Nach einem schwierigen Jahr 2024 bleibt die Stimmung in der europäischen Chemieindustrie auch für 2025 verhalten. Produktionsverlagerungen und Kostenoptimierungen gewinnen weiter an Relevanz. Gleichzeitig bleibt die grüne Transformation ein zentrales Zukunftsthema – neben Digitalisierung und dem verstärkten Einsatz von künstlicher Intelligenz.
Die europäische Chemiebranche erwartet 2025 kaum Wachstum – eine spürbare Erholung wird erst ab 2026 gesehen.
Nach einem ernüchternden Geschäftsjahr 2024 („lost year“) prognostizieren die marktführenden europäischen Chemieunternehmen auch für 2025 noch keine nennenswerte Erholung. Eine vorsichtig positive Entwicklung zeichnet sich erst im Laufe des zweiten Halbjahrs ab – vorausgesetzt, ein globaler Handelskrieg oder eine ausbleibende wirtschaftliche Erholung machen den Unternehmen keinen Strich durch die Rechnung. „Die Chemiebranche ist stark von der Konsumlaune abhängig, denn in nahezu allen Konsumgütern steckt zumindest indirekt Chemie. Und die Stimmung der Verbraucher ist wiederum stark psychologisch geprägt. Drohende Handelskriege und Nachrichten über Stellenabbau dämpfen die Konsumstimmung in Deutschland und Europa“, sagt Peter Hartl, Studienleiter und Partner bei der Managementberatung Horváth. „Dazu kommen die großen strukturellen Probleme in Europa: die hohen Energie- und Personalkosten, die alternde Gesellschaft – konsumiert wird vor allem von jüngeren Zielgruppen –, und die Auswüchse der Regulatorik, die, Stand heute, ja noch immer nicht radikal zurückgeschnitten sind.“
Verlagerungen von Produktionsstätten in vollem Gang
Aufgrund dieser strukturellen Probleme in Europa arbeiten die Chemieunternehmen mit Hochdruck an strukturellen Anpassungen von Produktionsnetzen und Lieferketten. Das Thema „Supply bzw. Production Footprint Optimierung“ ist das Managementthema, das im Vergleich zum Vorjahr am stärksten an Bedeutung gewonnen hat und im Ranking um sechs Plätze an die vierte Stelle vorgerückt ist. „Hier geht es vor allem um die Verlagerung von Produktion. Kapazitäten werden in Europa angepasst und neu in Wachstumsregionen aufgebaut. Aber auch die Verlagerung funktionaler Bereiche kann sinnvoll sein“, so Hartl.
Für 2026 ist die Mehrheit, der von der Managementberatung Horváth befragten Vorstands- und Geschäftsführungsmitglieder führender europäischer Chemiekonzerne optimistisch, Ertragssteigerungen von mindestens fünf Prozent zu erzielen. „Positive Effekte sind: Die Einkaufspreise haben sich normalisiert, vor allem die Energiepreise haben sich eingependelt und sind berechenbar geworden, und gleichzeitig tragen die enormen Anstrengungen im Bereich der Kostenoptimierung Früchte“, so Hartl. Mit Blick auf den deutschen Markt ist dem Experten zufolge auch zu erwarten, dass sich sowohl das von der Bundesregierung beschlossene Finanzpaket als auch eine Bevorzugung in Europa hergestellter Produkte seitens der Verbraucher positiv auf die Geschäftsentwicklung der hier ansässigen Firmen der Chemieindustrie auswirkt. „Auch die Verteidigungsindustrie ist indirekt auf chemische Produkte angewiesen“, so der Horváth-Partner.
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(Bild: VCG)
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Das für ab 2026 prognostizierte Wachstum wird sich nach Ansicht der Unternehmensverantwortlichen vor allem im Nettogewinn auswirken (bottom line) und über steigende Volumina erzielt werden, weniger über Preiserhöhungen. Die Unternehmen gehen von weiter hohen Produktionskosten aufgrund hoher Material- und Energiepreise aus. Um international wettbewerbsfähig zu bleiben, können sie die Preise nicht erhöhen und arbeiten an der Profitabilitätsgrenze, daher der starke Fokus auf Kostenoptimierung. Im Vergleich zum Vorjahr ist das Thema „Verbesserung der Kosten- und Erlösstrukturen“ im Ranking der wichtigsten Managementprioritäten um zwei Plätze gestiegen und steht für 2025 an erster Stelle. „Die Kostenoptimierung, die notwendig ist als Basis für die Schaffung von finanziellem Spielraum, für den Aufbau von Resilienz und die Vorbereitung auf die Zukunft, ist alternativlos und wird in den Organisationen auch im Rahmen von Programmen bereits umgesetzt. Die wichtigsten Zukunfts- und Wachstumsthemen für die befragten Entscheider sind Digitalisierung & AI sowie die grüne Transformation“, so Horváth-Partner Hartl.
Grüne Transformation weiterhin eine der wichtigsten Managementprioritäten
Auch wenn sie von Platz zwei auf Platz drei gerutscht ist: Drei Viertel der befragten Vorstands- und Geschäftsführungsmitglieder sehen ihre Geschäftsentwicklung stark beeinflusst durch Dekarbonisierung, Kreislaufwirtschaft und Klimaneutralität. „Geschäftsmodelle der Zukunft sind fossilfrei oder zumindest klimaneutral. So wird der Einsatz von Erneuerbarer Energie fossile Energieträger mittel- bis langfristig ersetzen. Das ist für die Chemieindustrie keine idealistische Idee und auch kein Herzenswunsch, sondern schlichte betriebswirtschaftliche Kalkulation“, so Horváth-Partner Peter Hartl. Die europäischen Chemieunternehmen wollen sich dadurch langfristig einen internationalen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Aber: Aufgrund der herausfordernden Rahmenbedingungen und politischen Unsicherheiten werden größere Investitionen aktuell noch vertagt. „Und die exzessive Regulatorik im Bereich Nachhaltigkeit wirkt sich kontraproduktiv aus“, so Hartl.
Stand: 08.12.2025
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AI zieht in Kern-Unternehmensbereiche ein
Gestiegen ist die strategische Bedeutung des Handlungsfelds Digitalisierung & AI, und hier vor allem auch der verstärkte Einsatz von KI-Technologie. Die digitale Transformation landet im Ranking der wichtigsten Managementthemen in diesem Jahr an zweiter Stelle – vier Plätze weiter vorn als im vergangenen Jahr.
„Die Technologie zieht nicht nur verstärkt in interne Prozesse ein, sondern auch in Kernfunktionen und -unternehmensbereiche, etwa in die Produktionsplanung und in den Vertrieb beim Pricing“, so Horváth-Experte Peter Hartl. Auch in der Instandhaltung werde KI bei der Entscheidungsfindung eine immer größere Rolle spielen. „Mithilfe von KI können Wartungszyklen durch bessere Vorhersage optimiert werden, Ersatzteile werden punktgenau automatisch nachbestellt“, so Peter Hartl. „Neben der Dekarbonisierung ist die Digitalisierung absolutes Top-Zukunfts- und Wachstumsthema, die Branche wird hier in den kommenden Monaten weitere große Fortschritte machen.“