Aus- und Weiterbildung in der sicherheitsgerichteten AutomatisierungFachkräftemangel: Warum Unternehmen ihre Aus- und Weiterbildung am besten selbst in die Hand nehmen
Ein Gastbeitrag von
M.Sc. Jan-Niklas Stender, Leiter Aus- und Weiterbildung; M.A. Sina Harnacke, Staatlich anerkannte Kindheitspädagogin; M. Eng. Nicolas Bennerscheid, Geschäftsführer; alle TUEG Schillings
7 min Lesedauer
Fachkräfte werden rar in der Prozessindustrie und fehlen zunehmend in der sicherheitskritischen Automatisierung. Training on the Job und zielgerichtete Aus- und Weiterbildung werden für die Unternehmen immer wichtiger. Welche Herausforderungen aber auch Chance ein eigenes Aus- und Weiterbildungszentrum bietet.
Zwei Mitarbeiter bei einem Rundgang durch eine Raffinerie.
(Bild: industrieblick - stock.adobe.com)
Ein wesentlicher Faktor für den Erfolg eines Unternehmens ist die Verfügbarkeit qualifizierter und kompetenter Fachkräfte. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (Institut der deutschen Wirtschaft Köln e. V 2021), macht den in Deutschland bereits seit Jahren anhaltenden Fachkräftemangel in der Chemiebranche deutlich. Insbesondere in der Automatisierungstechnik hat der Mangel an geeigneten Fachkräften bereits kritische Ausmaße angenommen – eine echte Herausforderung, da deren Bedeutung aufgrund des zunehmenden Grades der Automatisierung und Digitalisierung innerhalb der Produktion schnell größer wird (Verband der Chemischen Industrie e.V. 2017).
(Bild: IW Köln)
Um den Bedarf zu decken, ist die Investition in die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften ein entscheidender Faktor. Und dazu müssen Soft- und Hardskills bei Fachkräften vorhanden sein, wobei bei den Hardskills fundamentales Fachwissen ausreicht, da dieses gezielt aufgebaut werden kann.
Was Tueg alles macht
Die „TUEG Schillings GmbH“ wurde im Jahr 1990 aus der „IBS Schillings GmbH“ zur Prüfung von Überfüllsicherungen gegründet und wird seither mit der Dynamik eines Start-ups familiengeführt betrieben. Der Schwerpunkt liegt auf EMSR-Prüfung, Instandhaltung und Engineering aus einer Hand, wobei die Themen Funktionale Sicherheit und Explosionsschutz eine besondere Rolle spielen. Tueg Schillings beschäftigt über 75 Mitarbeiter und hat Standorte in Kerpen (Region Köln, Dormagen, Leverkusen, Krefeld), Darmstadt (Region Frankfurt, Darmstadt, Ludwigshafen) und Marl (Region Ruhrgebiet). Die eigene „TUEG Akademie“ bietet Seminare zur Funktionalen Sicherheit und zum Explosionsschutz an, die sowohl eigene als auch externe Experten weiterbilden sollen. Die Schulungen können sowohl remote, in der Tueg-Zentrale in Kerpen oder auch in einem Seminarraum eines Unternehmens vor Ort stattfinden. Dafür sind eigene portable Versuchsaufbauten vorhanden, die den Teilnehmenden praxisnahe Beispiele liefern und so den Lernerfolg sichern sollen.
Ausbilder brauchen besondere Fähigkeiten
Doch wie sieht ein ressourcenschonendes Aus- und Weiterbildungskonzept aus? Und wo liegen derzeit die Herausforderungen? Wenn Fachkräfte schon „Mangelware“ sind, so ist Personal, welches aus -und weiterbilden kann ein noch größerer Engpass. Denn dazu muss der Ausbilder über ein noch tiefer gehendes Fachwissen verfügen wie die Teilnehmenden der Lehrgänge.
Darüber hinaus werden Vermittlungskompetenzen und didaktisches Geschick benötigt. Lehrpläne müssen erstellt werden, in dem Lehrinhalte sowie -ziele definiert sind. Und natürlich ist auch eine Überprüfung der Lernerfolge zur Qualitätssicherung sowie Optimierung des Aus- und Weiterbildungskonzepts sinnvoll. Zudem bietet es Rechtssicherheit bei dem Aussprechen von Befähigungen und dient der rechtssicheren Organisation von Unternehmen (in Hinblick auf §§ 823, 831, 31 BGB) mit ihren vier Säulen Auswählen, Anweisen, Überwachen und Dokumentieren. Dies ist insbesondere im Bereich der Funktionalen Sicherheit und des Explosionsschutzes, wo ein hohes Maß an Verantwortung und Bewusstsein erforderlich ist, anspruchsvoll.
