Namur-Hauptsitzung 2010

Funktionale Sicherheit ohne Kompromisse

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Die beiden internationalen Normen IEC 61508 und IEC 61511 definieren Standards zur Realisierung von Funktionaler Sicherheit. Dabei dient die IEC 61508 als Vorlage für die Sektornormen aller Industrien, während die IEC 61511 als Sektornorm die Umsetzung der Funktionalen Sicherheit für die Prozessindustrie beschreibt.

Warum fällt es trotz dieser Normen vielen Unternehmen schwer, Sicherheit in ihren Anlagen zu implementieren? Weil es oft keine Systemfrage ist, sondern eine Frage der Sicherheitskultur in den Unternehmen, so Philipp in seinen Ausführungen.

Safety-Lifecycle-Ansatz

Die IEC 61511 beinhaltet als wesentlichen Bestandteil den Safety-Lifecycle, der sich in die drei Bereiche Analyse, Realisierung und Betrieb aufteilen lässt. Die Tätigkeiten im Rahmen des Safety-Lifecycle werden flankiert von zwei weiteren wichtigen Bereichen: dem Aufbau und der Planung des Safety-Lifecycles sowie von der Verifikation, für die stellvertretend das Vier-Augen-Prinzip steht. Ein Managementsystem zur Funktionalen Sicherheit bildet den Gesamtrahmen.

Functional Safety Management ist verpflichtend

Die Seveso-II-Richtlinie der Europäischen Union schreibt vor, dass in Prozessanlagen ein Functional Safety Management System zu implementieren ist. In Deutschland beschreibt die Störfallverordnung (12. BImSchV), wie dies umzusetzen ist.

FSM-Systeme werden in Unternehmen eingeführt, um klare Prozesse zu beschreiben und Verantwortlichkeiten zu definieren. Die Umsetzung eines solchen Systems ist ein komplexer Vorgang und erfordert umfangreiche Erfahrung. Sie beginnt mit einem minutiösen Vergleich vorhandener Qualitätsmanagement-Maßnahmen mit den Anforderungen aus den IEC-Normen. Anschließend wird im Rahmen einer Gap-Analyse der Erfüllungsgrad der definierten Anforderungen ermittelt und entsprechende Abweichungen werden aufgezeigt. Durch entsprechende Anpassung wird die Konformität zu den geforderten Regelwerken schließlich erreicht.

Zertifikat allein macht nicht sicher

Zertifizierungen nach den Normen IEC 61508 und IEC 61511 mögen Sicherheit vermitteln, in den letzten Jahren gab es aber wiederholt Negativbeispiele, die an den Zertifikaten zweifeln ließen, wie Hinzmann betont. Das „Spiel mit den Zahlen“ sei für verschiedene Hersteller so verlockend gewesen, dass sie im Zusammenhang mit der Safe Failure Fraction (SFF) ihre Geräte in die nächsthöhere SIL-Kategorie gehoben haben, indem sie die Anzahl der sicheren Fehler unnötigerweise erhöht haben. Glücklicherweise habe die Normierung darauf reagiert und solchen Zahlenspielereien einen Riegel vorgeschoben. "Geräte mit entsprechenden Zertifikaten sind jedoch auf dem Markt", warnt der Sicherheitsexperte.

Ein Zertifikat allein mache also nicht sicher, genaues Hinschauen sei zu empfehlen. Das gelte auch für weitere Themen im Rahmen der Zertifizierung wie Haftungsausschlüsse der zertifizierenden Stelle, Verwendung unterschiedlicher Tabellen für die Ausfallraten, Auflagen im Sicherheitshandbuch, die die Verantwortung für die sichere Funktion des Systems auf den Anwender überträgt.

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