Fisch, Innereien und Hühnereier auf Ewigkeitschemikalien untersucht PFAS im Frühstücksomelette – Studie zeigt kritische Belastung tierischer Lebensmittel

Quelle: Pressemitteilung Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland 3 min Lesedauer

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Ausgerechnet die Hühnereier aus dem eigenen Stall könnten sich als das größere Gesundheitsrisiko erweisen. In einer vom BUND beauftragten Studie fanden sich dort höhere PFAS-Konzentrationen als in Supermarkt-Eiern. Auch Fisch und Innereien wurden untersucht. Ein Blick auf die Ergebnisse.

In einer Stichprobe wurden PFAS in 14 von 22 Hühnereiern gefunden (Symbolbild).(Bild:  GPT Image Generator / KI-generiert)
In einer Stichprobe wurden PFAS in 14 von 22 Hühnereiern gefunden (Symbolbild).
(Bild: GPT Image Generator / KI-generiert)

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) überprüft auch die Qualität von Lebensmitteln und hat nun die Ergebnisse seines PFAS-Checks in Fisch und Hühnereiern veröffentlicht. Dafür hat der Verband zusammen mit der französischen Nicht-Regierungs-Organisation Générations Futures Daten der Europäischen Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) systematisch ausgewertet und im Frühjahr 2025 insgesamt 22 Hühnereierstichproben auf Ewigkeits-Chemikalien getestet.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass insbesondere tierische Lebensmittel mit per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) belastet sind: 69 Prozent des Fisches, 55 Prozent der Innereien (Leber u.a.) und der Muscheln und 39 Prozent der Hühnereier. Dabei waren die PFAS-Konzentrationen in Innereien besonders hoch. Gemüse war hingegen nur zu sieben Prozent mit einer der vier getesteten PFAS belastet.

„Schadstofffreie Lebensmittel können nur in einer gesunden Umwelt produziert werden. Doch längst sind unsere Gewässer und unsere Böden mit Ewigkeits-Chemikalien belastet, Tendenz steigend“, konstatiert Janna Kuhlmann, Chemikerin beim BUND. „Die Auswirkungen der hohen PFAS-Belastungen sehen wir bei Eiern von Hobbyhalter*innen, deren Hühner im Boden picken können und Regenwürmer essen.“ Nicht kommerzielle Produkte wie private Hühnereier fallen nicht unter die regelmäßige Überwachung der Behörden und bergen daher ein besonderes Risiko für die sich in der Umwelt anreichernden Substanzen. Kuhlmann spricht sich daher für ein Verbot der PFAS aus.

Hühnereier aus Hobbyhaltung besonders belastet

Die Belastung von tierischen Produkten zeigen auch die Ergebnisse eines Labortests, der kürzlich vom BUND beauftragt wurde. In 14 von insgesamt 22 auf jeweils 32 PFAS-Einzelsubstanzen untersuchten Hühnereier-Proben aus ganz Deutschland wurden Ewigkeits-Chemikalien nachgewiesen. Die vier untersuchten Eier von Hobbyhaltern waren stärker belastet als die 18 Proben aus dem Supermarkt.

Geltende gesetzliche Grenzwerte für vier PFAS wurden nicht überschritten – jedoch fanden sich in mehreren Proben deutlich mehr PFAS-Typen. Auch nicht regulierte PFAS wie Perfluorbutansäure (PFBA) wurden häufig nachgewiesen – diese Substanz ist besonders mobil und gelangt rasch in Böden und Gewässer.

Hühnereier dienten in der Vergangenheit immer wieder als Gradmesser für die Belastung der Umwelt mit langlebigen Stoffen

Janna Kuhlmann, Chemikerin beim BUND

Wie viel PFAS ist noch unbedenklich?

Zum Schutz der menschlichen Gesundheit hat die EFSA 2020 eine tolerierbare Wochendosis (Tolerable Weekly Intake, TWI) von 4,4 Nanogramm pro Kilogramm Körpergewicht für vier PFAS ermittelt. Die Aufnahme von PFAS oberhalb dieser Dosis über einen längeren Zeitraum kann beispielsweise das Immunsystem schwächen.

Beim Vergleich mit den gefundenen PFAS-Belastungen in der BUND-Studie ergibt sich folgendes: Ein Kleinkind könnte schon bei dem Verzehr von einem Ei pro Woche die tolerierbaren Wochendosis überschreiten (bei den am stärksten belasteten Eier mit einem ermittelten Wert von 1,05 Mikrogramm PFAS-4 pro Kilogramm Frischei). Eine erwachsene Person hätte mit einem Ei pro Woche immerhin schon etwa 25 Prozent der wöchentlich tolerierbaren PFAS-Menge aufgenommen. Der gesetzliche Grenzwert für Hühnereier liegt hingegen bei 1,7 µg/kg für die Summe von vier PFAS.

Gesetzliche Höchstgehalte für PFAS in verschiedenen tierischen Lebensmitteln.

Angaben in µg/kg (nach Verordnung (EU) 2023/915)

Lebensmittelgruppe PFOS PFOA PFNA PFHxS Summengrenzwert „PFAS-4“
Eier 1,0 0,30 0,70 0,3 1,7
Fische (Muskelfleisch) 2,0 0,20 0,50 0,20 2,0
Krebstiere und Muscheln 3,0 0,70 1,0 1,5 5,0
Fleisch (Rind, Schwein, Geflügel) 0,30 0,80 0,20 0,20 1,3

Die Auswertung der Behördendaten zeigt, dass die EU-Grenzwerte für Lebensmittel nicht ausreichend vor PFAS schützen und insbesondere Kinder die tolerierbare Wochendosis schnell überschreiten. Verzehrt ein Kind 50 g Barsch, welcher den gesetzlichen Grenzwert sehr knapp erfüllt, dann hat es bereits die sechsfache tolerierbare Wochendosis an PFAS aufgenommen.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) stellte bereits 2021 fest, dass die täglich aufgenommene PFAS-Menge bei Menschen in Deutschland über dem gesundheitlich kritischen Wert liegt und eine Beeinträchtigung des Immunsystems nicht ausgeschlossen werden kann. Daher fordert der BUND die Beschränkung der gesamten PFAS-Gruppe für alle Anwendungen und angepasste der Grenzwerte für Lebensmittel, Trinkwasser, Böden und Gewässer, bei welcher keine Schwächung des Immunsystems zu befürchten ist.

Diese Meldung ist zuvor bei unserer Schwestermarke www.foodtec-insider.de erschienen.

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