Es geht nichts über die Praxis im Betrieb
Es gilt mögliche Gefahren und Risiken für Mensch und Umwelt zu minimieren, daher müssen Mitarbeitende nicht nur das nötige Fachwissen haben, sondern auch verstehen, wie wichtig ihre Arbeit ist und welche Auswirkungen Fehler haben können. Eine maßgeschneiderte Gestaltung von Weiterbildungskonzepten, die auf die individuelle Berufserfahrung des Lernenden abgestimmt sind, ist von großer Bedeutung. Um beispielsweise künftige Konflikte zwischen den Tätigkeitsfeldern von Betriebsingenieuren oder MSR-Planerinnen sowie Facharbeitern zu vermeiden, sollten angehende Ingenieurinnen oder Planer eine Zeit lang im Handwerks-Bereich arbeiten. Erst die Praxis ermöglicht einen Einblick in die handwerklichen Tätigkeiten sowie den nötigen Erfahrungsaufbau.
Verständnis hängt entsteht durch anfassen: Schulung mit Hardware
(Bild: CHRISTIAN AHRENS, Köln)
Denn obwohl Universitäten und Hochschulen eine gute fachliche Ausbildung und gegebenenfalls auch umfangreiche praktische Ingenieurausbildung bieten, fehlt den Studierenden, die zuvor keine Ausbildung absolviert haben, oft Erfahrung in diesen Tätigkeiten. Insbesondere Montage- oder Instandhaltungsarbeiten an der Hardware der Feldebene erfordern eine andere Perspektive auf die verwendete Technologie: ihre Vor- und Nachteile, Fehleranfälligkeit sowie die Auswirkungen des Einbauorts der Hardware.
Frontalunterricht ist out, neue Methoden sind gefragt
Neben den bereits genannten Faktoren, welche eine erfolgreiche Weiterbildung ausmachen, sollten Ausbildende zusätzlich zu der didaktischen Organisation und einer abwechslungsreichen Methodik auch die Grundlagen der Erwachsenenbildung und Lehr- und Lerntheorien im Blick behalten. Lernen wird oft als ein passiver Prozess der Wissensvermittlung verstanden. Geprägt wird dieses Bild durch Frontalunterricht mit schier endlosen Folien-Präsentationen.
Lernen ist jedoch vielmehr ein aktiver Prozess, welcher selbst gesteuert werden kann. Das Gehirn von Erwachsenen entwickelt sich stetig weiter und Wissenserwerb findet fortlaufend statt (Spitzer/Herschkowitz 2020 ). Menschen lernen besser, wenn sie aufmerksam und motiviert sind. Auch Emotionen haben eine wesentliche Bedeutung im Lernprozess. (Spitzer 2006). Das eigentliche Lernen ist ein Vernetzungsprozess, der im Gehirn vor sich geht. Dabei ändert sich die Stärke der synaptischen Verbindungen zwischen den Neuronen. Je kleinschrittiger gelernt wird, umso weniger wird Gelerntes vergessen. Durch Denken und geistige und körperliche Aktivität vernetzen sich immer mehr Neuronen (Mietzel 2007 ).
Stand: 08.12.2025
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SIL-Forum
Beim SIL-Forum am 14. September 2023 erwarten Sie spannende Keynotes sowie Impulsvorträge, in denen Sie den neuesten Stand zum Thema Funktionale Sicherheit und Security erfahren. Im Fokus stehen Lösungsansätze und Experten-Tipps für den beruflichen Alltag sowie der Erfahrungsaustausch. Exklusiv-Workshops bieten die Möglichkeit, ausgewählte Themen anhand konkreter Praxisbeispiele zu vertiefen.
Dies kann durch ein modulares Aus- und Weiterbildungskonzept erreicht werden, welches praktische Übungen an Hardware enthält.
Nicht nur die Gesellschaft und die individuelle Wahrnehmung nehmen beim Lernen eine bedeutende Rolle ein, sondern ebenso Kenntnisse, Erfahrungen und eigene Überzeugungen (Brödel 2011). Die intrinsische Motivation kann gestärkt werden, sofern der Nutzen und der Grund der Maßnahme klar beschrieben wird. Gerade in den Themengebieten der Funktionalen Sicherheit und des Explosionsschutzes gilt es nämlich den Lernenden die Wichtigkeit seiner Tätigkeit für seine eigene körperliche Unversehrtheit, sowie die seiner Kolleginnen und Kollegen zu verdeutlichen.
Lernen ohne Zwang sondern durch intrinsische Motivation
Daraus können unter anderem folgende Aspekte für erfolgreiche Weiterbildungen hergeleitet werden: Wissen sollte in der Erwachsenenbildung nicht aufgezwungen, sondern vielmehr selbst gesteuert vermittelt werden. Die individuellen Lernerfahrungen der Auszubildenden sind zu berücksichtigen. Kann das erlernte Wissen im Alltag angewendet werden und in Situationen unterstützen, steigert dies zusätzlich die Lernbereitschaft (Knowles, 2007). Ausbildende können den Lernprozess unterstützen, indem Situationen authentisch und alltagstauglich in einen Kontext gebracht werden. Mit konkreten Beispielen an Hardware, welche in den Betrieben der Lehrenden eingesetzt wird, lässt sich so die erlernte Theorie veranschaulichen.
