Kommentar Was die Chemie von der Pharmaindustrie, Indien und China lernen kann und muss!

Quelle: Dr. Stephan Hundertmark 2 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Indien und China haben Europas Vormachtstellung bei Arzneiwirkstoffen längst abgelöst – und laut Dr. Stephan Hundertmark droht der Chemieindustrie eine ähnliche Entwicklung. In seinem Kommentar erklärt er, warum Volumengeschäfte unter Druck geraten und Europas Zukunft vor allem in Innovation, Spezialitäten und neuen Geschäftsmodellen liegt.

Dr. Stephan Hundertmark sieht Europas Chemieindustrie vor einem Umbruch und fordert eine klare Neuausrichtung weg von Volumenchemie hin zu Innovation und spezialisierten Geschäftsmodellen.(Bild:  Dr. Wieselhuber & Partner)
Dr. Stephan Hundertmark sieht Europas Chemieindustrie vor einem Umbruch und fordert eine klare Neuausrichtung weg von Volumenchemie hin zu Innovation und spezialisierten Geschäftsmodellen.
(Bild: Dr. Wieselhuber & Partner)

Noch in den 1980er Jahren wurden ca. 70 % aller Arzneistoffe für den Weltmarkt in Europa produziert. Heute wird der globale Bedarf vornehmlich aus Indien und China gedeckt, die sich nun ihrerseits über 70 % des heute viel größeren globalen Marktes für die API-Herstellung teilen. Europa kommt nurmehr auf knapp 25 %. Das Gros der Mengen ist weg, damit die Kapazitäten und die industrielle Wertschöpfung aus der Volumenproduktion.

Die gleiche Entwicklung ist auch für die europäische Chemieindustrie unabwendbar, wird sich aber weit schneller vollziehen! Zu dominant sind die Überkapazitäten in China und zu attraktiv ist die komparativen Kostenführerschaft in Indien, das mit dem jüngsten und absolut positiven Freihandelsabkommen näher an uns heranrückt. Noch dazu gibt es in der Chemieindustrie keinen ähnlich wirkungsvollen Patentschutz wie in der Pharmaindustrie.

Und doch, immerhin 25 % der Pharmaproduktion liegt weiterhin in Europa. Konkret sind dies innovative Produkte und Arzneistoffe sowie häufig die Endfertigung für die westlichen Märkte. Und was heißt das nun für die Chemieindustrie? Zuvorderst einen endgültigen Abschied von früheren Volumina in der Herstellung von Grund- und Basischemikalien aber auch von commoditisierten, ehemalige Spezialitäten, vor allem im Bereich der Kunststoffe. Dagegen liegt die Zukunft, wenig überraschend, in Innovationen, die als einzige nachhaltige Erfolgs- und Wachstumsquelle für hiesige Chemieunternehmen bleibt.

Die konsequente Transformation, die diese neue Realität für die Europäischen Chemieunternehmen bedeutet, ist bereits im vollen Gang und zwingend notwendig: Geschäftsfelder müssen hinsichtlich ihrer Zukunftsfähigkeit auf den Prüfstand gestellt werden, Kapazitäten konsequent angepasst, Kosten gesenkt werden und Innovationspfade und New Business Initiativen mit allen notwendigen Ressourcen und mutigem Unternehmertum verfolgt werden. Als Zielbilder für diese Industrie-Transformation können drei Prototypen für erfolgreiche Geschäftsmodelle deutsche Chemieunternehmen der Zukunft skizziert werden:

  • Die internationale Holding und einem konsequenten „local for local-footprint“, in der sich die europäischen Aktivitäten nach den anderen, meist dynamischeren internationalen Regionen-Clustern einreihen.
    Rückwärtsintegrierte Spezialitätenhersteller, die ihren Zugang zu attraktiven Anwendungen über innovative Produkte durch die Kontrolle und Monetarisierung der Vorstufen noch steigern, Stichwort Verbundproduktion.
    Systemhäuser, die sich als Problemlöser konsequent auf die vermeintlichen Nebenleistungen zum physischen Produkt konzentrieren, nämlich das Design-in von Produkten in Kundenlösungen, die anwendungstechnische Begleitung und eine hohe Innovationsquote in Anwendungen.

Und übrigens: Innovationen bedeuten nicht zwingend Klein(st)mengen im Apotheken-Format, um die gewählte Analogie noch etwas auszureizen. Auch im großindustriellen Maßstab entstehen neue Märkte immer auf der Basis von Innovationen und in Anwendungen, die auf neuen Technologien setzen und diese entsprechend skalieren lassen.

* Dr. Stephan Hundertmark, Partner und Leiter Chemie/Kunststoffe bei Dr. Wieselhuber & Partner

(ID:50699682)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung