Verfahren für bisher nicht recycelbare Kunststoffabfälle Pruvia baut Anlage für thermochemisches Recycling von Kunststoffen im Chemiepark Gendorf

Quelle: Pressemitteilung Pruvia 2 min Lesedauer

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Der Chemiepark Gendorf in Burgkirchen erhält Zuwachs: Das Fürther Unternehmen Pruvia wird ab Sommer 2025 eine der europaweit größten, kommerziellen Plastic-to-Oil-Anlagen errichten.

Freuen sich über die gemeinsame Zusammenarbeit (v.r.n.l.): Dominik Gschwendtner (Geschäftsleiter Infraserv Gendorf), Martin Nitz (CEO Pruvia), Andreas Kurz (COO Pruvia), Christoph von Reden (Geschäftsleiter Infraserv Gendorf) und Jan Schäfer (Finance & Legal Pruvia).(Bild:  Heiner Heine)
Freuen sich über die gemeinsame Zusammenarbeit (v.r.n.l.): Dominik Gschwendtner (Geschäftsleiter Infraserv Gendorf), Martin Nitz (CEO Pruvia), Andreas Kurz (COO Pruvia), Christoph von Reden (Geschäftsleiter Infraserv Gendorf) und Jan Schäfer (Finance & Legal Pruvia).
(Bild: Heiner Heine)

Das von Pruvia entwickelte und patentierte Verfahren wandelt nicht recycelbare Mischkunststoffabfälle mittels eines kontinuierlichen Pyrolyse-Prozesses in zirkuläres, nicht fossiles Naphtha um. Dieser aus Abfall wiedergewonnene Rohstoff kann in der petrochemischen Industrie zur Herstellung von neuen Kunststoffen verwendet werden. Die Anlage ersetzt fossile Rohstoffe und trägt gleichzeitig zur nachhaltigen Defossilisierung der chemischen Industrie durch umweltschonende Kreislaufwirtschaft von Kunststoffen bei.

Mit der Inbetriebnahme, die für das 4. Quartal 2026 geplant ist, wird die Anlage in Gendorf eine Jahreskapazität von 35.000 Tonnen Mischkunststoffabfälle verarbeiten können, das entspricht dem Aufkommen von mehr als 900.000 Menschen. Das Unternehmen, das derzeit aus einem Team von 14 Mitarbeitern besteht, investiert zunächst einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag in Gendorf und wird ab der Inbetriebnahme rund 30 Mitarbeiter beschäftigen. Die Verdopplung der Jahreskapazität auf 70.000 Tonnen ist für 2028 geplant.

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Bei dem kontinuierlichen Verfahren werden die zerkleinerten Kunststoffe bei 450 - 550 °C geschmolzen, dabei entsteht Pyrolysegas. Nach dem Abkühlen entsteht durch Kondensation das Ölderivat. Dieses enthält das Naphta, welches in der Petrochemie weiterverwertet werden kann. Bei dem Prozess entstehen Nebenprodukte, aus denen sich Energie zurückgewinnen lässt, die wieder in den Prozess zurückgeführt wird.

Jedoch können laut Dr. Andreas Kurz, COO Pruvia nicht alle Abfälle aus dem gelben Sack verarbeitet werden. „Wir brauchen Kohlenwasserstoffe um wieder Kohlenwasserstoff daraus zu machen.“ Dafür kommen nur eine ganz bestimmte Klasse der Polymere wie Polyethylen oder Polypropylen in Frage. Aber diese machen laut Dr. Kurz schon mehr als 50 Prozent der Polymere aus. „Die bestehende Infrastruktur der Recycler ist in der Lage, die Stoffströme so herzustellen, dass wir einen extrem hohen Polyolefingehalt bekommen. Das Material enthält mehr als 90 Prozent Polyolefin. Die Differenz zu den 100 Prozent besteht aus Feuchtigkeit und Inertmaterialien wie Steinchen, Glas oder Metallsplitter, die nicht in Gas umgewandelt werden können und den Prozess verlassen.“ Die Ausbeute des Verfahrens beschreibt Dr. Kurz wie folgt: „Wenn der Polyolefingehalt 100 Prozent beträgt, können aus einer Tonne Eingangsmaterial 800 kg Pyrolseöl gewonnen werden.“

In einer industriellen Demo-Anlage in Leuna hat Pruvia in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Zentrum für Chemisch-Biotechnologische Prozesse CBP die Skalierbarkeit der Technologie bereits bewiesen.

Martin Nitz, Pruvia-Mitgründer und CEO zu den Vorteilen der in Europa, den USA, China und Indien bereits patentierten MLM-R-Technologie: „Die Marktfähigkeit des chemischen Recyclings scheiterte bis dato vor allem aus zwei Gründen: Hoher Energieeinsatz und hohe Betriebskosten. Wir haben für beide Herausforderungen die Lösung gefunden. Unsere MLM-R-Technologie zeichnet sich durch eine ausgezeichnete Energieeffizienz und niedrige Betriebskosten aus.“

Das Potenzial für die neue Technologie sei laut Nitz riesig. Dies lässt sich u. a. auf die neue EU-Abfallverordnung zurückführen, welche Quoten für den Einsatz von Rezyklat in neuen Kunststoffverpackungen vorschreibt. Auch aufgrund des Dekarbonisierungszwangs möchten die Kunden Verpackungsmaterial aus der Kreislaufwirtschaft beziehen. „Die Nachfrage nach der neuen Technologie übersteigt bei Weitem das Angebot. Die Produktion der nächsten fünf Jahre ist bereits verkauft, mit der Option auf weitere fünf Jahre.“

Die Skalierung sei zwar bereits vorbereitet, aber man wird das globale Müllproblem nicht allein lösen können. Deshalb stellt Pruvia seine Technologie auch anderen Unternehmen zur Verfügung.

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