Hier gilt es, das Interesse der Auszubildenden für die Thematik zu wecken und die Sinnhaftigkeit der Weiterbildung transparent zu machen. Dies gelingt am besten, indem im Rahmen der Weiterbildung eigene Erfahrungen gesammelt werden können. Daher sind praktische Übungen mit Soft- und Hardware unabdingbar für den Lernerfolg. Je facettenreicher Anwendungsbeispiele übermittelt werden, umso flexibler kann das erlernte Wissen im Berufsalltag angewendet werden.
Auch die Frage, welche Lerngewohnheiten Auszubildende entwickeln, ist wichtig. Hier gilt die Faustregel: Viele Wege führen zum Ziel, dabei gilt es klar zu formulieren und zu kommunizieren. Können Teilnehmende ihren Erfolg im Beruf auf die eigenen Handlungen zurückführen, steigert das die Motivation an Weiterbildungen teilzunehmen. Intrinsische Motivation unterstützt den Lernprozess zusätzlich. Auch Arbeit in Gruppen unterstützt dabei. Neben Qualifikationen und Skills schult das auch den Prozess der Perspektivübernahme (Weidenmann 2011).
Standards und hohe Qualität sind wichtig
Die Erfüllung festgelegter Standards und deren kontinuierliche Aufrechterhaltung sind von wesentlicher Bedeutung, zusätzlich zur individuellen Aus- und Weiterbildung. Beispielsweise schreibt der Gesetzgeber in der Betriebssicherheitsverordnung die Aufrechterhaltung des Fachwissens und dessen Anpassung an den aktuellen Stand der Technik durch Schulungen vor (BetrSichV Anhang 2 Abschnitt 3ff). Aus diesem Grund muss das Aus- und Weiterbildungskonzept nicht nur für die Einarbeitungsphase, sondern für die gesamte Dauer der Erwerbstätigkeit ausgelegt sein.
Zyklisch wiederkehrende Schulungen beanspruchen langfristig betrachtet den größten Anteil an Schulungszeit. Daher ist die Qualität der eingesetzten Schulungen von entscheidender Bedeutung für die Aufrechterhaltung von Befähigungen.
In Anbetracht der Tatsache, dass Fachkräfte bereits knapp sind, ist es besonders herausfordernd, fachlich qualifiziertes Personal zu finden, das in der Lage ist, Aus- und Weiterbildungen durchzuführen. Dies umfasst das Vermitteln von Theorie nebst Durchführung von praktischen Übungen sowie die Instandhaltung der verwendeten Hardware. Da Fachkräfte am freien Markt kaum mehr zu generieren sind, ist für hochspezialisierte Dienstleister, wie bspw. der „TUEG Schillings GmbH“ der Aufbau eines eigenes Aus- und Weiterbildungszentrums nur folgerichtig. Das Unternehmen hat daher die „TUEG Akademie“ gegründet, um diesem Mangel abzuhelfen.
Greifen, um zu begreifen
Eine solche Akademie spezialisiert sich auf individuelle Schulungen von Sensortechnik bis zur Funktionalen Sicherheit und Explosionsschutz, welche in den Grundlagen der aktuellen Ausbildungssystematiken oftmals sekundär behandelt werden. Die Schulungen werden aus den praktischen Anforderungen der Anwender aus der Prozessindustrie in Kombination mit dem Stand der Technik sowie Werknormen entwickelt. Da man etwas „greifen“ muss, um es zu begreifen, sind praktische Anwendungsbeispiele durch eigene portable Versuchsaufbauten unabdingbar.
Ein rechtssicheres Wissensmanagementsystem wird implementiert, um die Betreiberpflichten zu erfüllen. Grundlage einer solchen Einrichtung, welche auch für externe verfügbar ist, sind Dozierende mit langjähriger Erfahrung in der Hochschullehre, regelmäßigen Feldeinsätzen und Spezialisierung auf den Bereich der EMSR. Zu dem erfolgreichen Vermitteln von Lerninhalten werden nach einer Wissensabfrage der Teilnehmenden individuelle Lernmodule konzipiert. Der modulare Aufbau gleicht dem eines Hochschulstudiums, inklusive Modulhandbuch nach § 7 StudakVO. Die Schulungen schließen mit einer Abschlussprüfung und einem Zertifikat als Grundlage für Befähigungen ab.
Theorie braucht Praxis und Praxis braucht Theorie
Präziser und hochqualifizierter Wissenstransfer stellt eines der Mittel zum Wirken gegen den Fachkräftemangel dar und können die Marktposition eines Unternehmens sichern. Neben der direkten Einflussnahme auf den Unternehmenserfolg, sichern richtig ausgewählte und weitergebildete Expertinnen auch die Unternehmensführung rechtlich ab. Um dies zu gewährleisten, werden neben der Grundausbildung hochspezialisierte Modelle der Wissensvermittlung benötigt. Je weiter sich der Kampf um die Fachkräfte verschärft, desto wichtiger werden die unternehmenseigenen Aus- und Weiterbildungsmodelle werden.