rührwerk eingesetzt, um zwei gleichartige Aufträge gemeinsam zu fertigen, mindern sich die Kosten im Vergleich zur getrennten Verarbeitung beider Aufträge. Reinigen und Rüsten entfällt, die zweite Produktionszeit reduziert sich deutlich.

Welche Kriterien eine Nebenrolle spielen

Transparenz, vereinfachte Dokumentation und Archivierung sind laut Leitec im Mittelstand eher zweitrangig. Auch sei in der Regel kein ERP-System von SAP im Einsatz, sondern DIBAC, Dynamics, KHK-Sage und SQL-Blending. "Wird SAP zur Planung herangezogen, werden Fertigungsaufträge als Gesamtmenge (FAUF) ohne Kapazitätsabgleich angeboten, die noch manuell in der Feinplanung geplant werden müssen. Damit sind SAP und andere ERP-Systeme ohne zusätzliche, manuelle Planung oder zusätzliches MES-System mit Planungsmodul nicht für den direkten Einsatz in der Fertigung geeignet", betont Neumeyer.

Energieeinsparungen mit MES

Ein vielfach gewünschtes Ziel von MES sind Energieeinsparungen im Prozess. Ein Ansatz: Unternehmen aus der chemischen Industrie müssen bestimmte Prozesse mit Heißdampf oder Thermalöl anfahren. Thermalöl wird auf Temperaturen über 200°C aufgeheizt und kann bei Bedarf in die Heizschlangen der Reaktoren gepumpt werden. Die Anlagen zum Erzeugen z.B. des Thermalöls werden während der gesamten Schicht auf Betriebstemperatur gefahren, obwohl das Heizmedium nur zeitweise benötigt wird. Werden Aufträge, welche Heizleistungen benötigen zusammengefasst, kann das Medium über eine längere Zeit auf eine niedrigere Temperatur abgesenkt werden (ca. 85°C). Dadurch werden Wärmeverluste gemindert, die abgesenkte Temperatur ist mit weniger Energieaufwand zu erhalten als die Betriebstemperatur. Die MES-Planung stellt dann sicher, dass mit genug zeitlichem Vorlauf wieder auf Betriebstemperatur aufgeheizt wird.

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